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Lewis Hamilton
Lewis Hamilton ist dreimaliger Weltmeister © Getty Images

München - Pole-Setter Lewis Hamilton steht beim Rennen in Austin unter Siegzwang. Die Psychotricks von Nico Rosberg lassen ihn kalt. Der Brite hofft stattdessen auf Schützenhilfe.

Als Lewis Hamilton vor seiner letzten fliegenden Runde plötzlich fast stehen blieb und "Fehlschaltungen in den siebten Gang" an die Box funkte, schien die WM für einen Augenblick bereits entschieden.

Doch von der Mercedes-Box gab es Entwarnung und so brannte der Weltmeister einen neuen Streckenrekord in den Asphalt von Austin (Rennen ab 20.45 Uhr im LIVETICKER), der ihm die Pole einbrachte.

Hamilton hatte Nervenstärke bewiesen, wie es Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bereits nach dem Rennen in Suzuka prophezeit hatte: "Lewis ist am besten, wenn er unter Druck steht."

Psychotrick von Rosberg 

Dies wird Hamilton beim Start in Austin jedoch noch einmal unter Beweis stellen müssen. Denn angesichts seiner fast schon notorischen Startschwäche lastet dort immenser Druck auf ihm. Sollte er erneut den Start gegen Teamkollege Nico Rosberg verlieren, könnte die WM bereits gelaufen sein.

Das weiß natürlich auch der WM-Leader und stellte bei der Pressekonferenz eindrucksvoll unter Beweis, was er in den letzten Jahren in Sachen Psycho-Spielchen von Hamilton gelernt hat.

"Wie wir dieses Jahr schon öfter gesehen haben, bedeutet das Qualifying nicht allzu viel. Von Startplatz zwei habe ich immer noch eine großartige Chance auf den Sieg morgen", spielte Rosberg zwar indirekt, aber doch eindeutig auf Hamiltons Startprobleme in dieser Saison an.

Hamilton: "Habe Starts geübt" 

Hamilton nahm die Bemerkung gelassen hin und konterte damit, dass er hart an seiner Schwäche gearbeitet hätte: "Ich habe am gesamten Wochenende Starts geübt, also habe ich für morgen ein gutes Gefühl."

Es sei an dieser Stelle allerdings angemerkt, dass der Brite dies auch bereits vor dem Rennen in Suzuka sagte. Nur einen Tag später patzte Hamilton beim Start erneut und fiel zunächst von Rang zwei auf acht zurück. 

Doch selbst wenn Hamilton das Rennen gewinnen sollte, kann Rosberg das entspannt sehen, da ihm vier zweite Plätze zum WM-Titel reichen.

Red Bull rechnet sich Siegchancen aus

Hamilton hofft daher auf die Unterstützung von Red Bull und Ferrari, wobei die Scuderia wohl allenfalls von einem Missgeschick bei Rosberg profitieren könnte. Zu langsam präsentierte sich das Team um Sebastian Vettel an diesem Wochenende bisher.

Red Bull lauert dagegen hinter den Mercedes und will mit einer gesplitteten Taktik die Mercedes-Strategen ins Schwitzen bringen. Denn solange Hamilton und Rosberg vorne liegen, kann Mercedes nur auf eine Strategie setzen, wenn sie keinen gewaltigen Team-Zoff riskieren wollen.  

Bei Red Bull rechnet man sich deshalb realistische Chancen auf den dritten Saisonsieg aus. "Bei gleicher Strategie können wir Mercedes wahrscheinlich nicht schlagen, aber wenn wir etwas anderes probieren und die anderen gegeneinander kämpfen, können wir vielleicht profitieren", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Hamiltons Hoffnung heißt Ricciardo

Das heißeste Eisen im Feuer ist dabei wohl der drittplatzierte Daniel Ricciardo, der anders als die Silberpfeile und Teamkollege Max Verstappen mit den Supersoft-Reifen starten wird, die am Start einen Vorteil bringen sollten.

Gelingt es Ricciardo sich vor einen oder beide Mercedes zu schieben, kann Red Bull sie einbremsen und mit der gesplitteten Strategie unter Druck setzen – zumal die Österreicher sich in Sachen Rennpace im Training auf Augenhöhe mit Mercedes präsentierten.

Hamilton dürfte das am Freitag wohlwollend zur Kenntnis genommen haben, schließlich braucht er im WM-Kampf Schützenhilfe. Helfen kann ihm das aber nur, wenn er diesmal seinen Ankündigungen Taten folgen lässt und zeigt, warum es heißt, dass er unter Druck am stärksten ist – auch beim Start.

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