Köln-Profi Bülter: „Getroffen habe ich schon mal gegen Gladbach“

"Das wäre für Gladbach eine Hiobsbotschaft"
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"Das wäre für Gladbach eine Hiobsbotschaft"

Marius Bülter steht nach den beiden Verletzungen von Ragnar Ache und Thijs Dallinga im Fokus. Vor dem Rheinderby spricht der 33-Jährige im Interview mit SPORT1 über die angespannte Situation am Geißbockheim und seine mögliche neue Rolle.

Marius Bülter hatte es nach dem Training eilig. Kein Wunder: Bei herbstlichen Temperaturen wollte der FC-Offensivspieler schnell unter die Dusche. Bloß sich nicht erkälten vor dem wichtigen Derby! Denn das wäre nicht nur für den 33-Jährigen persönlich bitter, sondern würde auch die Kölner hart treffen. Bülter rückt nach den Verletzungen der beiden Mittelstürmer Ragnar Ache und Thijs Dallinga mehr denn je in den Fokus.

Im exklusiven Interview mit SPORT1 spricht Bülter vor dem Rheinderby über seine mögliche neue Rolle und die angespannte Situation rund um das Geißbockheim und erklärt, wie gefährlich der noch punktlose Tabellenletzte aus Mönchengladbach mit dem neuen Trainer Alexander Blessin werden kann. Für den Angreifer geht es auch darum, seine persönliche Bilanz gegen die Fohlen aufzubessern und sich für einen neuen Vertrag in Stellung zu bringen.

Marius Bülter bejubelt sein Tor gegen die Würzburger Kickers im DFB-Pokal
Marius Bülter bejubelt sein Tor gegen die Würzburger Kickers im DFB-PokalMarius Bülter bejubelt sein Tor gegen die Würzburger Kickers im DFB-Pokal© IMAGO/Frank Scheuring

1. FC Köln: Ein Saisonstart mit Problemen

SPORT1: Marius Bülter, ihr habt aus den ersten vier Bundesligaspielen vier Punkte geholt. Vor der Länderspielpause seid ihr allerdings dreimal ohne Dreier geblieben. Wie groß ist die Anspannung vor dem Derby?

Marius Bülter: Die Anspannung ist schon groß. Aber nicht wegen unserer Punkteausbeute, sondern weil es ein Derby ist. Wir freuen uns darauf. Wir wissen, welche Bedeutung das Spiel für die Fans hat. Und klar: Die drei Punkte würden uns guttun, nicht nur, weil es ein Derby ist.

SPORT1: Hinter euch liegt eine lange Länderspielpause. Hat man das in dieser Zeit gespürt, dass es davor nicht ganz so rund lief?

Bülter: Wir haben die Spiele analysiert, und dann ging es darum, sie abzuhaken und uns auf die nächste Aufgabe zu fokussieren. Ganz so dramatisch ist die Situation jetzt aber auch nicht. In den ersten Spielen waren auch einige gute Sachen dabei. Klar gibt es auch Punkte, die nicht gut waren. An denen haben wir gearbeitet. Ich glaube, wir sind gut vorbereitet.

DEINE MEINUNG

SPORT1: In den letzten 19 Pflichtspielen in Folge habt ihr immer mindestens ein Gegentor kassiert. Gerade bei gegnerischen Standards wird es häufig gefährlich. Ist das bei euch mittlerweile in den Köpfen, wenn ihr auf den Platz geht?

Bülter: Ich glaube, bewusst nehmen wir das nicht mit auf den Platz. Vielleicht unbewusst. Aber das sind genau die Sachen, an denen wir gearbeitet haben. Und keine Frage: Spiele werden häufig durch Standards entschieden. Deswegen ist das etwas, das wir schnell in den Griff bekommen wollen.

Bülter: „In Köln ist es sowieso speziell“

SPORT1: Köln ist bekannt dafür, dass die Stimmung sehr schnell kippen kann. Egal ob in die eine oder andere Richtung. Gerade ist wieder so eine Phase der Unruhe. Nehmt ihr das auch so wahr oder kommt das nur aus dem Umfeld des Geißbockheims?

Bülter: Was rund ums Geißbockheim passiert, kriegen nicht viele bei uns mit. Hier in Köln ist es sowieso speziell. Ich glaube, man ist besser dran, wenn man möglichst viel ausblendet. Die Stimmung in der Kabine ist gut. Klar, spürt man die Anspannung. Vor allem vor dem Derby. Jeder weiß um die Bedeutung.

SPORT1: Wie nehmen Sie den Trainer wahr? Auch über ihn wird schon wieder viel gesprochen …

Bülter: Auch er weiß, dass das für uns jetzt ein wichtiges Spiel ist. Aber er ist wie immer fokussiert, nicht anders als sonst. Deswegen mache ich mir keine Sorgen. Er bereitet uns gut auf das Spiel vor.

Alexander Blessin gibt jetzt als neuer Trainer von Borussia Mönchengladbach die Kommandos
Alexander Blessin gibt jetzt als neuer Trainer von Borussia Mönchengladbach die KommandosAlexander Blessin gibt jetzt als neuer Trainer von Borussia Mönchengladbach die Kommandos© IMAGO/fohlenfoto

Eine ausbaufähige Bilanz gegen einen unberechenbaren Gegner

SPORT1: Jetzt kommt Gladbach. Gladbach ist Tabellenletzter, null Punkte, 16 Gegentore. Allerdings haben sie den Trainer gewechselt. Wer hat mehr Druck am Sonntag?

