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Kimi Raikkönen von Ferrari lacht
Kimi Raikkönen wurde 2007 im Ferrari Weltmeister © getty

München - Altmeister Kimi Raikkönen wirkt bei Ferrari neben seinem neuen Teamkollegen deutlich gelöster. Bei den Tests steckt sein Lachen an - und macht dem Teamchef Sorgen.

Knapp drei Wochen noch bis zum Saisonstart in der Formel 1. Die Zeit drängt - und doch herrscht nach den ersten Tests in Jerez und Barcelona Ungewissheit allenthalben.

Ein Gefühl, das vor allem bei Ferrari kein Unbekanntes ist. Wie oft wähnte man sich bei der Scuderia in den letzten Jahren auf dem Weg zurück nach ganz oben. Genauso oft wurden alle Hoffnungen praktisch mit Saisonbeginn zerstört.

Jetzt also auf ein Neues. Mit neuem Auto, neuem Mut und einer neuen Fahrerkonstellation. Sebastian Vettel soll es richten für die Roten, der viermalige Weltmeister. Ach ja, und natürlich Kimi Raikkönen.

Iceman Raikkönen - auch neben der Strecke

Angesichts des ganzen Trubels um Hoffnungsträger Vettel ging in den letzten Monaten fast unter, dass da noch ein zweiter Weltmeister beim Rennstall mit dem springenden Pferd unterwegs ist.

Kimi Raikkönen bejubelt 2007 seinen WM-Titel
Kimi Raikkönen holte 2007 den bis heute letzten WM-Titel für Ferrari © getty

Was zum einen daran liegen mag, dass Raikkönens bisher einziger WM-Titel bereits aus dem Jahr 2007 datiert. Zum anderen daran, dass der Finne im Vorjahr mit dem zwölften Rang in der Fahrerwertung seine schwächste Formel-1-Saison überhaupt ablieferte. Und wohl auch am zurückhaltenden Gemüt des 35-Jährigen.

"Iceman" wird Raikkönen nur genannt. Weil er so cool ist. Auf der Strecke, aber auch daneben. Emotionen? Meistens Fehlanzeige. Zumindest bisher. Denn in diesen Tagen der Ungewissheit tut sich offenbar Erstaunliches bei Ferrari.

Teamchef Maurizio Arrivabene hebt die Stimmung

"Ich habe Kimi lachen sehen", berichtete der neue Teamchef Maurizio Arrivabene - und musste selbst lachen: "Ich dachte mir: 'Das ist doch nicht Kimi!' Ich bin zu ihm gegangen und fragte ihn: 'Bist du ok?'" Raikkönens Antwort? "Ja, ja, ja. Ich bin ok."

Der Name des neuen starken Mannes im Ferrari-Rennstall scheint Programm zu sein. "Es kommt Gutes" heißt Arrivabene frei übersetzt - und genau dafür will der 57-Jährige sorgen.

"Für mich war es sehr wichtig, den Zusammenhalt im Team zu stärken. Wenn man jetzt in die Box geht, sieht man, dass die Atmosphäre eine andere ist", erklärt Arrivabene.

Die Teamchefs hätten es geschafft, "die richtigen Personen an die richtigen Stellen zu setzen", bestätigt Raikkönen: "Es ist noch früh, aber jeder scheint mehr Spaß zu haben."

Raikkönen will Seuchenjahr hinter sich lassen

Und das gilt in erster Linie für ihn selbst.

Im vergangenen Jahr litt Raikkönen unter der Erwartungshaltung, unter dem Auto und unter seinem Teamkollegen.

Fernando Alonso beanspruchte offensiv den Status als Nummer eins, schon vor der Saison machten Spekulationen um einen möglichen Zoff zwischen den beiden potenziellen Siegfahrern die Runde.

Raikkönen wurde ungewollt ins Rampenlicht gezerrt. Eine Rolle, die ihm nicht behagt. Dazu kam die sportliche Misere. Raikkönen wirkte genervt, fast schon lustlos.

"Letztes Jahr gab es ein Problem mit dem Auto, weil es nicht zu seinem Fahrstil passte und es sich auch nicht anpassen ließ", erklärt Arrivabene im Rückblick auf Raikkönens schwache Saison - und nimmt seinen Fahrer in Schutz: "Es ist nicht so, dass Kimi ein gelangweilter Schatten seiner selbst wäre."

An der Seite von Kumpel Sebastian Vettel

Gelangweilt wirkt Raikkönen vor der neuen Saison tatsächlich nicht. Eher gelöst. Mit seinem neuen Teamkollegen Vettel verbindet ihn seit Jahren ein gutes Verhältnis, die beiden verbrachten auch abseits des Rennzirkus schon die eine oder andere freie Minute miteinander.

Und, was vielleicht noch wichtiger ist: Vettel zieht die allermeiste Aufmerksamkeit auf sich - vor allem medial. Raikkönen kann sich darauf konzentrieren, einfach nur wieder schnell Auto zu fahren. So wie 2007.

Vor den letzten Tests in Barcelona wähnt sich Raikkönen auf einem guten Weg. "Klar, Rennen sind noch mal etwas anderes als Testfahrten", schränkte er zuletzt zwar ein, "aber bis jetzt lief es gut."

Ein Hoffnungsschimmer für die geschundenen Seelen der Ferraristi. Und dabei soll es in diesem Jahr möglichst nicht bleiben.

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