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Das US-Team um Kevin Durant (M.) weiß in Rio von Beginn an zu glänzen
Das US-Team um Kevin Durant (M.) weiß in Rio von Beginn an zu glänzen

Rio de Janeiro - Die US-Basketballer untermauern beim Olympia-Auftakt gegen China eindrucksvoll ihren Status als Dream Team. Vor dem Spiel sorgt ein Besuch in einem Erwachsenen-Club für Aufsehen.

Den Reiz des Sports macht ja aus, dass der Ausgang ungewiss ist, Unvorhergesehenes passiert, David Goliath schlägt. Der erste Olympiaauftritt der US-amerikanischen Basketballer zog die Zuschauer auf andere Art und Weise in den Bann.

Es war die Faszination, die Sportler aufs Publikum ausüben, wenn sie ihre Disziplin in Perfektion beherrschen.

Insofern störte es niemanden wirklich, dass exakt das Vorhergesagte passierte. Nämlich, dass das US-Team mit den bemitleidenswerten Chinesen Katz und Maus spielte.

Durant und Co. auf einem anderen Level

Angeführt vom überragenden Kevin Durant (25 Punkte) lagen die NBA-Cracks bereits nach dem ersten Viertel mit 30:10 in Front und demonstrierten dabei eine Überlegenheit, wie man sie auf höchstem Level in Teamwettbewerben nicht allzu oft zu sehen bekommt.

Athletisch, technisch und bisweilen auch spielerisch agiert das - immerhin ohne die Megastars LeBron James und Stephen Curry angereiste - Team mindestens auf einem Level höher als die anderen Olympiateilnehmer. Gegen China waren es eher zwei.

Als kurz vor der Halbzeit (59:30) die Welle durch die mit etwa 13.000 gut gelaunten Zuschauern sehr ansprechend gefüllte Carioca Arena 1 im Olympiapark schwappte, war das Spiel längst entschieden, am Ende hieß es 119:62. Neben Durant punkteten DeMarcus Cousins (17), Paul George (15) und Kyrie Irving (12) zweistellig.

Ernsthaftigkeit statt Sperenzchen

"Wir wollten der Welt die Botschaft senden, dass wir es ernst meinen", sagte Carmelo Anthony, der als erster Basketballer sein drittes Olympisches Gold holen kann. Die Botschaft kam an.

Auf ihrem Weg zu Gold werden der Power Forward von den New York Knicks und seine Kollegen kaum zu stoppen sein. Frankreich, Spanien, Serbien - die Mannschaften, die die USA überhaupt auch nur in Bedrängnis bringen können - sind schnell genannt.

Zumal US-Coach Mike Krzyzewski seinen Superstars das entscheidende Rüstzeug in Sachen Einstellung und Respekt mit auf den Weg gegeben hat. Gegen die Chinesen hielten sie sich jedenfalls mit Sperenzchen weitgehend zurück - von einem kleinen Schere-Stein-Papier mal abgesehen.

Ein Hauch von Nervosität

Diese Ernsthaftigkeit wird auch im gesamten Turnier der Schlüssel zum Erfolg sein, weshalb Krzyzewski zufrieden war.

"Wir waren gut", sagte "Coach K", der das starke Teamspiel (31 Assists) pries und den es nicht verwunderte, dass einige seiner Spieler vorab doch etwas nervös gewesen waren: "Für sechs meiner Spieler war es das erste Match auf internationalem Parkett. Und Olympia ist etwas Großes."

Julian Meissner berichtet für SPORT1 von den Olympischen Spielen in Rio © SPORT1 Grafik: Getty Images

Neben einem Sonderlob für Durant ("einer der besten Spieler der Welt") gab der Basketball-Weise seine Siegformel zu Protokoll: "Ich hoffe, wir bleiben gesund und verbessern uns weiter. Wir spielen nicht um zu scoren, wir spielen um zu spielen. Das müssen wir beibehalten, wenn wir Gold gewinnen wollen."

Und Dirk Nowitzkis neuer Teamkollege Harrison Barnes warnte im Gespräch mit SPORT1 pflichtschuldig vor der Konkurrenz: „Alle, die hier sind, sind zu Recht hier. Wir müssen unsere Leistung bringen, sonst können wir gegen jedes Team Probleme bekommen."

Besuch einer Erwachsenen-Sauna

Dass es nur mit Ernsthaftigkeit aber auch nicht geht, bewiesen ein paar Mitglieder des Dream Teams Vor dem Auftakttriumph.  Wie die Promi-Website TMZ berichtet, besuchten Cousins, De Mar DeRozan und DeAndre Jordan am Tag vor dem Spiel die Termas Monte Carlo, eine Wellness-Oase, die auf "Adult Entertainment" spezialisiert ist, sprich: auf nicht unbedingt jungendfreie Angebote.

Die Teilnehmer berichteten später, sie seien aus Versehen in der Anstalt für besondere Bedürfnisse gelandet. Wie auch immer. Der Leistung hat es nicht geschadet.

"Das macht uns unheimlich"

Trainer Krzyzewski wird nach Rio nach zehn Jahren an der Seitenlinie beim Team USA Platz für Gregg Popovich machen. Und sich am liebsten natürlich mit dem Olympiasieg verabschieden. Obwohl neben James und Curry ja weitere große Namen wie James Harden oder Russell Westbrook nicht in Brasilien dabei sind. Mit ihnen wäre die Sache noch eindeutiger.

Und vielleicht würden sich die Spieler auch nicht so hartnäckig dagegen sträuben, "Dream Team" genannt zu werden um das Erbe der legendären 1992er-Mannschaft um Michael Jordan, Larry Bird und Magic Johnson ja nicht anzutasten.

Ihre Testspiele in der Olympiavorbereitung hatten die Amerikaner mit durchschnittlich 43 Punkten gewonnen. Insofern sind sie mit der 57-Punkte-Packung, die sie den Chinesen verpassten, mehr als auf Kurs. "Es kann noch besser werden, das macht uns unheimlich", sagte Anthony etwas mystisch.

Und obwohl sie den Ausgang schon kennen, werden auch im zweiten Vorrundenspiel gegen Venezuela am Montag die Fans in die Halle strömen. Vielleicht auch gerade deshalb.

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