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Der deutsche Wrestler Da Mack tritt im WWE Cruiserweight Classic an
Der deutsche Wrestler Da Mack tritt im WWE Cruiserweight Classic an © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/WWE 2016 All Rights Reserved

München - Im Cruiserweight Classic messen sich 32 Top-Wrestler bei WWE - darunter der Deutsche Da Mack. Im SPORT1-Interview spricht er über das Turnier und Tim Wiese.

Im November soll Ex-Nationaltorwart Tim Wiese sein Wrestling-Debüt feiern - schon ab heute Nacht schlägt die Stunde eines anderen deutschen Showkämpfers.

Im WWE Cruiserweight Classic treten 32 der weltbesten Wrestler unter 93 Kilogramm in einem großen Turnier gegeneinander an: unter ihnen Szenegrößen wie Kota Ibushi, Zack Sabre Jr. und Akira Tozawa - und der in Ludwigshafen geborene Mac Yeboah, Kampfname: Da Mack.

Im SPORT1-Interview spricht der 29-Jährige mit ghanaischen Wurzeln über das Turnier, Tim Wiese und einen frühen Auftritt als Michael Jackson in der Mini Playback Show.

SPORT1: Da Mack, Sie repräsentieren Deutschland beim großen WWE-Cruiserweight-Turnier. Wie kam das zustande?

Da Mack: Der Kontakt kam über einen WWE-Kommentator und einen Wrestlerkollegen zustande, die mich angeschrieben und gefragt haben, ob ich Lust hätte, bei WWE zu arbeiten. Darauf habe ich natürlich positiv geantwortet. Einige Wochen später gab es den ersten offiziellen E-Mail-Kontakt mit WWE und den ersten Anruf - und ich konnte meinen Traum wahr werden lassen.

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SPORT1: Die erste Runde des Turniers in Orlando ist vorab aufgezeichnet worden, bevor es heute Nacht auf der Streaming-Plattform WWE Network ausgestrahlt wird. Es läuft etwas anders als gewohnt, die Präsentation ist sportlicher. Wie war die Erfahrung?

Da Mack: Es war definitiv anders. Das Cruiserweight Classic läutet eine neue Ära ein, es ist sportbezogener. Es gab ein klassisches Wiegen - das Gewichtslimit musste auch wirklich eingehalten werden -, die Teilnehmer werden mit einer Parade vorgestellt. Es gibt auch Regeln, die im Ring strenger befolgt werden. Das macht das ganze Produkt interessanter. Für mich persönlich war das Turnier und der Einblick ins WWE Performance Center ein großer Schritt. Ich konnte viel mitnehmen und hoffe, dass ich auch das Publikum in Deutschland überzeugen kann. Ich bin optimistisch, ich habe eine gute Leistung abgerufen.

Die Teilnehmer des WWE Cruiserweight Classic wurden in einer Parade präsentiert
Die Teilnehmer des WWE Cruiserweight Classic wurden in einer Parade präsentiert © WWE 2016 All Rights Reserved

SPORT1: Gab es Feedback von WWE, wie Sie sich geschlagen haben und ob man in Zukunft wieder auf Sie zukommt?

Da Mack: Nach dem Match sind die wichtigen Offiziellen auf mich zugekommen, das Feedback war positiv. Es ist jetzt aber nicht so, dass man sofort einen WWE-Vertrag über fünf Jahre unterschreibt. Ich denke trotzdem, dass ich überzeugt habe und bin positiv eingestellt für die Zukunft. Die Türen stehen jedem Teilnehmer offen.

SPORT1: Eine Inspiration für Ihr Auftreten im Ring ist Michael Jackson - Sie sind angeblich sogar einst in der Mini Playback Show als Jacko aufgetreten.

Da Mack: Das stimmt - mit "Black or white".

SPORT1: Wie kommt man denn als Jacko-Fan zum Wrestling - statt zu Musik oder Tanz?

