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NJPW-Topstar Kazuchika Okada verpasst Tetsuya Naito den "Rainmaker"
NJPW-Topstar Kazuchika Okada verpasst Tetsuya Naito den "Rainmaker" © NJPW
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München - Die japanische Liga NJPW ist das Maß aller Dinge, wenn es um hochklassiges Wrestling geht. Kazuchika Okada und Kenny Omega hoben sie auf ein neues Level.

Die bekannteste und populärste Wrestling-Liga der Welt? WWE, klar.

Die beste Wrestling-Liga der Welt? Fans, die etwas auf sich halten, geben da eine andere Antwort: In dieser Hinsicht gilt die japanische Liga NJPW als das Maß aller Dinge.

Im Jahr 1972 von der Nippon-Legende Antonio Inoki gegründet, war NJPW Bühne für nationale und internationale Topstars wie Big Van Vader, The Great Muta, Shinya Hashimoto, Jushin Thunder Liger, AJ Styles und Shinsuke Nakamura. Im Lauf der Jahrzehnte erlebte sie viele Höhen und Tiefen, seit einigen Jahren herrscht ein absolutes Hoch: Die Liga gilt als weltweit beste Adresse für hochwertiges Wrestling - und begeistert auch das internationale Publikum immer mehr.

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Der Popularisierungsschub ist vor allem mit zwei Namen verbunden: Kazuchika Okada und Kenny Omega.

Kazuchika Okada und Kenny Omega mit Mega-Matchserie

Der 1987 geborene Okada - Spitzname: "The Rainmaker" - hat sich in den 2010er Jahren als das "Ace" von NJPW hervorgetan: Abonnements-Träger des IWGP Heavyweight Title und Garant für großartige, emotionale Big Matches.

In Japan zementierte seine Kampfserie gegen das langjährige NJPW-Aushängeschild Hiroshi Tanahashi diesen Status, international hoben seine Matches gegen den Kanadier Omega das Wrestling als Ganzes auf ein neues Level.

Das sind die besten Wrestler der Welt: Kazuchika Okada
Das sind die besten Wrestler der Welt: Kazuchika Okada © NJPW

Der 1983 geborene Omega war einst Nachwuchswrestler bei WWE, verließ die Liga aber aus Unzufriedenheit über deren Ausrichtung, der "Cleaner" verwirklichte sich in Japan - mit berauschendem Erfolg.

Dave Meltzer sprengte für NJPW seine Sterne-Skala

2017 begegneten sich Okada und Omega zum ersten Mal, bei der jährlichen Mega-Show Wrestle Kingdom im Tokyo Dome am 4. Januar.

Die beiden lieferten sich ein 45-Minuten-Match, das in Sachen Dramaturgie, Athletik, Härte und Spektakel-Faktor "state of the art" war. Kritiker-Papst Dave Meltzer (Wrestling Observer) gab dem Match sechs Sterne - auf einer Skala, die bis dahin auf fünf Sterne beschränkt war.

Drei weitere hochklassige Duelle folgten und begeisterten Fans und Kritiker sogar noch mehr. Der abschließende, fast 65-minütige Showdown im Juni 2018, bei dem Omega Okada schließlich den Titel abnahm, wurde von Meltzer gar mit sieben Sternen gewürdigt.

Meltzer nannte Okada und Omega "die beiden aktuell besten Wrestler der Welt" und vergleicht ihre Duelle unter anderem mit der legendären Matchserie zwischen Ric Flair und Ricky Steamboat 1989, die sie aus seiner Sicht übertrumpft haben.

NJPW und WWE greifen sich gegenseitig an

Der Hype um Omega und Okada kam New Japan sehr gelegen, die Liga schielt immer mehr auf ein internationales Publikum, veranstaltet seit 2017 mittlerweile auch regelmäßige selbst produzierte Shows in den USA. Bei dem G1 Special im kalifornischen Long Beach wurde unter anderem ein neu eingeführter IWGP United States Title ausgefochten. Im April 2018 veranstaltetet NJPW auch zusammen mit der US-Liga ROH im New Yorker Madison Square Garden.

Weitere Globalisierungs-Schritte waren die Verpflichtung eines englischsprachiges Kommentatorenteams, internationale Social-Media-Accounts und das gut sortierte Streaming-Portal NJPW World.

Ein großer Vermarktungs-Treiber war außerdem die Popularität der Gruppierung "The Bullet Club" (ehemalige Mitglieder: Omega, Styles, Finn Balor, Cody Rhodes, die Young Bucks) - auch bei großen WWE-Shows sind regelmäßig auffällig viele Fans mit Bullet-Club-Shirts anzutreffen. Einen weiteren enormen Schub gaben die Gastspiele von WWE-Legende Chris Jericho seit 2018.

Erfolg in der Nische

Als veritabler Herausforderer Nummer 1 für WWE eignet sich NJPW trotz allem nicht: Außerhalb von Japan ist die Liga ein Nischenprodukt für Eingefleischte, denen die an den Mainstream gerichteten WWE-Hauptshows zu entertainment-lastig sind (und die WWE selbst mit ihrem NXT-Kader zu bedienen versucht).

Im Jahr 2019 steht NJPW selbst vor der Herausforderung, in einer veränderten Wrestling-Landschaft ihren Platz zu finden: Die früheren NJPW-Wrestler Cody Rhodes sowie Nick und Matt Jackson haben nun in den USA die eigene Liga AEW gegründet und wollen sich damit als Alternative zu WWE präsentieren - im Zuge dessen hat auch Omega NJPW verlassen und wird aller Voraussicht nach bei AEW anheuern.

An sich läge eine Kooperation von NJPW und AEW nahe, allerdings hat NJPW mit ROH schon einen US-Partner, der nun auch Konkurrent von AEW ist.

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