vergrößernverkleinern
Super Bowl XLIX - New England Patriots v Seattle Seahawks
Tom Brady gewann im Februar mit den New England Patriots seinen vierten Super Bowl © Getty Images

München - Die Sperre gegen den Superstar der New England Patriots bleibt bestehen. Mit der Zerstörung eines Handys soll Tom Brady versucht haben, seine Verwicklung zu vertuschen.

Ein Handy hält die NFL in Atem.

Die "DeflateGate"-Affäre um zu wenig Luft in den Bällen der New England Patriots wird immer seltsamer und hinterlässt ausschließlich Verlierer.

Am Dienstag lehnte Commissioner Roger Goodell den Einspruch der Spielergewerkschaft (NFLPA) und Tom Bradys gegen die vier Spiele Sperre des Star-Quarterbacks wegen "neuer Beweise" ab.

Bemerkenswert in Goodells schriftlicher Begründung: am Tag seiner Vernehmung durch den unabhängigen Ermittler Ted Wells habe Brady seinen Assistenten angewiesen, sein Handy zu zerstören.

"Es ist eine sehr enttäuschende, aber nicht überraschende Entscheidung. Der gesamte Prozess des Einspruches war sehr unfair", wetterte Bradys Berater Don Yee. Der dreimalige MVP des Super Bowls schwieg vor dem Start in die Vorbereitung und veröffentlichte auf Facebook ein Statement.

Handy mit wichtigen Daten zerstört

Die NFL betont, Brady habe gewusst, dass die Untersuchungskommission das Handy zur Überprüfung angefordert hatte - vermutlich während der Vernehmung.

Auf dem Handy sollen Textnachrichten der beiden für den Skandal verantwortlich gemachten Patriots-Mitarbeiter Jim McNally - der selbsternannte "Deflator" (Ablasser) - und John Jastremski sowie weitere Daten sein.

Brady benutzte das Handy seit November 2014 und damit auch rund um das fragliche AFC-Finale gegen Björn Werners Indianapolis Colts (45:7).

Colts treten Lawine los

Damals hatten die Colts die Liga über zu schwach aufgepumpte Bälle des Kontrahenten informiert - in der NFL benutzt jedes Team im Angriff eigene Bälle.

Bei der folgenden Überprüfung kam heraus, dass tatsächlich elf von zwölf eingesetzten Bällen nicht den vorgeschriebenen Luftdruck aufwiesen.

Fortan verstrickten sich die Pats in nebulöse Entschuldigungen und Ausflüchte. Eine überzeugende Erklärung blieb vor allem Brady schuldig.

Brady legt Karten nicht auf den Tisch

Allerdings bekleckerte sich in der Folge auch die NFL nicht mit Ruhm. Ohne stichhaltige Beweise sprach Goodell im Zuge der imageschädigenden Gewaltexzesse einiger Spieler eine harte Sperre auf dem Niveau von Medikamentenmissbrauch aus.

Der Aufschrei der Spielergewerkschaft war groß. Dennoch verpasste Brady die Chance, reinen Tisch zu machen und zu kooperieren. Er behauptete, er würde McNally, der seit 15 Jahren für die Patriots arbeitet, nicht kennen.

Auch aufgrund der Vorbelastung der Patriots - Stichwort "SpyGate" - fiel es der NFL offenbar schwer zu glauben, zwei langjährige Mitarbeiter würden so etwas auf eigene Faust machen.

NFLPA geht vor Gericht

Die Handy-Affäre lässt Brady in noch schlechterem Licht erscheinen, obwohl auch diese Episode nur ein Indiz ist. Die NFLPA kündigte bereits an, vor ein ordentliches Gericht zu ziehen.

Dass ein Richter angesichts der Sachlage und der nun mutmaßlich aufgedeckten Vertuschungsaktion die Sperre aufhebt, ist aber äußerst unwahrscheinlich.

Brady wird also höchstwahrscheinlich am 6. Spieltag der NFL - die Patriots haben eine frühe spielfreie Woche - zurückkehren. Gegner sind dann zufälligerweise die Indianapolis Colts.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel