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Florian Altenburger
Bei dem Chaos-Springen in Innsbruck stürzte der junge Österreicher Florian Altenburger © Imago

München und Innsbruck - Das dritte Springen der Vierschanzentournee wird von einer Wind-Lotterie und Stürzen überschattet. Nicht nur die Jury, sondern auch der Veranstalter stehen in der Kritik.

Obwohl Severin Freund aus gesundheitlichen Gründen bereits aus Innsbruck abgereist war, wurde doch viel über ihn gesprochen.

Beim schweren Sturz von Kamil Stoch erinnerten sich viele an Freunds Missgeschick von 2016.

Im Vorjahr war der DSV-Adler noch selbst beim dritten Springen der Vierschanzentournee bei der Landung gestürzt. Große Mitschuld daran hatte beide Male der unzureichend präparierte Hang.

Damals beschwerte sich Bundestrainer Werner Schuster darüber, diesmal fand Polens Ex-Tourneesieger Adam Malysz kritische Worte: "Kamil ist auf einer Unebenheit gelandet. Es lag an der Präparierung", sagte die Skisprung-Legende der ARD.

Noch deutlicher wurde ARD-Experte Dieter Thoma: "Das ist doch die Vierschanzentournee und kein Kinderhüpfen." ÖSV-Trainer Heinz Kuttin pflichtete ihm bei: "Da waren richtige Löcher drin."

Zwar konnte Stoch trotz schmerzender Schulter Rang vier retten - da jedoch sein großer Rivale Daniel Andre-Tande gewann, könnte ihn der Sturz die Tournee gekostet haben (Stand in der Gesamtwertung).

Ammann schimpft: "Das ist ein Witz"

Doch der unebene Hang, der auch den jungen Österreicher Florian Altenburger zu Fall brachte, war beileibe nicht das einzige Problem in Innsbruck. Starker Wind und wechselnde Bedingungen führten zu langen Pausen zwischen den einzelnen Springern, was wiederum bei diesen für Unmut sorgte.

"Das ist ein Witz! An so einem Tag sollte man gar nicht springen. Man wartet ewig, die Beine werden kalt. Das habe ich noch nie so erlebt", schimpfte Simon Ammann. Der Schweizer hatte wegen der Bedingungen sogar überlegt, auf einen Start zu verzichten: "Ich war nahe dran. Ich bin nicht mehr 22 und habe Familie."

Während Ammann darüber nur nachdachte, zog Stefan Huber tatsächlich die Konsequenzen. Auf Anweisung seines Trainers verweigerte der junge Österreicher einen Start, obwohl die Ampel grünes Licht zeigte. Das Reglement sieht für diesen Fall eine Disqualifikation vor.

Zeitnot durch fehlendes Flutlicht 

Der Versuch der Jury, unbedingt einen Durchgang durchzuführen, wurde zusätzlich dadurch erschwert, dass die Bergiselschanze als eine von wenigen Anlagen im Weltcup immer noch nicht über Flutlicht verfügt - was nicht nur auf Twitter verärgerte Reaktionen auslöste.

Ohne Flutlicht geriet die Jury unter Zeitdruck und schaltete die Ampel auch das eine oder andere Mal auf Grün, wenn die Bedingungen gerade so im Korridor des Erlaubten waren.

Leidtragende dessen waren mit dem Österreicher Stefan Kraft und DSV-Adler Markus Eisenbichler auch zwei Top-Athleten. Sowohl für Kraft als auch Eisenbichler, der nur auf 112 Meter kam, ist der Traum vom Gesamtsieg damit wohl geplatzt.

Schuster kritisiert die Jury 

Bundestrainer Schuster war darüber entsprechend erzürnt.

"Man hätte auf die besten fünf Springer besser aufpassen müssen, was die Windbedingungen betrifft. Markus Eisenbichler und Stefan Kraft hatten wirklich ganz schlechten Rückenwind", sagte Schuster und legte nach: "Das macht so keinen Spaß, weder den Trainern, noch den Sportlern, noch den Zuschauern.“

Für die Windbedingungen kann Innsbruck nichts - doch zumindest ein Flutlicht und ein bestens präparierter Hang sollte vom Austragungsort eines Tourneespringens verlangt werden dürfen.

So brachte Andreas Wellinger die Wertigkeit des dritten Springens in Innsbruck auf den Punkt: "Da könnte man genauso einen Würfel werfen."

Mit einem Glücksspiel sollte eines der größten Sportevents des Winters jedoch nichts zu tun haben.

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