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Gestörte Beziehung: Weltmeister Lewis Hamilton (r.) und Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg © Getty Images

München und Schanghai - Mit dem Doppelsieg in Schanghai stellt Mercedes die Rangordnung wieder her. Doch Vorwürfe von Rosberg gegenüber Hamilton trüben die Partystimmung.

Wie ein begossener Pudel schlich Nico Rosberg zur Siegerehrung. Nur mit Mühe konnte er sich auf dem Podium ein gequältes Lächeln abringen. Sein Mienenspiel sprach Bände.

Beim Doppelsieg von Mercedes in Schanghai war Rosberg hinter Weltmeister Lewis Hamilton einmal mehr der große Verlierer. Platz zwei beim Großen Preis von China kam für den gebürtigen Wiesbadener einer Demütigung gleich.

Während Hamilton im Reich der Mitte ein Full House gelang, wie die Formel-1-Fahrer zu Bestzeiten in allen Trainingseinheiten und im Qualifying sowie dem Triumph im Rennen zu sagen pflegen, stand Rosberg deutlich im Schatten des britischen Dominators.

Beim Qualifying hatte er noch Pech, als ihn nur 42 Tausendstel von Hamilton trennten, beim Rennen war er schlichtweg chancenlos (Datencenter: Ergebnis des Rennens). Und ließ sich vom Engländer sogar vorführen.

Beinahe wehleidig klang seine Anschuldigung während des Rennens. "Wenn Lewis weiter so langsam fährt, stecke ich in seinem Windschatten fest und ruiniere meine Reifen", funkte der 29-Jährige an die Box.

Behinderung "ein Fakt"

Auf der Pressekonferenz legte er nach: Es sei "ein Fakt", dass sein Rennen durch den bummelnden Hamilton behindert worden sei, sagte Rosberg und warf Hamilton in aller Öffentlichkeit Egoismus vor.

Die nächste Episode im "Krieg der Sterne" ist wohl auch Rosbergs Frust geschuldet. Nach dem verlorenen Titelkampf im Vorjahr ist Rosberg in der jungen Saison bereits wieder ins Hintertreffen geraten (Datencenter: Fahrerwertung).

Fakt ist in jedem Fall: Schon wieder ist die Beziehung zwischen den früheren Kart-Kumpels empfindlich gestört.

"Mit dem Messer zwischen den Zähnen"

Diesmal fühlte sich Rosberg von seinem eigenen Teamkollegen ausgetrickst - als Opfer eines internen Katz-und-Maus-Spiels.

Nur: Unternommen hat er nichts dagegen.

Rosberg versuchte gar nicht erst, näher an Hamilton heranzukommen, geschweige denn, ihn zu überholen.

Zwar sei er "mit dem Messer zwischen den Zähnen gefahren", sagte Rosberg. Doch gemerkt hat man davon nichts (Der LIVETICKER zum Nachlesen).

Hamilton "mit zwei Fingern am Lenkrad"

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hatte für Rosbergs Unmut zumindest Verständnis. "Für Nico war es natürlich unerfreulich, da er fast in den aufkommenden Sebastian Vettel reingedrückt wurde", erklärte Wolff, nahm Hamilton aber zugleich in Schutz: "Lewis wollte schonend mit den Reifen umgehen. Ich glaube nicht, dass es von Hamilton bösartig war."

Hamilton selbst wusch seine Hände in Unschuld. "Natürlich versuche ich, auf die Reifen zu achten", sagte Hamilton, und legte nach: "Ich bin mit zwei Fingern am Lenkrad gefahren." Im Schongang also. Eine Spazierfahrt.

Und eine provokante Aussage, die Rosberg zusätzlich erzürnen dürfte.

Vettel mit Platz drei zufrieden

Vom Zwist zwischen den eigenen Piloten wollten sich die Verantwortlichen nach dem Dämpfer in Malaysia aber nicht die Partylaune über das gelungene Comeback verderben lassen.

"Es war ein nahezu fehlerfreies Wochenende. Wir können sehr glücklich sein", befand Wolff.

Diesmal hielten die Silberpfeile Ferrari auf Distanz. Sebastian Vettel musste zwei Wochen nach seinem ersten Sieg für die Scuderia mit Platz drei vorliebnehmen, konnte damit aber gut leben.

Ganz im Gegensatz zum zweitplatzierten Rosberg.

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