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Rio de Janeiro - Deutschlands Top-Schwimmer Paul Biedermann geht über 200 Meter Freistil in Rio leer aus und muss sich von einem großen persönlichen Traum endgültig verabschieden. Eine kleine Chance hat er noch.

Es war eine bizarre Szenerie, die da in der Mixed Zone des olympischen Schwimmstadions auf Paul Biedermann wartete.

Nach dem letzten Einzelrennen seiner Karriere wartete eine stattliche Anzahl deutscher Journalisten auf den deutschen Schwimmer.

Die Pressesprecher hatten die Medien-Schar in einer besonders geräumigen Ecke positioniert. Das Kuriose: Vor den Journalisten stand ein kleines Podest, das es eigentlich erleichtern soll, den Sportler besser zu sehen und zu verstehen.

Nun passte dieses Podest aber so gar nicht zu Paul Biedermanns Gemütslage. Und so meckerte er, als er die kleine Anhöhe sah: "Was ist das denn? Da stelle ich mich nicht drauf!" Die Enttäuschung stand dem mehrfachen deutschen Meister ins Gesicht geschrieben.

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"Das war das Maximum"

Biedermann war im olympischen 200-Meter-Freistil-Finale Sechster geworden. Mit den Medaillenentscheidungen hatte er nicht nur nichts zu tun, die Medaillenhoffnung des Deutschen Schwimmverbandes konnte nicht ansatzweise in den Kampf um die heißen Plätze eingreifen.

"Das war das, was ich jetzt gerade leisten konnte. Ich habe angeschlagen und habe gedacht: Okay, das war das Maximum", so Biedermann. "Ich wollte mich am Japaner und an Sun (dem späteren Sieger, d. Red.) orientieren. Ich konnte auf den dritten 50 Metern noch gut etwas gutmachen, aber dann war ich alle."

Biedermann guckte bei diesen Worten immer wieder sichtlich frustriert auf den Boden.

Karriereende nach Olympia

Sein letztes olympisches Einzelrennen hatte sich der Hallenser anders vorgestellt. Nach den Wettkämpfen in Rio wird er seine Karriere beenden. Zwar hatte Biedermann vor dem Rennen gesagt, er würde keine Medaille brauchen, um mit sich im Reinen zu sein, weil Olympia für ihn "der perfekte Abschluss sei".

Selbst ein Blinder hätte aber nach dem Rennen erkannt, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Natürlich hätte sich der Deutsche gerne eine Medaille um den Hals hängen lassen. "Ich brauche jetzt bestimmt noch zehn Minuten", kommentierte Biedermann sarkastisch. (SERVICE: Der Olympia-Zeitplan)

Größter Triumph 2009

Dabei war der Plan fast perfekt: Vor fast genau sieben Jahren, im Juli 2009, gelang ihm bei der Weltmeisterschaft in Rom sein bislang größter Triumph.

Die gleichsam souveränen wie sensationellen Titel über die 200 und 400 Meter Freistil - beide Male in Weltrekordzeit. Über die kürzere Distanz hatte er damals sogar Mega-Star Michael Phelps besiegt. Mehr ging nicht. (SERVICE: Der Medaillenspiegel)

Einer kurzen Frustration nach den missratenen Olympischen Spielen 2012 in London (Fünfter Platz über 200 und Halbfinal-Aus über 400 Meter) folgte eine neue Hochphase unter anderem mit WM-Bronze 2015.

Rückschlag folgt prompt

Biedermann hatte Rio de Janeiro eigentlich als weiteren Meilenstein auserkoren - und gleichzeitig als großes Finale. Auch wenn der 30-Jährige nicht als Topfavorit ins Rennen gegangen war, ist der sechste Platz dennoch enttäuschend für ihn.

Sein Lebenstraum, eine Einzelmedaille bei Olympia, ist endgültig geplatzt.

Eine kleine Chance hat er noch. "Es gibt ja noch die 4x200-Meter-Staffel. Da möchte ich angreifen, das bin ich den Jungs schuldig", sagte Biedermann direkt nach dem Rennen in der ARD.

Den Jungs, aber auch sich selbst.

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