Da Mack: Musik ist auch ein großes Thema in meinem Leben, aber eher auf privater Hobbybasis. Vor dem Wrestling habe ich tatsächlich mehr Musik gemacht, ich war Breakdancer, habe Fußball gespielt, danach Kampfsport betrieben und kam dann zum Wrestling. 1993 habe ich es erstmals im Fernsehen gesehen, war davon gefesselt, habe dann die Kämpfe mit Actionfiguren nachgespielt und wollte später mal im Ring stehen. Glücklicherweise konnte ich Wrestling in Deutschland dann auch erlernen.

SPORT1: In Deutschland hat Wrestling nicht den allerbesten Ruf, viele sehen es nicht als Sport. Kann sich das ändern - gerade auch durch ein Format wie das Cruiserweight Classic?

Da Mack: Definitiv. Viele vergessen, dass Deutschland eine eigene Tradition hat: das Catch-Wrestling, das hier etabliert war, bevor die Shows aus Amerika das Bild bestimmten. Was ich dem deutschen Publikum zu erklären versuche ist, dass Wrestling eine Show ist, aber keine Schiebung. Was wir im Ring machen, das tut weh. Wir können den physikalischen Kräften nicht ausweichen, wenn wir fallen. Klar wollen wir den Gegner nicht wirklich k.o. schlagen, aber wir wollen performen und das Publikum begeistern. Jeder, der sich das Produkt genauer anschaut, merkt, dass viel Arbeit dahinter steckt - und ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gerade die Sportler sind, die eher zu schätzen wissen, was wir tun. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit dem Turnier in den nächsten Wochen und Monaten eine große Masse an neuen Fans in Deutschland gewinnen können.

SPORT1: Generell ist Deutschland gerade ein großes Thema bei WWE: Da ist Tim Wiese, aber auch Axel Tischer, der bei der Nachwuchsliga NXT als Alexander Wolfe antritt. Was steckt hinter dieser deutschen Welle?

Da Mack: Deutschland war schon immer für WWE ein interessanter und wichtiger Markt. Vor allem in den Neunzigern kam man hierzulande gar nicht um Wrestling herum. Was jetzt neu ist: WWE hat durch das Network die Möglichkeiten, neue Events und Shows zu produzieren und neue Möglichkeiten, die wichtigen Märkte abdecken. Deutschland ist ein großer Markt, auch China und Indien sind in den Fokus gerückt. WWE ist sehr schlau und geht die richtigen Wege. Da kommt viel auf uns zu.

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SPORT1: Die deutschen Fans sind etwas gespalten, was Tim Wiese angeht. Er hat ja keinen Wrestling-Hintergrund, Kritiker finden daher, dass er anderen deutschen WWE-Aspiranten den Platz wegnimmt. Wie sehen Sie das?

Da Mack: Ich bin total positiv eingestellt. Tim ist ein Supertyp und er nimmt keinem einen Platz weg, es hat ja weiter jeder die Chance, sich einen zu erarbeiten. Wiese hat einen anderen Weg und einen anderen Hintergrund, aber als Ex-Bundesliga- und Nationalspieler weiß er, wie man sich als Profisportler zu verhalten hat. Er hat sich den Körper dazu antrainiert - WWE braucht ja auch Schwergewichte -, jetzt muss er zeigen, dass er auch das Herz dazu hat. Es ist nur gut für das Wrestling in Deutschland, wenn wir einen Mann wie Tim Wiese da haben. Er hat ein Millionen-Publikum hinter sich - es gibt Leute, die ihn mögen und Leute, die ihn nicht mögen, aber auf jeden Fall werden die Leute einschalten, wenn Tim Wiese in den Ring steigt. Ich sage: Tim, go for it!

SPORT1: Wieviel Zeit wenden Sie für das Wrestling auf? Lässt sich ein Lebensunterhalt damit bestreiten?

Da Mack: Man gibt alles an Zeit her, was man hat. In anderen Ländern kann man sich voll auf Wrestling konzentrieren, hier macht man einen Spagat: Arbeit und nebenbei wrestlern. Die Freizeit geht dann für das Training oder Events drauf. Ich studiere Grafikdesign, hoffe aber, dass ich noch so lange wie möglich im Ring stehen kann. Wenn es nicht mehr läuft, mache ich die Welt eben auf andere Art schöner.

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