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Santa Clara - Legende Peyton Manning verdankt seinen historischen Titel anderen und teilt das Rampenlicht. Sein Coach weiß, was er vom 39-Jährigen braucht. Der hat nur noch einen Wunsch.

Die Frage kommt direkt am Anfang. Ob das sein letztes Spiel gewesen sei?

Peyton Manning verzieht sein Gesicht, stockt kurz, fragt zurück: "What was that?" Die Frage gefällt dem nun zweimaligen Super-Bowl-Champion nicht. 

Schließlich sagt er: "Ich weiß es nicht." Später erläutert er: "Das war eine emotionale Woche, eine emotionale Nacht und ich habe jetzt erst einmal andere Prioritäten. Ich will jetzt zuerst meine Frau küssen, meine Kinder küssen, ich will mit meiner Familie und meinen Teamkollegen feiern."

Peyton Manning möchte in diesem Moment des Triumphs nicht über sein wahrscheinliches Karriereende sprechen. 

"Jeder hat seinen Anteil" 

Dabei hat Manning Historisches geleistet: Er ist der erste Quarterback in der NFL-Geschichte, der mit zwei unterschiedlichen Teams einen Super Bowl gewinnt. Dazu ist er mit 39 Jahren der älteste Quarterback, der sich jemals zum Champion krönt. (Die Highlights des Super Bowl 50 am Mi., 23.30 Uhr im Free-TV auf SPORT1 in Inside US-Sports)

Aber Manning weiß, dass es jetzt nicht um ihn gehen sollte, sondern um die Denver Broncos. Schließlich verdankt er diesen Titel vor allem der überragenden Abwehrleistung.

Mannings Anteil am 24:10 (13:7)-Finalsieg gegen die Carolina Panthers war überschaubar. "Jeder hat seinen Teil beigesteuert", sagte er, der vor dieser Saison eine Gehaltskürzung von vier Millionen Dollar akzeptierte. "Aber es steht außer Frage, dass die Defense den Weg vorgegeben hat." 

Nur 141 Yards warf der 39-Jährige, keinen Touchdown-Pass, dafür eine Interception. Er beschränkte sich auf kurze Pässe, wurde es länger, kamen die Bälle meist nicht an. 

Und wieder überragt die Abwehr 

Denver vermied beim Passspiel jedes Risiko. Das sei auch die Vorgabe des Trainer Gary Kubiak gewesen, verrät Manning. 

Normalerweise kann ein Team auf diese Weise nicht den Super Bowl gewinnen. Aber was ist an dieser Denver Defense schon normal? Nach den Playoff-Spiele gegen Pittsburgh (23:16) und New England (20:18) gewann sie nun eben auch den 50. Super Bowl im Alleingang.

Vier Balleroberungen, dazu sieben Sacks - Endspiel-Rekord. Und MVP Von Miller setzte den gegnerischen Quarterback Cam Newton so sehr unter Druck, dass die Panthers im Angriff nie ihren Rhythmus fanden.

"Der Sieg war auch für Peyton" 

Manning sagt dann schon fast demütig: "Ich bin so dankbar, Teil dieses Teams sein und mit so einer Verteidigung zusammenspielen zu dürfen. Ich bin froh, dass ich nicht selbst gegen sie spielen muss."

Den letzten großen Sieg hat er seinen Mitspielern zu verdanken: "Von (Miller), DeMarcus (Ware), Aqib Talib und Chris (Harris Jr.)", nennt er sie dann auch namentlich.

MVP Miller gibt ganz unbescheiden zurück: "Es ist gut, wenn du was für jemand anderen tun kannst. Das sind magische Momente. Der Sieg war auch für Peyton."

Mit Meilenstein in den Krankenstand

Manning sieht alt aus in dieser Stunde des historischen Triumphs. Er wirkt müde, als er den Pokal entgegennimmt und sucht kurz später auf der Pressekonferenz nach Worten. "Ich fühle mich okay", kommentiert er seinen Fitnesszustand. 

Was war das für eine strapaziöse Saison: Manning startete so schlecht, wie noch nie in seiner Karriere. Ausgerechnet in jenem Spiel, als er den Rekord für die meisten geworfenen Yards einstellte, wurde er nach vier Interceptions ausgewechselt.

Ersatzquarterback Brock Osweiler übernahm seine Position, Manning pausierte (offiziell verletzt). Richtig fit war er mit Fußverletzung und Rückenproblemen ohnehin nicht mehr.

Die Präsenz einer Legende 

Viele schrieben ihn bereits ab, sprachen von einem unrühmlichen Ende. "Das hat keinen Spaß gemacht, war sehr hart", sagt er. Manning schufftete dennoch am Comeback und erhielt kurz vor den Playoffs schließlich seinen Startplatz zurück.

Mehr als um seine sportliche Leistung, ging es um seinen persönlichen Einfluss auf das Team. "Ich bin so stolz auf ihn. Er wußte, dass er sich auf das Team verlassen kann und nur seine Rolle erfüllen muss", schilderte Trainer Gary Kubiak seinen Anspruch an Manning.

Dessen Rolle erforderte eben keine weiten Pässe und spektakuläre Plays, sondern nur die Präsenz und Ruhe einer Quarterback-Legende.

Zu müde für Tränen

Vor dem Spiel am Sonntag hatte Manning vor den Mannschaftskollegen eine emotionale Ansprache gehalten und war den Tränen nahe

Nach dem Spiel scheint er selbst für Tränen zu erschöpft zu sein. Es ist kaum vorstellbar, dass dieser Mann noch einmal in einem Football-Spiel auflaufen wird. Muss er nicht. Er hat jetzt alles erreicht.

Einen Wunsch hat Manning aber doch noch: Zu Miller habe er bei der Siegerehrung gesagt: "Lass mich mal bei dir im Auto mitfahren", erzählt er. In jenem schicken Auto, das der MVP als Auszeichnung bekommt. Manning lacht: "Das wäre großartig!"

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