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Wladimir Putin und der ins Zwielicht geratene Ex-IAAF-Präsident Lamine Diack bei der WM 2013
Wladimir Putin und der ins Zwielicht geratene Ex-IAAF-Präsident Lamine Diack bei der WM 2013 © Getty Images

Im Leichtathletik-Skandal gehen Russlands schwer belastete Politiker in die Offensive. Wladimir Putin sieht die Affäre dagegen nicht als sein Thema.

Der russische Sport steht im beispiellosen Leichtathletik-Skandal im Zentrum des Geschehens, nun wehrt er sich.

Russlands Sportministerium - im hochbrisanten WADA-Report schwer belastet - fordert die Welt-Anti-Doping-Agentur auf, sich nach den schweren Vorwürfen durch die unabhängige Untersuchungskommission ganz auf "Fakten und Beweise" zu konzentrieren.

Der Pressesekretär von Staatspräsident Wladimir Putin stieß ins selbe Horn. "Wenn es irgendwelche Anschuldigungen gibt, dann müssen sie durch Beweise belegt sein", teilte Dmitri Peskow mit: "Bis Beweise vorliegen, sind solche Anschuldigungen nur schwer zu akzeptieren, zumal sie eher gegenstandslos erscheinen."

In einer langen Stellungnahme versichert das Ministerium zudem, das Anti-Doping-System Russlands dank der Empfehlungen der Kommission "in naher Zukunft" verbessern zu können.

Russlands Politik schwer belastet

Das Ministerium bat die WADA darum, "alle Entscheidungen und Fakten, auf denen dieser Report basiert, sorgfältig zu studieren und anschließend angemessene Maßnahmen zu treffen." Der russischen Leichtathletik war am Montag durch die von Richard Pound angeführte WADA-Kommission systematisches Doping vorgeworfen worden.

Pound sieht zudem als klar an, dass Russlands Politik die Machenschaften gedeckt hat und berichtete von staatlicher Einflussnahme auf das Anti-Doping-Labor in Russland.

In dem Statement, der ersten offiziellen Reaktion der Regierung auf die Anschuldigungen, ist zudem von einem großen Unterschied zwischen den "Information, die Journalisten veröffentlichen", und den "Fakten, auf denen eine Untersuchung basieren sollte", die Rede: "Daher fordern wir die WADA auf, sich auf Fakten und Beweise zu konzentrieren. Von den meisten Punkten des Berichts sind wir nicht überrascht."

Putin, der sich bei großen Sportereignissen im Land, gern selbst mitinszeniert, hält sich bei dem Skandal nun offenbar heraus: "Der WADA-Report steht nicht auf der Agenda des Kreml", richtete Pressemann Peskow aus.

Russische Verband will kooperieren

Die Kommission hatte am Montag unter anderem den Ausschluss russischer Leichtathleten von Olympia 2016 in Rio gefordert. Dem schlossen sich am Dienstag auch der englische Leichtathletik-Verband und Australiens NOK an.

Der russische Leichtathletik-Verband ARAF erklärte derweil, zu einer "ernsthaften strategischen Partnerschaft" mit dem Weltverband IAAF bereit zu sein.

ARAF werde "als Reaktion auf die IAAF-Unterlagen in Kürze einen Maßnahmenkatalog vorlegen, der ein Programm von Antidoping-Maßnahmen, Schritte für deren Durchführung sowie eine Antwort auf die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der unabhängigen WADA-Kommission beinhaltet", hieß es in einer Stellungnahme.

Weiter teilte die ARAF mit: "ARAF verbietet strikt jegliche Verletzung der Antidoping-Bestimmungen durch Athleten, Trainer oder Spezialisten, die mit Athleten arbeiten. Im August hat unser Verband die beispiellose Entscheidung getroffen, Geher von der WM auszuschließen, ohne Rücksicht auf vorherige Erfolge. Mehrere Trainer wurden entlassen. Wir verbannen Dopingsünder, ohne Rücksicht auf Titel oder Ergebnisse.

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