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IBU Biathlon World Championships - Men's and Women's Pursuit
Laura Dahlmeier holt im vierten WM-Rennen ihre vierte Medaille © Getty Images

Laura Dahlmeier setzt ihren Siegeszug bei der Biathlon-WM in Hochfilzen fort. Im Einzelrennen gewinnt die Deutsche bereits ihre dritte Goldmedaille.

Laura Dahlmeier hatte bei ihrem Gold-Lauf in die Geschichtsbücher alles gegeben.

Dank einer weltmeisterlichen Vorstellung hat Deutschlands Biathlon-Ass bei der WM in Hochfilzen auch das kräftezehrende Einzel über 15 km und ihre dritte Goldmedaille bei den diesjährigen Titelkämpfen gewonnen.

"Das ist einfach nur gigantisch, mir fehlen langsam die Worte. Ich bin total erledigt. Aber schon wieder ganz oben zu sein, ist einfach nur geil", sagte Dahlmeier, die im neunten WM-Rennen in Serie eine Medaille holte. Dies war bislang nur der Norwegerin Tora Berger (2012-2013) gelungen.

Dahlmeier wird schlecht

Danach ging erst einmal nichts mehr bei der 23-Jährigen, sie erlitt einen Kreislaufkollaps. Die Siegerehrung für die Weltmeisterin musste verschoben werden.

Ihr war schlecht, sie war dehydriert und musste von Mannschaftsarzt Dr. Klaus Marquardt behandelt werden.

Nach zehnminütiger Erholung ging es aber dann doch und Dahlmeier konnte sich bei der Flower Ceremony für ihre dritte Goldmedaille bei diesen Titelkämpfen feiern lassen.

IBU World Championship Biathlon 2017 - Day 8
Bei der "Flower Ceremony" konnte Laura Dahlmeier bereits wieder lachen © Getty Images

Auch in der anschließenden Pressekonferenz ließ sie sich zunächst entschuldigen und kam erst mit Verspätung nach. "Ich hatte Probleme mit dem Blutdruck", sagte Dahlmeier: "Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mich jetzt am liebsten ins Bett legen und die Augen zumachen."

Die warmen Temperaturen von bis zu 10 Grad hatten der Partenkirchenerin zugesetzt. "Ich bin sehr kaputt, das waren Temperaturen wie im Sommer, aber ich bin eigentlich Wintersportler", scherzte sie.

Sorgen um ihren Start in der Staffel am Freitag (14.45 Uhr im LIVETICKER) müsse man sich nicht machen. "Ich freue mich erst mal sehr auf den freien Tag und bin überzeugt, dass ich mich wieder erholen kann."

Neuner sieht Dahlmeiers dritten Gold-Coup

Drei Goldmedaillen bei einer WM für Deutschland hatten bislang nur Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner (2008 und 2011) und Andrea Henkel (ebenfalls 2008) geholt. Neuner verfolgte das Rennen am Mittwoch an der Strecke und sagte über Dahlmeier, die auch im Sprint Silber gewonnen hatte: "Es ist einfach großartig, was Laura macht. Ihre Abgeklärtheit und Coolness sind beeindruckend."

Vielleicht sogar beeindruckender als bei Neuner selbst. Denn während die im Einzel nie einen WM-Titel eingefahren hatte, gelang das Dahlmeier in beeindruckender Manier. Trotz eines Schießfehlers lag sie im Ziel vor der Tschechin Gabriela Koukalova (1/+24,7 Sekunden) und der fehlerfreien Italienerin Alexia Runggaldier (+1:45,6 Minuten).

Es war insgesamt Dahlmeiers fünfter WM-Titel und die elfte WM-Medaille. Da auch in der Staffel und im Massenstart Edelmetall möglich ist, könnte sie das Ergebnis von Oslo 2016 (fünf Medaillen) noch toppen.

Dahlmeier hatte die bisherigen zwei Einzelrennen des WM-Winters gewonnen und war im Vorfeld auch deshalb als Top-Favoritin auf Gold gehandelt worden. Beim Blick auf die Startlisten ließ sich aber bereits erahnen, dass an diesem Tag nicht nur die sportlichen Qualitäten ausschlaggebend sein würden. Während Dauerrivalin Gabriela Koukalova (Tschechien) bereits als 51. in die Loipe ging, entschied sich Dahlmeier für eine sehr späte Startzeit.

Aufholjagd nach frühem Fehler

Als 93. von insgesamt 99 Athletinnen nahm die Bayerin ihre 15 km in Angriff, verbunden mit der Hoffnung, dass der tückische Wind, der immer wieder ins Stadion wehte, im Laufe des Wettkampfes vollständig zum Erliegen kommen würde. Eine ähnliche Taktik hatte schon Benedikt Doll im Männer-Sprint gewählt - am Ende sprang Gold heraus.

Und Dahlmeier? Nahm ihr Rennen bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen knapp über zehn Grad entschlossen in Angriff. Die Ärmel bis zum Ellbogen hochgekrempelt, sprang sie im tiefen Schnee die Hügel hinauf - doch schon der dritte der insgesamt 20 Schüsse verfehlte das Ziel. Eine Aufholjagd war also gefragt von der Frau, die normalerweise ihre Rennen von der Spitze aus bestimmt.

Die Bayerin gab nicht auf, arbeitete sich Position um Position nach vorne und lag vor dem letzten Schießen in Führung. Fünf Treffer, und gedanklich baumelte die Goldmedaille schon um Dahlmeiers Hals - und es gelang. Auf der Schlussrunde mobilisierte die Überfliegerin noch einmal die letzten Kraftreserven, dann war der Triumph perfekt.

"Es fällt mir langsam immer schwerer, etwas zu Lauras Leistungen zu sagen. So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig: "Das hätte sie sicher selbst nicht erwartet. Laura ist in einer überragenden Laufform."

Schempp will Dahlmeier nacheifern

Seine erste Einzelmedaille überhaupt bei einem Großevent nimmt am Donnerstag (14.30 Uhr im LIVETICKER) mal wieder Simon Schempp ins Visier. Im Klassiker über 20 km gehört der 28-Jährige aus Uhingen aber nicht zu den Top-Favoriten, zu schwankend waren seine Leistungen am Schießstand in der ersten WM-Woche gewesen.

"Ich habe mir noch mal Sicherheit geholt. Ich bin zuversichtlich und bereit", sagte er nach dem Abschlusstraining am Mittwoch dennoch. Neben Schempp starten im längsten Rennen der Szene für den Deutschen Skiverband (DSV) Arnd Peiffer, Erik Lesser und Doll.

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