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Ryan Lochte macht häufiger außerhalb des Schwimmbeckens auf sich aufmerksam
Ryan Lochte macht häufiger außerhalb des Schwimmbeckens auf sich aufmerksam © Getty Images

From Hero to Zero: Ryan Lochte, auch im Becken enttäuschend, verspielt mit seiner Raubüberfall-Lüge allen Kredit in den USA. Es ist nicht der erste Blackout des Lebemanns.

Sage keiner, in Ryan Lochtes Kopf herrsche nur gähnende Leere.

Seine gelegentlichen Blackouts in Interviews erklärte der US-Schwimmstar einmal so: "Plötzlich poppt irgendetwas in meinem Kopf auf. Das können die verrücktesten Dinge sein. Eine hüpfende Banane zum Beispiel. Dann stoppe ich. Und diese verdammte, hüpfende Banane ist in meinem Kopf. Ich weiß nicht, was da los ist."

Ja, was? Was ging diesmal im Kopf des fünfmaligen Olympiasiegers vor? Das fragt sich nach Lochtes folgenschwerer Partynacht in Rio de Janeiro mit drei Teamkollegen nicht mehr nur die Sportwelt, sondern auch die Polizei, die Politik.

"Lochte verkörpert, was die Welt an Amerika hasst"

Die erfundene Geschichte vom bewaffneten Raubüberfall wird der Sunnyboy aus Florida nicht mit seiner charmanten Naivität aus der Welt schaffen können.

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"Der hässliche Amerikaner", ätzte die New York Post auf ihrer Seite eins und zeigte auf dem Titelbild den halbnackten und lasziv blickenden Schwimmstar und ergänzte: "Ryan Lochte verkörpert alles, was die Welt an Amerika hasst."

Dabei hatte das Nationale Olympische Komitee USOC eigens einen Verhaltenskodex vorgeschrieben, damit die US-Athleten in Zeiten eines Präsidentschaftskandidaten Donald Trump ja nicht unangenehm auffallen.

Bekannt für Machosprüche und spätpubertäre Anfälle

Dass Lochte mit nur einer Goldmedaille in der Staffel auch sportlich enttäuschte, passt ins Bild. From Hero to Zero - der nach Gigant Michael Phelps erfolgreichste Medaillensammler der olympischen Schwimm-Geschichte erlebte in Rio einen gewaltigen Absturz. Und der hatte sich abgezeichnet.

Der 32-Jährige war schon immer ein Lebemann, dem man seine Machosprüche und spätpubertären Anfälle lange nicht übel nahm. In seiner eigenen Reality-Show "Was würde Ryan Lochte tun?" ließ er sich beim Feiern, Flirten und Frisieren filmen.

"Wenn du ein Mann in der Nacht bist, musst du auch am Morgen ein Mann sein" - mit derart hanebüchenen Lebensweisheiten hat Lochte Amerika bestens unterhalten.

Auf YouTube gibt es ein fast vier Millionen Mal geklicktes Video mit dem Titel "Ryan Lochte ist fürchterlich in Interviews". Darin sind Aussagen zusammengeschnitten, die Lochte, nun ja, nicht besonders intelligent erscheinen lassen.

"Ich bin anders"

Seine größte Stärke? "Ich war immer gut darin, Dinge von einem Ohr zum anderen durchzulassen." Peinlich? Ach was! Lochte hat ein dickes Fell. "Ryan Lochte zu sein, das bedeutet für mich Spaß", sagte er.

Diese Lockerheit kommt bei Frauen gut an. Das deutsche Tennis-Ass Andrea Petkovic schwärmte bei den Sommerspielen in London: "Meine Top Ten der schönsten Männer bei Olympia? Da kann man Lochte für alle zehn Plätze buchen."

In Rio überraschte er mit weißblond gefärbten Haaren. Er wusste nicht, dass sie sich durch das viele Schwimmen im Chlorwasser grün färben würden.

"Es ist anders, und das ist auch meine Persönlichkeit", sagte der 17-malige Weltmeister: "Ich bin anders."

Phelps kriegt die Kurve

Vor allem ist er anders als Michael Phelps. Die sportliche Rivalität trieb beide zu Höchstleistungen, Lochte fügte dem Rekord-Olympiasieger in London und bei der WM 2011 in Schanghai zwei schmerzhafte Niederlagen zu. Wäre Phelps kein Schwimmer, wäre vielleicht Lochte der größte Olympionike der Geschichte. 

Doch um Phelps auf Dauer das Wasser zu reichen, fehlte Lochte die Disziplin. Während Olympia 2008 in Peking gab er zu, sich fast zu jeder Mahlzeit mit Essen aus einer Fast-Food-Kette zu ernähren. 

Lochte (r.) fehlte die Disziplin, um Phelps (l.) das Wasser zu reichen © Getty Images

Auch Phelps war mit Alkoholproblemen und einer Bewährungsstrafe zwischenzeitlich von der Bahn abgekommen. In Rio zeigte sich der Jungvater geläutert, Amerika liebt Phelps wieder. Vielleicht sollte Lochte die Tage mal mit seinem Rivalen telefonieren.

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