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Lewis Hamilton (l.) und Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff (r.) hadern mit dem Bahrain-GP © SPORT1-Grafik: Getty Images/Imago/iStock/Marc Tirl

Sakhir - Unter dem ungewohnten Druck von Sebastian Vettel machen Fahrer und Bosse bei Mercedes Fehler. SPORT1 beleuchtet das Dilemma.

"Es war mehr Murks als Positives im Rennen." So fasste Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff den Großen Preis von Bahrain bei Sky zusammen.

Ähnlich unzufrieden hatte sich Wolff auch bereits nach dem Auftaktrennen in Melbourne geäußert, das ebenfalls Sebastian Vettel gewonnen hatte. In Erinnerung ist noch Wolffs Wutausbruch während des Rennens, als er seine Fäuste auf das Pult schlug.

Was es für die Verantwortlichen noch schlimmer macht: Beide Niederlagen wären vermeidbar gewesen.

"Wenn man Punkte verliert und möglicherweise das Rennen hätte gewinnen können, tut das weh. Ich habe versucht, mein Bestes zu geben, das aber nicht so gut gemacht, wie ich es kann", sagte Hamilton. 

Ferrari düpiert Mercedes erneut

Doch nicht nur Hamilton war schuld am verpassten Sieg. Auch in Sachen Renntaktik agierte Mercedes erneut unglücklich. So verpasste man es, den hinter Valtteri Bottas und Vettel festhängenden Hamilton zuerst in die Box zu holen, um Ferrari unter Druck zu setzen.

Stattdessen nutzte die Scuderia die Gelegenheit und düpierte Mercedes wie schon in Melbourne. Auch danach hätten die Silberpfeile zumindest mit einem Fahrer auf Ferraris Strategie-Trick reagieren können. "Sie sind sehr früh reingekommen. Wir hätten den Lewis zuerst reinholen müssen. Das war alles Murks", sagte Wolff.

Sowohl Wolff als auch Aufsichtsratschef Niki Lauda mussten nach dem Rennen daher zugeben: "Ferrari hatte die beste Strategie."

Welche Rolle spielt Chefstratege Vowles?

Wolff betont bei Strategie-Fragen stets, dass es Teamentscheidungen seien und niemals ein Einzelner die Entscheidung treffen würde. Dennoch haben einige Personen mehr Einfluss als andere.

Der womöglich wichtigste Mann am Kommandostand ist dabei Chefstratege James Vowles. Dieser führt eine Strategie-Abteilung an, die sich mithilfe einer Software bereits im Vorfeld auf "100.000 verschiedene Szenarien" vorbereitet - seien es die Fähigkeiten der Fahrer im Regen oder die Schnelligkeit der Boxencrews.

Auch im Rennen können sie laut Vowles "innerhalb von fünf Sekunden auf einen Zwischenfall" - zum Beispiel auf Safety Cars oder unplanmäßige Boxenstopps - reagieren. 

Technikchef James Allison kann ebenfalls - wie es sein Vorgänger Paddy Lowe tat - Anweisungen geben, falls er merkt, dass die aktuellen Rundenzeiten den Rennsieg gefährden. Das letzte Wort hat natürlich Wolff, der aber in der Regel seinen Mitarbeitern vertraut.

Auch die Fahrer - speziell Hamilton - haben Mitspracherecht bei der Taktik. Allerdings ist ihr Überblick über eine komplexe Rennsituation, wie es in Bahrain anfangs der Fall war, begrenzt.

Hamilton und Bottas patzen 

Aber nicht nur das Team, sondern auch die Fahrer leisten sich mehr Fehler als gewöhnlich. Während Bottas das Rennen in China mit einem Dreher hinter dem Safety Car wegschmiss, patzte diesmal Hamilton.

Erst verlor der dreimalige Weltmeister den Start gegen Vettel, dann kassierte er eine Fünf-Sekunden-Strafe, weil er in der Box zu langsam fuhr und den hinter ihn fahrenden Daniel Ricciardo aufhielt. "Das war mein Fehler. Ich muss mich beim Team entschuldigen", sagte Hamilton selbstkritisch.

Fehler können passieren, doch da es mit Ferrari nun einen Konkurrenten auf Augenhöhe gibt, werden diese anders als in den Jahren der Dominanz direkt bestraft. Und im Gegensatz zu Hamilton leistet sich Vettel bisher keine Patzer.

Druck auf Mercedes wächst

Auf einer Runde ist Mercedes immer noch die klare Nummer eins, was sie im Qualifying eindrucksvoll zeigten. Doch über eine Renndistanz bewegt sich Ferrari auf Augenhöhe. Für die Silberpfeile eine völlig neue Druck-Situation, die sie aus den vergangenen drei Jahren nicht kennen.

Wie ernst Mercedes die Scuderia als Konkurrent nimmt, sieht man daran, dass die Silberpfeile sogar zur verpönten Stallorder griffen, um Vettel doch noch einmal unter Druck zu setzen. "Das war ein super harter Call, den wir über all die Jahre nicht gemacht haben", erklärte Wolff: "Das macht absolut keinen Spaß."

Derlei knallharte Entscheidungen wird Wolff in dieser Saison wohl noch häufiger treffen müssen.

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