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Wayne Odesnik erreichte seine höchste Platzierung im April 2009 als Nummer 77 der Welt © getty / SPORT1

München - Die harte Strafe für Tennisprofi Wayne Odesnik wirkt auf den ersten Blick gerecht. Bei genauem Hinsehen wirft sie aber Fragen auf. Wird im Tennis selektiv getestet und bestraft?

Kurz zuckt das Profitennis aus seiner Gemütlichkeit in Sachen Doping. 15 Jahre Sperre für Wayne Odesnik! Klingt spektakulär - und es könnte der erste Schritt sein auf dem Weg zur Sauberkeit.

Eins ist klar: "Mit der USADA geht es zur Sache." Das sagt Prof. Fritz Sörgel, Anti-Doping-Experte aus Nürnberg. Die amerikanische Anti-Doping-Agentur hat im Fall Odesnik wieder ihre Macht bewiesen. Und ihren Willen, hart durchzugreifen.

"Man will ein Exempel statuieren und muss das auch tun", sagte Sörgel SPORT1. "Die USADA zeigt: Insbesondere wer ein zweites Mal erwischt wird, muss in härtester Form bestraft werden."

Dreimal positiv getestet

Odesnik kassierte die Strafe für positive Befunde bei insgesamt drei Dopingproben. Schon 2010 hatte er eine einjährige Strafe abgesessen.

2014 Australian Open - Day 2
Wayne Odesnik hat sieben Turniere auf der Challenger Tour gewonnen © Getty Images

Der Fall zeigt aber auch: Dopingjäger würden im Tennis liebend gern kneifender ansetzen - das weiß der Weltverband ITF aber zu verhindern. "Es ist ein steter Kampf", sagte Sörgel. "Sowohl bei Männern als auch bei Frauen gibt es Anlass zu Verdacht. Aber es fehlen bis jetzt die spektakulären Fälle."

Nur ein vergleichbarer Fall

So erwischt es Spieler wie Odesnik, aktuell die Nummer 267 der Welt. Eine vergleichbare Strafe gab es bislang etwa für den portugiesischen Radprofi Pedro Lopes, 2011 ebenfalls als Wiederholungstäter für 15 Jahre gesperrt.

Die USADA sperrte zwar Lance Armstrong lebenslang, doch zu diesem Zeitpunkt war dessen Radsport-Karriere bereits beendet. Andere wie der Radprofi Danilo di Luca oder der Kugelstoßer Milan Haborak waren schon im weit fortgeschrittenen Sportleralter, als sie lebenslange Sperren bekamen.

Murray macht Stimmung gegen Odesnik

In diesem Zusammenhang sticht der Fall Odesnik heraus. Verdient hat er die Strafe, betont Sörgel. Aber: Die Hintergründe sind hierbei entscheidend.

"Herr Murray hat sich sehr abfällig ihm gegenüber geäußert als 'Verräter' des Systems", sagte Sörgel. Andy Murray und viele andere Spieler auf der Tour sind schon lange nicht mehr gut zu sprechen auf Odesnik.

2009 soll er als einer von fünf Zeugen gegen den Österreicher Daniel Köllerer ausgesagt haben. Odesnik war zum Abschuss freigegeben.

Wachstumshormone "eleganter" als Anabolika

Der Fall zeigt außerdem: "Es ist charakteristisch, dass ein Wachstumshormon eine Rolle spielt. Das ist praktisch nicht nachzuweisen. Man muss großes Pech haben, wenn man positiv auf Wachstumshormone getestet wird", sagte Sörgel.

Und weiter: "So ganz sicher ist man sich noch immer nicht, ob das Nachweisverfahren auch funktioniert. Insofern bieten sich Wachstumshormone geradezu an und ist eleganter als Anabolika. Diese hat er aber auch genommen."

Verschiedene Substanzen

Bedeutet: Auch im Tennis mischen Spieler verschiedene Mittel, um bei den einzelnen Substanzen möglichst unter dem Nachweiswert zu bleiben.

Noch steht der ganz große Knall aus. Andre Agassi gestand nach seiner Karriere, sich mit Crystal Meth aufgeputscht zu haben, Martina Hingis trat nach einem positiven Test gleich zurück, auch Mats Wilander wurde kurz vor dem Ende von dessen aktiver Zeit Kokainkonsum nachgewiesen. Alles vergleichsweise halb so wild.

"Bei der UCI hat es letztlich zwei bis drei Jahrzehnte gedauert. Auch der Tennisverband braucht noch seine Zeit, um zu verstehen, dass er konsequenter sein muss", folgert Sörgel.

Noch immer gibt es viel zu wenige Tests, denn: "Gerade in der Aufbauphase sind Anabolika wirksam, das haben wir gerade bei der Diskussion um die Fußballer gesehen."

Helfen Bildanalysen?

Dabei ließe sich viel erkennen: "Hilfreich wären auch Bildanalysen: Wie sieht ein Sportler während des Jahres aus? Wie sieht er in der Vorbereitung aus? Wie beispielsweise nach einem Turnier?"

Das Problem: "Spanien ist nach wie vor ein Land, in dem man es perfekt beherrscht, einen Spieler so schnell wie möglich wieder auf die Beine zu bringen." Immer wieder fällt auch der Name Rafael Nadal. Der überführte Doper Köllerer selbst erhob schwere Anschuldigungen gegen den Weltranglistendritten.

Bislang gibt es allerdings noch keinen konkreten Fall in der Weltspitze. Das kann nur bedeuten: Entweder das System der Dopingprävention funktioniert perfekt oder das der Betrüger.

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