In den Achtzigern war er bei der damaligen WWF einer der größten Publikumslieblinge hinter Hulk Hogan.
Verstörendes Drama einer WWE-Ikone
In den frühen Neunzigern ein herrlich diabolischer Bösewicht mit denkwürdigen Fehden gegen den Ultimate Warrior, den „Macho Man“ Randy Savage und den Undertaker, den er als Gegner bei WrestleMania VIII zum „Guten“ machte.
WWE Hall of Famer Jake „The Snake“ Roberts, der heute 70 Jahre alt wird, war ein Meister des Geschichtenerzählens im Ring und außerhalb. Er blieb in Erinnerung, als der Mann, der die Aktion DDT berühmt machte, der mit seinen zum Ring mitgebrachten Schlangen „Damian“ und „Lucifer“ auch die Ikone André The Giant verängstigte und in seiner Fehde gegen Savage sogar eine (entgiftete) Kobra zum Einsatz brachte.
Die wahrhaft dämonische Geschichte allerdings ist die von Jake Roberts‘ wirklichem Leben.
Jake „The Snake“ Roberts litt unter Vater Grizzly Smith
Der Mann, der in Wahrheit Aurelian Smith Jr. heißt, schrieb abseits der Kamera immer wieder Schlagzeilen mit seiner jahrelangen Alkohol- und Drogensucht schrieb. Als wesentlichen Grund dafür gab er seinen familiären Hintergrund als Sohn des 2010 verstorbenen Aurelian Smith Sr. an, in der Wrestling-Welt bekannt als Grizzly Smith.
Roberts und andere Familienmitglieder stellen ihn als bösartigen Haustyrannen und als pädophilen Gewalttäter dar, der auch seine eigene, selbst früher bei WWE aktive Tochter sexuell missbraucht hätte. Und es war nicht das einzige schreckliche Verbrechen, das Roberts und seiner Familie unheilbare Narben zufügte.
Roberts, am 30. Mai 1955 im texanischen Gainesville geboren, hat die Schreckensgeschichte seines Vaters vielfach erzählt: in der WWE-Doku „Pick your Poison“, dem seinerzeit wegweisenden Film „Beyond the Mat“, zuletzt auch in der preisgekrönten Doku-Reihe „Dark Side of the Ring“.
Schwester wurde vom Vater missbraucht
Demnach ist sein Leben das Ergebnis einer Vergewaltigung Smiths seiner damals erst 13 Jahre alten, leiblichen Mutter gewesen. Smith hätte sie dann auf Druck der Familie geheiratet, was ihn nur verbitterter und noch gefährlicher gemacht hätte.
Roberts‘ Halbschwester Robin - bei WWE Ende der Achtziger Damenchampion als Rockin‘ Robin - berichtet, dass ihr Vater sie zwischen ihrem 8. und 14. Lebensjahr sexuell missbraucht hätte. Auch andere Minderjährige, die er auf seinen Touren als Wrestler kennengelernt hatte, seien Opfer Smiths geworden.
Jake Roberts ergänzt die Schilderungen mit weiteren verstörenden Details: Er hätte auch unter Angstzuständen gelitten, weil sein Vater ihm als Kind nie vermittelt hatte, dass seine Wrestling-Kämpfe Show und kein Kampf auf Leben und Tod gewesen wären - und unter seiner Stiefmutter, der er ebenfalls Missbrauch an ihm vorwarf.
Roberts‘ Schwester wurde entführt und wohl ermordet
Die Lebensgeschichte der Smith-Geschwister, zu denen auch Halbbruder Michael (Sam Houston) und der nicht im Wrestling aktive Richard gehören, hat noch ein weiteres trauriges Kapitel: Jakes damals 20 Jahre alte Schwester Jo Lynn wurde 1979 entführt und mutmaßlich ermordet, als Täterin wurde die Ex-Frau ihres Mannes verurteilt.
Weil Jo Lynns Leiche nie gefunden wurde, konnte ihr nur die Entführung nachgewiesen werden. Sie verbüßte sieben Jahre einer ursprünglich 33-jährigen Haftstrafe.
Weil sie das Leid, das ihnen zugefügt wurde, nicht verarbeiten konnten, wurden sowohl Jake als auch Robin alkoholsüchtig, inzwischen berichten beide, nun trocken zu sein.
Jake Roberts kam vor etwa 13 Jahren von Alkohol und Drogen los, nachdem er lange als rettungslos verloren an seine „Dämonen“ galt. Ihm half die Lebensberatung des zum Yoga-Guru gewordenen Ex-Wrestlers Diamond Dallas Page, der auch vielen anderen Wrestler-Kollegen Wege aus tiefen Lebenskrisen aufzeigte - unter anderem „Razor Ramon“ Scott Hall (der 2022 allerdings nach einem Alkohol-Rückfall starb) und Lex Luger. Roberts‘ Genesung half dabei, anstelle seiner Exzesse wieder sein Vermächtnis als wahre Legende der Branche in den Blickpunkt zu rücken.
Bei WWE historischer Moment mit „Stone Cold“ Steve Austin
„The Snake“ war im Ring zwar kein Ausnahmeathlet, aber er durchdrang wie kaum ein anderer das psychologische Handwerk der Showkampfwelt, das Schüren von Emotionen durch trickreiches Spiel mit dem Publikum. Roberts konnte es für sich gewinnen (in seinen Fehden gegen „Ravishing“ Rick Rude, „Million Dollar Man“ Ted DiBiase, „The Model“ Rick Martel), noch mehr aber galt die manipulative „Heel“-Version seines Schlangen-Charakters („Trust me!“) als Meisterwerk.
Ein spätes Comeback Mitte der Neunziger als (vermeintlich) Geläuterter war weniger gelungen, spielte aber eine Rolle bei einem historischen WWE-Moment: Roberts war der Gegner von „Stone Cold“ Steve Austin im folgenreichen King-of-the-Ring-Finale 1996, nach dem Austin vors Mikrofon trat und Roberts‘ Glauben verspottete („Talk about your Psalms, talk about John 3:16 - Austin 3:16 says: ‚I’ve just whipped your ass!‘“) - der Moment, der Austins Kultcharakter definierte und zum Urknall des zweiten WWE-Megabooms „Attitude Era“ wurde.
Schon damals hatte Roberts‘ Körper sichtbar unter seinen Exzessen gelitten, er bewies zuletzt als Manager bei Konkurrent AEW aber auch wieder, dass er es trotz seiner Beeinträchtigungen noch immer vermag, seine mythische Präsenz effektvoll durchschimmern zu lassen.
Auch Roberts‘ Privatleben ordnete sich zuletzt noch einmal unverhofft neu: 2023 versöhnte er sich nach drei Scheidungen mit seiner zweiten, durch die gemeinsamen WWE-Auftritte bekannten Gattin Cheryl - die ihn erst vor einigen Wochen durch eine erfolgreich überstandene Herz-OP begleitete.