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Ferrari-Pilot Sebastian Vettel (l.) ist viermaliger Weltmeister © Getty Images

Sao Paulo - Der Vize-Titel ist für Sebastian Vettel nach dem Sieg in Brasilien fast fix. Für Ferrari ist der Triumph doppelt wichtig. Lauda schimpft über ein Vettel-Manöver.

Endlich! Über 100 Tage musste Sebastian Vettel auf einen Sieg in der Formel 1 warten. Das Gefühl des Triumphes ließ den Ferrari-Piloten sogar den bohrenden WM-Schmerz für eine Weile vergessen.

Der Ferrari-Pilot sang die italienische Hymne mit, warf breit grinsend seinen Siegerpokal in die Höhe und sprach mit sich überschlagender Stimme über diesen erlösenden Triumph in Brasilien.

"Das ist der Lohn für die harte Arbeit. Wir haben in den letzten Wochen viel auf die Mütze bekommen. Daher war das für uns sehr wichtig. Das Team hat hart gearbeitet in der Fabrik, viele lange Nächte, was die Ergebnisse nicht wiedergespielt haben. Ich widme ihnen den Sieg", sagte ein erleichterter Vettel nach dem Rennen.

Vettel greift nach dem Vize-Titel

Zwei Wochen nach der endgültigen Niederlage im WM-Duell mit Lewis Hamilton zeigte Vettel in Sao Paulo Stärke - und greift nun beim Saisonfinale in Abu Dhabi (26. November) nach seiner ersten Vize-Weltmeisterschaft mit Ferrari. 

Der Deutsche gewann vor Konkurrent Valtteri Bottas im Mercedes und hat nun 22 Punkte Vorsprung auf den Gesamtdritten.

Vettel weiß: Dieser Sieg war nicht nur wichtig im Kampf um die Vize-WM. Nach den vielen schwierigen Rennen zuletzt tut dieser Sieg dem Team im Hinblick auf die kommende Saison doppelt gut und motiviert die Mitarbeiter, im Winter härter denn je für den Traum vom WM-Titel zu arbeiten.

Lauda schimpft: "Absolute Frechheit"

Für etwas Aufregung sorgte der Re-Start nach der frühen Safety-Car-Phase. Vettel wollte einen Angriff von Bottas auf der Start- und Zielgeraden verhindern und bremste das Feld extrem ein. Nach ein paar Mal Zucken erwischte er den Finnen schließlich auf dem falschen Fuß.

Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda gefiel diese Fahrweise von Vettel überhaupt nicht. "Das war eine absolute Frechheit, was der Sebastian da gemacht hat", schimpfte Lauda bei Sky.

Sein Mercedes-Kollege Toto Wolff sah die Situation aber deutlich entspannter: "Die Saison ist lange, da poltert man mal schnell und wird emotional. Ich habe da nichts Abnormales gesehen."

Hamilton zeigt große Aufholjagd

Weltmeister Hamilton im Mercedes konnte in den Kampf um den Sieg trotz einer eindrucksvollen Aufholjagd vom letzten auf den vierten Rang am Ende nicht mehr eingreifen.

"Es hat trotzdem Spaß gemacht", sagte er bei Sky: "Es hat mich ein wenig an meine Kartzeiten erinnert. Ich habe gestern einen riesigen Fehler gemacht und wollte das heute wiedergutmachen."

Der Brite war im Qualifying nach einem Unfall früh ausgeschieden, wechselte daraufhin verschiedene Motorenteile und startete aus der Box. Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari wurde am Ende Dritter.

Massa feiert emotionalen Abschied

Felipe Massa schloss sein letztes Heimrennen in der Formel 1 auf dem siebten Platz ab und wurde anschließend auf dem Podium von seinen Fans gefeiert. Der 36-Jährige beendet nach der Saison seine Karriere, damit wird im kommenden Jahr erstmals seit 1969 kein Brasilianer in der Formel 1 starten.

"Es ist ein großartiges Gefühl. Ich danke euch allen und liebe euch alle", funkte der 36-Jährige aus seinem Williams-Cockpit, die grün-gelb-blaue Brasilien-Flagge in der linken Hand. "Papa, ich bin so stolz auf dich", gab Massas siebenjähriger Sohn Felipinho zurück - dann brachen die Emotionen aus dem Familienmenschen heraus.

Nico Hülkenberg wurde im Renault Zehnter, Pascal Wehrlein fuhr im Sauber auf den 14. Rang.

Fehlende Sicherheit ein Dauerthema

Ein Dauerthema rund um das Rennen war die mal wieder fehlende Sicherheit am Autodromo Jose Carlos Pace. Am Freitagabend waren Teammitglieder von Mercedes auf der Fahrt ins Hotel mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt worden, Vertreter des Weltverbandes FIA entkamen nur dank ihres gepanzerten Autos einem Überfall.

Vor allem Hamilton legte den Finger in die Wunde. "So etwas passiert hier in jedem einzelnen Jahr", sagte der Brite: "Die Formel 1 und die Teams müssen mehr tun, es gibt keine Entschuldigungen!"

Die Frage, ob das ohnehin wackelnde Rennen in Sao Paulo angesichts der Sicherheitslage in Zukunft noch tragbar ist, wurde häufig gestellt am Wochenende. Formel-1-Sportchef Ross Brawn will allerdings für den Grand Prix in Brasilien kämpfen: "Wir müssen die Sicherheit verbessern. Es ist ein fantastisches Rennen, wir müssen einen Weg finden."

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