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Dorothea Wierer beim Biathlon
Dorothea Wierer gewann 2014 in Sotschi mit der Mixed-Staffel Bronze © dpa Picture-Alliance

München - Dorothea Wierer hat kein Problem damit, über die Stränge zu schlagen. Doch die Südtirolerin zeigt, dass sich Feiern und sportlicher Erfolg nicht zwingend ausschließen.

Wer Dorothea Wierer auf der Straße trifft und sie nicht kennt, tippt sicher nicht als Erstes darauf, dass sie eine professionelle Biathletin ist.

Genausogut könnte die Italienerin auch als Model arbeiten. Nicht umsonst lag ihr im Vorjahr schon ein Angebot des Playboys vor.

Wierer ist auch sonst etwas anders als das Gros der Biathletinnen. Das Training bereitet ihr nicht immer die größte Freude und asketisch lebt die 25-Jährige auch nicht das ganze Jahr.

Erst an Silvester schlug sie wieder mal etwas über die Stränge und trank das ein oder andere Gläschen zu viel.

"Erst Party, dann Training"

"Danach war ich krank", sagt sie mit einem Lächeln, das keine Spur von schlechtem Gewissen erahnen lässt. In den ersten Tagen des Weltcups von Ruhpolding spürte die Südtirolerin noch die Folgen der Erkältung.

Ärger mit den Coaches gab es überraschenderweise dennoch keinen. "Die Trainer wissen wie ich bin. Ich kann nicht anders, ich muss so sein."

In der Jugend allerdings als Nachwuchsbiathletin eckte Wierer schon desöfteren mit ihrer lebensbejahenden Art an. "In der Pubertät war es schwierig. Da galt bei mir: Erst Party, dann Training", blickt sie zurück.

Ihr sportliches Talent war schon damals unübersehbar, mit vergleichsweise wenig Trainingsaufwand erreichte sie genauso viel wie gleichaltrige Biathletinnen.

Genießen statt Grübeln

Bei der Junioren-WM 2011 stellte sie dieses Talent dann auch endgültig mit drei Goldmedaillen unter Beweis.

Bis sie aber endgültig in der absoluten Weltspitze ankam, dauerte es noch einmal. Sicherlich war der fehlende Trainingsfleiß auch hierfür ein Grund.

Doch für Wierer gibt es keine Alternative zu ihrer Lebensart. "Feiern gehört zum Leben dazu", lautet ihr Motto. Genießen statt Grübeln. Denn wer zu viel nachdenkt, der könne im Biathlon keine Leistung bringen, ist sie überzeugt.

In Ruhpolding glänzte sie im Einzelwettbewerb mit vier Schnellfeuereinlagen. 20 Treffer bei 20 Schuss bedeuteten einen überlegen Sieg für Wierer.

"Ich kann nur schnell schießen, das ist mein natürliches Schießen. Wenn ich nachdenke, mache ich Fehler", beschrieb sie hinterher ihr Erfolgsrezept.

Heim-Weltcup in Antholz

Immer gelingt ihr das nicht, das Hirn am Schießstand auszuschalten. Aber wenn doch, dann ist sie automatisch eine Anwärterin auf den Sieg.

In Südtirol ist sie mittlerweile nicht nur wegen ihres Aussehens ein Star. Spätestens seit der Mixed-Bronzemedaille bei Olympia in Sotschi ist die Biathlon-Begeisterung im Norden Italiens riesig.

Beim Heim-Weltcup in Antholz (Do., ab 14.30 Uhr im LIVETICKER) werden die Zuschauermassen die brünette Schönheit lautstark anfeuern.

Nur in Süditalien ist die Faszination für den Biathlonsport noch nicht angekommen. "Da wissen sie ja nicht mal, was Schnee ist", lästert Wierer.

Aber wer weiß, vielleicht schafft sie es mit weiteren Erfolgen auch noch zur Bekanntheit südlich des Pos.

Ob mit oder ohne Party.

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