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Kasim Edebali trifft am Sonntag auf Carolinas Superstar Cam Newton © SPORT1 Grafik: Philipp Heinemann/Getty Images

New Orleans und München - Kasim Edebali steht mit den Saints gegen Cam Newtons Panthers unter Druck. Bei SPORT1 erklärt Edebali, wie er Newton stoppen will und warum Tischtennis zum Hit wird.

Der Saisonstart bei den New Orleans Saints ist misslungen. Nach Niederlagen gegen die Oakland Raiders, New York Giants und Atlanta Falcons feierte das Team von Kasim Edebali vor der spielfreien Woche aber immerhin einen 35:34-Sieg über die San Diego Chargers.

Vor dem Duell mit Star-Quarterback Cam Newton und Vorjahresfinalist Carolina Panthers stehen die Saints im Playoff-Rennen dennoch unter Druck. Edebali erklärt im SPORT1-Interview, welche Rolle er im Kampf gegen den Superstar spielt, wie wichtig die aktuelle Saison für ihn ist und welcher Sport in New Orleans' Kabine angesagt ist.

SPORT1: Herr Edebali, ein Viertel Ihrer dritten NFL-Saison ist bereits vorbei. Wir fällt Ihr Zwischenfazit nach der spielfreien Woche aus?

Kasim Edebali: Ich bin natürlich nicht ganz zufrieden. Wir hatten uns einen anderen Start vorgestellt - auch ich persönlich. Aber der Sieg vor der Bye Week war extrem wichtig und hat auch gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

SPORT1: Wie sind Sie mit Ihrer Einsatzzeit bisher zufrieden?

Edebali: Meine Rolle sieht etwas anders aus, als es vor der Saison zu erwarten war. In der Preseason habe ich noch viel Defensive End gespielt, dann haben wir Paul Kruger verpflichtet. Er ist ein sehr guter End und bringt mit zehn Kilogramm mehr auch etwas mehr Power gegen das Laufspiel. Sobald es gegen den Pass geht, bin ich gefordert und soll Druck auf den gegnerischen Quarterback machen. Das Problem war, dass wir zu Saisonbeginn oft schnell hinten lagen und ich so nicht so viel Gelegenheiten bekam. Zuletzt gegen San Diego war das auch für mich schon deutlich besser.

SPORT1: Die Coaches schätzen ja ihre Explosivität bei der Quarterback-Jagd. Macht Ihnen der Pass Rush auch am meisten Spaß? (SERVICE: SPORT1 erkärt die NFL-Begriffe)

Edebali: Auf jeden Fall! Das war schon am College so. Das ist meine Idealrolle: dritter Versuch und viele Yards zu gehen, dann drehe ich auf. Ich schaue mir auch andere Speed Rusher wie Dwight Freeney oder Von Miller an, da kann man sich immer etwas abschauen.

SPORT1: Im vergangenen Jahr hatten Sie fünf Sacks. Am kommenden Wochenende geht es gegen Carolina - vermutlich wieder mit Superstar Cam Newton. Das wäre doch ein guter Zeitpunkt für den ersten Sack 2016, oder?

Edebali: Klar (lacht), ich will Cam unter Druck setzen. Ich glaube, die Vikings hatten gegen ihn acht Sacks, das kann für uns der Plan sein. Wir werden uns anschauen, wie sie das geschafft haben. Cam ist einer der besten Spieler der NFL. Er ist groß, stark, schnell, aber Newton ist auch nur ein Spieler. Wenn ihn die Offensive Line nicht richtig beschützt, können wir ihn knacken. Wenn er immer jemanden im Gesicht hat, wird es auch für ihn schwer.

SPORT1: Die Panthers haben im Monday Night Game ohne ihn eine Niederlage kassiert. Sie stehen beide bei nur einem Sieg. Ist das Spiel am Sonntag ein Must-Win für beide, um im Playoff-Rennen zu bleiben?

Edebali: Genau, Atlanta steht mit vier Siegen in unserer Division vorne. Es sind noch viele Spiele und es ist noch alles drin, aber alles beginnt mit dem nächsten Sieg. Den müssen wir gegen Carolina holen, dann können wir unser Ziel Playoffs erreichen.

SPORT1: Die Saints sind auch für ihre leidenschaftlichen Fans bekannt. Im US-Sport ist das ja nicht überall selbstverständlich. Kann man die Identifikation in New Orleans mit dem Fußball in Europa oder Südamerika vergleichen?

Edebali: Der Vergleich passt schon. Wenn ich sage, unsere Fans sind verrückt, meine ich das im positivsten Sinne. Sie lieben das Team, das hängt auch mit der Geschichte der Stadt und Hurricane Katrina zusammen. Damals waren die Saints das Einzige, was alle Menschen zusammengebracht hat. Jeden Sonntag geht es nur um die Saints. Diese Beziehung zwischen Stadt und Team ist sehr speziell.

SPORT1: Wie haben Sie sich inzwischen in New Orleans eingelebt?

Edebali: Wirklich gut, ich habe eine sehr schöne Zwei-Zimmerwohnung und sehr viele Freunde. Es ist eine sehr familiäre Atmosphäre. Ich fühle mich sehr wohl.

SPORT1: In der Kabine der Saints ist Tischtennis seit dieser Saison sehr angesagt. Quarterback Drew Brees sagt, Sie und Brandin Cooks sind die Männer, die es zu schlagen gilt. Hat er Recht?

Edebali: Ich würde sagen, Cam Jordan und ich sind die besten (lacht). Das geht schon ab. Das Letzte, was man professionellen Athleten geben sollte, ist eine Chance, sich noch mehr miteinander zu messen. In Deutschland spielst du ja oft in der Runde, das wollte ich in den Jungs beibringen, aber das klappt nicht. NFL-Spieler nehmen das dermaßen ernst, die spielen nicht einfach mit, die gehen online und kaufen sich für 400 Dollar einen Profischläger (lacht).

SPORT1: Sie sind nach der Saison Restricted Free Agent. Ist es das wichtigste Jahr Ihrer Karriere?

Edebali: Das kann man sagen. Ich versuche aber, nicht zu viel darüber nachzudenken. Ich mache das, was ich immer gemacht habe. Ich konzentriere mich auf meine Stärken, arbeite an mir und bereite mich richtig auf die Spiele vor, um alles geben zu können. Am Ende der Saison schauen wir, wie es weitergeht.

SPORT1: Noch ein kurzer Blick zu den anderen Deutschen: Björn Werner und Markus Kuhn wurden leider vor dem Saisonstart entlassen. Wie sehen Sie deren Lage?

Edebali: Die Saison ist lang, ich kann mir vorstellen, dass Markus und Björn bald eine Chance bekommen. Es gibt immer Verletzungen, solche Jungs werden gebraucht. Da kann ganz schnell der Anruf kommen. Sie sind gute Spieler.

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