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Sebastian Kühner von den BR Volleys jubelt
Sebastian Kühner spielt seit 2012 für die BR Volleys © Getty Images / Imago

Berlin - Beim Final Four der Champions League in seiner Heimatstadt könnte Nationalspieler Sebastian Kühner eine wichtige Rolle spielen. Trainer Lebedew sieht im Zuspieler der BR Volleys eine Geheimwaffe.

Eigentlich hat Sebastian Kühner einen dringenden Termin.

Auf einem der Holzstühle in der Berliner Max-Schmeling-Halle wartet ein älterer Herr ungeduldig. Kühner, Zuspieler der BR Volleys, soll eine Dopingprobe abgeben, doch den 28-Jährigen kümmert das wenig.

"Der muss jetzt warten, ich kann eh noch nicht pinkeln", sagt er.

Erstes Final Four in Deutschland - BR Volleys sind dabei

Momentan hat der Volleyball-Nationalspieler anderes im Sinn.

Erstmals wird das Final Four der Champions League in der deutschen Hauptstadt ausgetragen, zum ersten Mal sind die BR Volleys als Halbfinalist dabei - und Kühner ist mittendrin.

Trainer Mark Lebedew von den BR Volleys
Mark Lebedew trainiert seit 2010 die BR Volleys und feierte drei Meistertitel © Getty Images

Wenn der deutsche Meister am Samstag (ab 17.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) vor über 10.000 Zuschauern auf den zweimaligen Titelträger Zenit Kasan aus Russland trifft, hat der gebürtige Berliner gute Chancen auf einen Einsatz, sagt zumindest Trainer Mark Lebedew: "Basti kann von sehr weit oben zuspielen, dadurch wird das Spiel schneller. Manchmal kann das besser sein, möglicherweise auch an diesem Wochenende."

Vom Angreifer zum gefürchteten Zuspieler

Sebastian Kühner misst 2,03 m, international gibt es kaum so große Zuspieler. Da er zudem Linkshänder ist, sind die Bälle, die er aus der Zuspielposition schlagen kann, bei den Gegnern besonders gefürchtet.

Bei den Volleys ist Kühner seit 2012 zweiter Passgeber. Der Abstand zwischen ihm und dem US-Amerikaner Kawika Shoji (27) aber ist geschrumpft.

In den vergangenen drei Jahren hat sich Kühner in Berlin zum Nationalspieler entwickelt, im September 2014 gewann er WM-Bronze in Polen. Dort setzte ihn Bundestrainer Vital Heynen vermehrt als Diagonalangreifer ein. "Ursprünglich war ich auch mal Angreifer", sagt Kühner.

Weil er als Jugendlicher aufgrund einer Schulterverletzung eine Zeit lang seinen Schlagarm nicht belasten konnte, wurde er umgeschult.

Mit finanziellen Einbußen zurück nach Berlin

"Der Trainer kannte meinen Vater, das hat sicher auch eine Rolle gespielt", sagt Kühner. Roland Kühner war ebenfalls Zuspieler und einst Kapitän der DDR-Auswahl.

Der prominente Vater war für den Sohn Fluch und Segen zugleich. "Hier kannte ihn jeder, das war einer der Hauptgründe, warum ich 2007 aus Berlin weggegangen bin. Ich wollte mir meinen eigenen Namen machen", sagt Kühner. Das ist ihm über die Stationen Wuppertal, Düren und CV Mitteldeutschland auch gelungen - als Zuspieler.

"Klar gab es immer wieder Trainer, die mich als Diagonalangreifer haben wollten, da hätte ich sicherlich auch mehr Geld verdient, aber das hätten weder mein Arm noch mein Rücken lange mitgemacht", sagt Kühner.

Kühner: "Die Polen sind für uns"

Für Lebedew ist der Berliner als Zuspieler mit seiner Zusatzqualifikation vor allem dann wertvoll, wenn er seiner Mannschaft Unberechenbarkeit verleihen möchte.

Das wird am Wochenende wichtig sein, zunächst gegen Kasan, aber auch gegen einen der beiden polnischen Spitzenmannschaften PGE Skra Belchatow und Asseco Resovia Rzesow, die am Samstag (ab 19.55 LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) den zweiten Finalisten ausspielen.

In beiden Teams sind in Ferdinand Tille (Belchatow) und Jochen Schöps (Rzesow) ebenfalls deutsche Nationalspieler vertreten.

Nicht nur deswegen hofft Kühner in seinem eigenen Halbfinale auf polnische Unterstützung: "Ich glaube, dass die Polen für uns sind, denn keiner von denen will im Finale auf Kasan treffen", sagt er. Dann steht Kühner auf und kümmert sich um den Herrn von der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA).

So spricht zumindest von dieser Seite nichts mehr gegen seinen Einsatz.

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