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TEN-US OPEN-VINCI-KERBER
Angelique Kerber strebt in New York ihren zweiten Grand-Slam-Triumph an © Getty Images

Angelique Kerber zieht bei den US-Open souverän ins Halbfinale ein. Dort wartet eine ehemalige Nummer eins. Der Traum vom Tennis-Thron lebt dennoch weiter.

Die Freude über den gewonnenen Nervenkrimi gegen Roberta Vinci währte kurz, dann hatte Deutschlands Tennis-Hoffnung Angelique Kerber bei den US Open schon den nächsten dicken Brocken vor Augen. 

Wenn der Traum von der Weltranglisten-Spitze bestehen bleiben soll, muss die 28-Jährige in der Runde der letzten Vier niemanden geringeren als die ehemalige Nummer eins Caroline Wozniacki ausschalten. 

Kerber kämpft gegen die Dänin aber nicht nur um den Einzug in ihr drittes Grand-Slam-Finale in dieser Saison, sondern auch um ihren Traum von der Nummer eins..

Gutes Omen dabei aus deutscher Sicht: Im direkten Vergleich führt Kerber mit 7:5.

Wozniacki hatte bei ihrem glatten 6:0,6:2-Erfolg gegen die angeschlagene Anastasija Sevastova aus Lettland allerdings ungleich weniger Mühe als Kerber mit der aufmüpfigen Italienerin Vinci. 

Kerber weiter ohne Satzverlust

Die Olympia- und Weltranglisten-Zweite überstand gegen die Vorjahresfinalistin im ersten Satz eine Nervenprobe, ehe sie sie nach 77 Minuten mit 7:5, 6:0 nach Hause schickte und selbst zum zweiten Mal nach 2011 die Vorschlussrunde in New York erreichte.

"Es ist immer schwierig gegen Roberta zu spielen, daher bin ich umso glücklicher, in zwei Sätzen durchgekommen zu sein", sagte Kerber: "Es bedeutet mir unheimlich viel, hier zurück im Halbfinale zu sein."

Die Kielerin ist nach fünf Matches in Flushing Meadows noch immer ohne Satzverlust und gab den Druck an Serena Williams weiter.

Die US-Amerikanerin muss am Mittwoch nachziehen, um ihre Führung in der Weltrangliste zu behaupten. Williams trifft in ihrem Viertelfinale auf die Weltranglistenfünfte Simona Halep aus Rumänien.

Nur wenn Williams das Finale erreicht, bleibt sie die Nummer eins, sonst erobert Kerber als erste Deutsche seit Steffi Graf den Tennis-Thron.

Kommt es im Finale zum direkten Duell zwischen Kerber und Williams ist die Rechnung einfach: Die Siegerin ist Nummer eins.

Probleme im ersten Satz

Kerbers Selbstvertrauen könnte vor dem Halbfinale kaum größer sein, der Sieg über die trickreiche Vinci wird ihr weiter Auftrieb geben.

Anders als die zweimalige Wimbledonsiegerin Petra Kvitova (Tschechien) in der Runde zuvor schenkte Vinci Kerber zunächst kaum einen Punkt.

Die Kielerin musste von ihrer Linie abrücken und selbst in die Offensive gehen. 22 Fehler unterliefen ihr dabei im ersten Satz, den Glauben in die eigenen Qualitäten verlor Kerber trotz einiger Unmutsäußerungen jedoch nie.

"Ich versuche gelassen zu bleiben, wenn es eng wird und meine Chance zu nutzen, wenn sie sich bietet", erklärte sie nach dem Match: "Das ist mir heute gut gelungen. Ich glaube, das war der Schlüssel zum Sieg."

Kerber gewandelt

Unter dem geschlossenen Dach des Centre Courts zeigte Kerber jedoch erneut, wie sehr sie sich nach den bitteren Niederlagen der Saison 2015 gewandelt hat.

Nachdem Vinci ihr mit einem Fußfehler beim Aufschlag den ersten Satz nach 54 Minuten überlassen hatte, marschierte Kerber beinahe fehlerfrei Richtung Halbfinale.

Die 33-jährige Vinci, die im vergangenen Jahr im Halbfinale völlig überraschend Williams' Grand-Slam-Träume beendet hatte, war chancenlos.

Traumfinale gegen Williams rückt näher

Vieles deutet nun auf das Traumfinale zwischen Kerber und Williams hin, die bereits in Melbourne und Wimbledon um den Titel gespielt hatten.

"Natürlich können andere an guten Tagen auch eine Rolle spielen. Aber Angie und Serena sind die Konstanten", sagt Bundestrainerin Barbara Rittner.

Kerber kam in New York bislang kaum in Bedrängnis, Williams gab noch nicht einmal ihren Aufschlag ab.

Es ist lange her, dass zwei Spielerinnen das Grand-Slam-Jahr derart geprägt haben: Vor 14 Jahren standen sich Serena und Venus Williams in drei Endspielen gegenüber.

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