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Joyce Zakary wurde für vier Jahre gesperrt
Joyce Zakary läuft die 400 m © Getty Images

Zwei Athletinnen aus Kenia werden bei der WM in Peking positiv getstet. Die IAAF suspendiert 400-m-Läuferin Joyce Zakary und Hürdenspezialistin Koki Manunga.

Der rauschenden kenianischen Gold-Party folgte prompt der große Doping-Kater: Die unter Dauerverdacht stehende Läufernation aus Ostafrika hat für den ersten Dopingskandal bei der Leichtathletik-WM gesorgt.

Zwei Läuferinnen aus dem ohnehin unter Betrugsverdacht stehenden Land sind in Peking positiv getestet worden und wurden daraufhin vom Weltverband vorläufig suspendiert. Dies teilte die IAAF am Mittwochmittag mit. (Die Leichtathletik-WM - täglich im LIVETICKER).

"Die Athletinnen Koki Manunga und Joyce Zakary haben die vorläufige Suspendierung nach den positiven Dopingtests vom 20. bzw. 21. August akzeptiert", heißt es in dem Statement.

"Eine vertrauliche Angelegenheit"

Die Tests seien ganz gezielt in dem Athletenhotel vor dem Wettkampf durchgeführt worden. Weitere Details will die IAAF nicht kommentieren.

"Alles, was Doping angeht, ist eine vertrauliche Angelegenheit, bis es einen Beweis gibt und das richtige Prozedere feststeht", sagte Verbandschef Isaac Kamande vor der offiziellen Bestätigung und hatte angekündigt, mit der Teamleitung und den betroffenen Athletinnen zu sprechen.

Für die internationale Leichtathletik ist der erste Dopingskandal in Peking ein weiterer harter Schlag im Kampf um ihre Reputation.

Zurück in die Wagenburg

"Bring the Glory home!": Bringt uns Ruhm nach Hause - unter diesem Motto waren Kenias Athleten nach Peking geschickt worden.

Als am Mittwochmorgen durchsickerte, dass nach den Titelkämpfen im Vogelnest neben Ruhm auch Schimpf und Schande im Gepäck sein wird, zog sich das Team zunächst in eine mediale Wagenburg zurück.

Wie das kenianische Nachrichtenportal sportnewsarena berichtete, soll bei beiden Läuferinnen ein maskierendes Mittel für eine noch unbekannte Dopingsubstanz festgestellt worden sein - von Nandrolon war die Rede.

Sportlern und Verband sei das positive Ergebnis am Dienstagabend kurz vor dem sensationellen Gold-Lauf des Kenianers Nicholas Bett über 400 m Hürden mitgeteilt worden.

Obergföll nicht überrascht

Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll (Offenburg) zeigte sich von der Nachricht kaum überrascht. "Manche Leistungen sind nur schwer nachzuvollziehen", sagte die 34-Jährige. In der Leichtathletik liege "einiges im Argen, es muss etwas passieren."

Zakary und Manunga gehören nicht zur absoluten Leichtathletik-Prominenz - die beiden erwischten Kenianerinnen zählen bestenfalls zur erweiterten Weltelite. (Alle Ergebnisse der Leichtathletik-WM im Überblick).

Zakary war im Vorlauf am Montag in 50,71 Sekunden Landesrekord über 400 m gelaufen, zum Halbfinale am Dienstag aber ohne Angabe von Gründen nicht angetreten. Manunga war in der ersten Runde über 400 m Hürden klar ausgeschieden.

Ein immer dunklerer Schatten

Auf die bemerkenswert starken Vorstellungen der kenianischen Topstars in Peking fällt damit ein immer dunkler werdender Schatten.

Allen jüngsten Doping-Anschuldigungen zum Trotz hatten die Kenianer vor allem am Montag und Dienstag ein gewaltiges Schauspiel abgeliefert, nach vier Wettkampf-Tagen führten die Ostafrikaner mit viermal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze den Medaillenspiegel mit großem Vorsprung an.

"Ich bin so glücklich, für mein Land die erste Medaille überhaupt über 400 m Hürden gewonnen zu haben. Gott gibt mir mein Talent und diese Stärke", sagte Sensationssieger Bett nach seinem Wunderlauf mit Tränen in den Augen.

Ob allerdings allein Gott den auf einmal so vielseitigen Ostafrikanern Flügel verleiht, darf angesichts der neuesten Entwicklungen bezweifelt werden.

Unterstützen und vertuschen

Und der Verband Athletics Kenya steht mehr denn je am Pranger. Seit 2012 wurden über 30 Athleten wegen Dopings gesperrt, die Dunkelziffer dürfte noch höher sein. Denn: Nur die Besten dürfen ins Ausland reisen und dort Kasse machen.

Der Druck ist enorm. "Deshalb sind sie bereit, alles zu tun - auch zu dopen", sagte Hindernis-Legende Moses Kiptanui. Der Verband soll laut ARD-Informationen systematisch seine Finger im Spiel haben - unterstützend und vertuschend.

Den ersten Schock nach dem Debakel der besonders unter Verdacht stehenden Marathon-Männer hat das Team längst verdaut, die WM könnte ein historischer Erfolg werden - den wohl allein die Dopingfahnder verhindern können. 

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