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München - Die Thunder sind längst mehr als die Two-Man-Show von Russell Westbrook und Kevin Durant. Bei den Warriors treten alte Fehler zu Tage. SPORT1 analysiert die West-Finals.

So hatte diese Serie niemand erwartet.

Statt die Rekordsaison mit dem zweiten Titel in Folge zu krönen und eine neue NBA-Dynastie zu begründen, steht das Überteam der Golden State Warriors schon im Conference Finale vor dem Aus.

Die Oklahoma City Thunder, die als Underdog bereits San Antonio das Fürchten lehrten, brauchen nur noch einen Sieg (Spiel 5, Fr. ab 3 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 US ), um Steph Curry und Co. frühzeitig in den Urlaub zu schicken.

Aber wie konnte es dazu kommen? 

SPORT1 analysiert, wie die Thunder dem Titelverteidiger den Zahn ziehen.

Russell Westbrook

Die NBA ist eine Liga der Stars. Um etwas zu erreichen, müssen die Topleute liefern. Bei Russell Westbrook ist das Licht angegangen. Der schon immer extrem talentierte Point Guard bringt seine Fähigkeiten endlich gewinnbringend für das Team ein. Nach 18 Triple-Doubles in der regulären Saison legt er in den Playoffs mit durchschnittlich 26 Punkten und mehr als elf Assists noch eine Schippe drauf.

Kevin Durant ist der ehemalige MVP, aber Westbrook ist aktuell der wertvollste Spieler der Thunder. In der Offensive deckt er die Schwächen der Warriors gegen dynamische Guards auf  - Damian Lillard kam in der zweiten Runde auf fast 32 Punkte pro Spiel - und ackert in der Defense gegen Curry und Co. (15 Steals in vier Partien).

Vielseitigkeit der Thunder

Schon für die Spurs erwies sich OKC als unangenehmes Matchup. Nach vielen Experimenten und einigen Schwankungen haben sie ihre Idealformation gefunden. Dank Westbrook, Durant, dem urplötzlich recht effizienten Dion Waiters von der Bank und Andre Roberson können sie selbst das Tempo der Warriors mitgehen, aber gleichzeitig mit Serge Ibaka, Steven Adams oder Enes Kanter am Korb Größe und Stärke demonstrieren.

Mit dieser Mischung raubten sie bereits den sonst so unerschütterlichen Spurs völlig den Rhythmus.

Der Playoffbaum der NBA 2016 © SPORT1

Fehlende Frische der Warriors

Der Segen der Rekordsaison mit 73 Siegen entwickelt sich in den Playoffs zum Fluch. Curry musste wegen Knieproblemen aussetzen, Draymond Green plagt der Knöchel. Im Nachhinein ist es leicht, die mangelnde Schonung seiner Schlüsselspieler zu kritisieren, aber Steve Kerr dürfte sich mittlerweile hinterfragen. Speziell Curry und Green sind nicht bei 100 Prozent, die vielen zu kurzen Würfe sind ein Indiz.

Die Rekordjagd hat in jedem Fall mental Spuren hinterlassen. Die vielen uncharakteristischen Ballverluste und Greens Ausraster in Spiel 3 deuten auf fehlende Frische im Kopf hin. Mangelnde Disziplin ist die Folge. Zudem verfällt das Team in kritischen Situationen in alte Muster und nimmt zu viele Dreier, ohne den Ball wie gewohnt laufen zu lassen. (Die NBA-Playoffs in der Übersicht)

Rebounds und aggressive Defense

Mindestens genauso wichtig wie Golden States Schwächen sind die Stärken der Thunder. Nicht zuletzt dank Westbrook und Roberson sind die Thunder auch mit kleineren Aufstellungen am Brett überlegen und bekommen so immer wieder zweite Chancen (16 Offensiv-Rebounds in Spiel 4).

Bei Westbrook wird oft die Verteidigung übersehen, er macht Curry das Leben schwer. Der MVP und die anderen Schützen müssen für gute Würfe richtig arbeiten. Roberson, Durant und Ibaka zwingen sie, über ihre langen Arme zu schießen.

Schon während der Saison gehörte OKC bei der gegnerischen Dreierquote zu den besten Teams. Die Warriors halten sie bisher bei ausgezeichneten 35,5 Prozent (15/16: knapp 42 Prozent). Bei den drei Siegen forcierten sie mit ihrem aggressiven Spiel insgesamt 49 Ballverluste.

(Alles zum US-Sport auch am Mi., 23.30 Uhr im Free-TV auf SPORT1 in Inside US Sports)

Billy Donovan

Scott Brooks musste gehen, weil er regelmäßig die großen Spiele verlor. Dreimal erreichte er zwischen 2011 und 2014 die Conference Finals, nur 2012 gelang der Schritt ins Finale - damals waren LeBron James' Miami Heat zu stark.

Sein Nachfolger Billy Donovan war am College extrem erfolgreich - gewann unter anderem zwei Titel mit Joakim Noah und Al Horford. Er impfte den Thunder auswärts und in der Crunch Time neue Stabilität ein. Bei den heimstarken Spurs klauten sie zwei Spiele, in Oakland schlugen sie in Spiel eins zu.

Donovan nutzt die Möglichkeiten des Kaders hervorragend. Spurs-Legende Gregg Popovich manövrierte er aus, gegen Golden State funktioniert die kleine Variante mit Ibaka und Durant im Frontcourt. OKC ist längst mehr als die etwas ausrechenbare Two-Man-Show, sie spielen effizienten Teambasketball in Abwehr und Angriff.

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