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Severin Freund sprang im letzten Versuch auf 143 Meter
Severin Freund sprang im letzten Versuch auf 143 Meter © getty

Falun - Das DSV-Team schrammt bei der nordischen Ski-WM überraschend an Edelmetall vorbei. Severin Freund gelingt immerhin ein kleines Highlight. Norwegen siegt.

Severin Freund schaute gequält zur Anzeigetafel, dann gratulierte er höflich den neuen Weltmeistern aus Norwegen:

Trotz eines völlig verrückten zweiten Sprungs von Weltmeister Freund haben die DSV-Adler im Teamwettbewerb der WM in Falun überraschend nur den fünften Rang belegt.

Gold ging erstmals seit 1993 wieder an Norwegen vor Titelverteidiger Österreich und Polen. (SERVICE: Alle Ergebnisse und Medaillenspiegel)

Freund enttäuscht

"So sind Team-Wettkämpfe. Keiner hat heute seine beste Leistung gebracht - und Glück hatten wir auch nicht", sagte Freund, der sein viertes Edelmetall im vierten Wettkampf klar verpasste, im ZDF.

Und fügte an: "Es ist sehr schade, ich hätte gerne noch eine Medaille geholt, weil ich glaube, dass wir das drauf haben."

376 Tage nach dem deutschen Olympiasieg in Sotschi zeigten Freund (Rastbüchl), Richard Freitag (Aue), Markus Eisenbichler (Siegsdorf) und Michael Neumayer (Berchtesgaden) allerdings eine über weite Strecken schwache Vorstellung.

"Im Endeffekt sind wir einfach zu kurz gesprungen. Wir waren eigentlich gut drauf", sagte auch Freitag. Schon zur Halbzeit stand nur ein fünfter Platz zu Buche. 

Immerhin ein Riesensatz

Im zweiten Durchgang sorgte Freund mit einem unglaublichen Flug auf 143,0 Meter zumindest für das Highlight des Wettbewerbs.

Seinen Schanzenrekord von 135,5 m, den der Niederbayer zwei Tage zuvor bei seinem überlegenen WM-Triumph aufgestellt hatte, verbesserte der 26-Jährige aber nicht: Freund musste nach der Landung in den Schnee greifen, um einen Sturz zu verhindern.

"Ich bin froh, dass mir nichts passiert ist", sagte der Skiflug-Weltmeister.

Nur 809,2 Punkte reichten dem deutschen Team am Ende nicht, um Norwegen (872,6) mit Einzel-Weltmeister Rune Velta, Anders Bardal, Weltrekordler Anders Fannemel und Anders Jacobsen auch nur annähernd die Stirn zu bieten.

Bundestrainer Schuster hadert

"Wir waren heute einfach nicht genug genug", sagte Bundestrainer Werner Schuster.

Für Velta war es im vierten Wettkampf die vierte Medaille - das hatten zuvor nur Martin Schmitt (2001) und der Österreicher Thomas Morgenstern (2011) geschafft.

Freund verpasste dagegen einen Eintrag in die Geschichtsbücher: Der Weltmeister von der Großschanze und im Mixed hätte als erster deutscher Skispringer drei Goldmedaillen bei einer WM sammeln können.

Zweimal Gold plus Silber vom kleinen Bakken bleiben dennoch eine beeindruckende Bilanz.

Historisches verpasst

"Diese WM kann mir keiner mehr nehmen", sagte der überragende Springer der vergangenen Wochen. (PORTRÄT: Vom Pechvogel zum wahren Champion)

Für das deutsche Team lief es von Beginn an denkbar schlecht. Nach mäßigen Sprüngen von Neumayer, Eisenbichler und Freitag lag das DSV-Quartett schnell mit beachtlichem Rückstand auf dem sechsten Rang.

Freund, der als einziger DSV-Adler aus dem Gold-Quartett von Russland übrig geblieben war, sorgte zur Halbzeit zumindest für Platz fünf.

"Wir wussten, dass es turbulent wird. Aber wir werden noch einmal angreifen", sagte Freund.

Chancenlos als Fünfter

Das gelang allerdings nicht: Bis zum Ende blieb das deutsche Quartett chancenlos auf dem fünften Rang, es war das enttäuschende Ende einer dennoch grandiosen WM.

"Es hilft ja nichts", sagte Freund und gab das Motto für die kommenden Wochen vor: "Mund abputzen und im Weltcup weitermachen."

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