Bülter: Beide Mannschaften wollen das Spiel unbedingt gewinnen. Aber ich kann nicht beurteilen, wie die Situation in Gladbach gerade ist. Ich kann mir vorstellen, dass es da vielleicht noch ein bisschen unruhiger ist als bei uns. Aber klar: Sie haben einen neuen Trainer, dadurch vielleicht so etwas wie neue Euphorie. Wir werden es am Sonntag sehen. Wir werden uns trotzdem gut auf den Gegner vorbereiten, gucken dabei aber mehr auf uns.

SPORT1: Macht so ein Trainerwechsel einen Gegner aus Ihrer Sicht gefährlicher?

Bülter: Das ist schwierig zu beantworten. Wir wissen nicht so richtig, wie der Gegner spielen wird, weil der neue Trainer neue Ansätze reinbringen wird. Gleichzeitig hat der neue Trainer auch seinen Stil, den er nicht großartig ändern wird. Deswegen sind sie ein Stück weit unberechenbar, aber ich denke, sie sind jetzt nicht gefährlicher.

SPORT1: Kennen Sie eigentlich Ihre eigene Bilanz gegen Gladbach?

Bülter: Nein, um ehrlich zu sein nicht. (überlegt) Getroffen habe ich auf jeden Fall schon mal gegen Gladbach.

SPORT1: Zehnmal gespielt und dabei nur einmal gewonnen.

Bülter: Ja, dann wird es Zeit.

Für Geißbock-Trainer René Wagner könnte das Derby ein Schicksalsspiel sein
Für Geißbock-Trainer René Wagner könnte das Derby ein Schicksalsspiel seinFür Geißbock-Trainer René Wagner könnte das Derby ein Schicksalsspiel sein© IMAGO/Jan Huebner

SPORT1: Haben Sie eine spezielle Derby-Erinnerung? Nicht unbedingt mit Köln. Aber Sie haben ja auch schon mit Schalke oder Magdeburg Derbys gespielt …

Bülter: Mein erstes Derby mit Magdeburg gegen Dresden war auf jeden Fall besonders. Da habe ich in der 90. Minute den Ausgleich gemacht. Das war eines meiner ersten Profispiele. Daran erinnere ich mich gerne zurück.

SPORT1: Es gab in der Länderspielpause zwei Hiobsbotschaften für euch. Ragnar Ache und Thijs Dallinga sind verletzt. Wie hart trifft euch das?

Bülter: Extrem bitter. Gerade bei Thijs. Das sind Verletzungen, die wünscht man keinem. Auch wenn es sich doof anhört: Wenn es dann auch noch in so einem Testspiel passiert, ist es besonders bitter. Es war ein Schock für uns als Mannschaft. Das steckt man nicht so einfach weg, da haben wir auch ein paar Tage gebraucht. Aber irgendwo gehört es leider zum Fußball dazu. Man muss den Fokus schnell wieder auf das nächste Spiel bringen. Wir wollen für die beiden das Spiel gewinnen!

Wird Bülter zu Kölns Notlösung im Sturm?

SPORT1: Mit den beiden brechen auch zwei Mittelstürmer weg. Ändert sich Ihre Rolle jetzt auch ein bisschen?

Bülter: Das wird man jetzt sehen. Ich habe noch nicht mit dem Trainer gesprochen. Aber wenn zwei Stürmer wegfallen – die beiden waren ja für die Position ganz vorne vorgesehen –, müssen es jetzt andere machen. Aber ich bin überzeugt davon, dass wir offensiv genug Qualität haben, um am Ende auch die beiden Ausfälle zu kompensieren.

SPORT1: Sehen Sie sich selbst auch als zentrale Spitze?

Bülter: Das ist jetzt nicht meine Hauptposition, aber ich kann das auf jeden Fall spielen. Auch wenn ich das mit Sicherheit ein bisschen anders interpretiere als die beiden.

SPORT1: Ihr Start in die Saison war auch nicht ganz perfekt, Sie standen nur einmal in der Startelf. Ist das für Sie jetzt auch eine Chance, um zu zeigen, was Sie können?

Bülter: Es geht nicht darum, mich zu beweisen. Aber klar ist das auch eine Chance für mich, um auf mehr Spielzeit zu kommen. Deswegen gebe ich Gas, so wie ich es meine ganze Karriere gemacht habe, und warte auf meine Chance, um sie dann zu nutzen.

SPORT1: Was würde Ihnen ein Derbytor am Sonntag bedeuten?

Bülter: Natürlich alles. Aber nur in Kombination mit einem Sieg. Ansonsten bringt es mir auch nichts.

SPORT1: Ihr Vertrag läuft bis 2027 mit Option auf ein weiteres Jahr. Können Sie sich vorstellen, noch länger in Köln zu bleiben?

Bülter: Ich kann die Situation gut einschätzen. Die Option ist da, deshalb bin ich bei dem Thema auch ganz entspannt. Ich fokussiere mich von Spiel zu Spiel und denke gar nicht so weit in die Zukunft. Am Ende wird es so kommen, wie es kommen soll.

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