Dieser Vertrag ist Belohnung – und Auftrag für Kovac | Kommentar
BVB verlängert mit Kovac
Beim BVB ist die Sehnsucht nach Konstanz groß. Genau dafür steht die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Niko Kovac. Für den Trainer ist sie aber auch ein klarer Auftrag. Ein Kommentar.
Es war nur noch eine Frage der Zeit. Niko Kovac soll nicht kurzfristig für Stabilität sorgen, sondern Borussia Dortmund über Jahre prägen und weiterentwickeln.
Dass die Verantwortlichen seinen ohnehin bis 2027 laufenden Vertrag schon jetzt bis 2029 verlängern, ist ein bemerkenswertes Signal. Und vor allem: ein verdientes.
Kovac hat sich diesen Vertrag erarbeitet. Als er den BVB im Frühjahr 2025 übernahm, lag eine verunsicherte Mannschaft auf Platz elf. Was folgte, war einer der beeindruckendsten Endspurts der jüngeren Dortmunder Vergangenheit. Die Champions-League-Qualifikation am letzten Spieltag war eine Meisterleistung.
Kovac rettete dem BVB vieles
Eine, die für den BVB weit über den sportlichen Erfolg hinausging. Kovac sicherte dem Klub die Einnahmen aus der Königsklasse, fing damit auch finanziell einiges auf und verschaffte den Verantwortlichen wieder mehr Spielraum auf dem Transfermarkt.
Seine Bilanz liefert weitere Argumente: 2,15 Punkte holte Kovac bislang im Schnitt in der Bundesliga – Bestwert aller BVB-Trainer. In der vergangenen Saison führte er Dortmund mit 73 Punkten zur Vizemeisterschaft.
Die Ausrutscher in den Champions-League-Playoffs und das frühe Pokal-Aus wurden als kleine Schönheitsflecken abgestempelt, die so allerdings nicht nochmal passieren dürfen. Fakt ist: Der BVB ist auch dank Kovac wieder die Nummer zwei in Deutschland.
Vertragslaufzeit ist bemerkenswert
Deshalb ist die Verlängerung richtig. Bemerkenswert ist vor allem die Laufzeit. Obwohl Kovac noch bis 2027 gebunden war, verlängert der BVB bereits jetzt bis 2029. Das verschafft dem Trainer und seinem Team den nötigen Rückhalt, um seine Arbeit fortzusetzen. Und es spricht vieles dafür, dass Kovac dabei seine Vorstellungen durchsetzen konnte. Klar ist: Bei diesen Verhandlungen saß er am längeren Hebel.
Der neue Vertrag darf trotzdem nicht nur als Belohnung verstanden werden. Er ist ebenso ein Auftrag.
Kovac hat bewiesen, dass er eine Mannschaft stabilisieren kann. Er hat ihr Struktur und Widerstandsfähigkeit gegeben – und sie anschließend weiterentwickelt.
Jetzt muss die nächste Stufe folgen: Dieser BVB muss attraktiveren Fußball spielen. Mehr Tempo. Mehr Mut. Mehr spielerische Lösungen. Mehr von jener offensiven Wucht, die viele mit der viel zitierten BVB-DNA verbinden.
Der BVB-Stil muss klar werden
Erste Ansätze sind erkennbar. Neuzugänge wie Konstantinos Karetsas oder der derzeit verletzte Giannis Konstantelias stehen für den Versuch, der Mannschaft zusätzliche Kreativität und spielerische Qualität zu geben. Doch aus Ansätzen muss ein klarer Stil werden.
Die Basis ist gelegt. Die Ergebnisse stimmen. Nun muss die Mannschaft auch spielerisch begeistern – und zugleich erfolgreicher werden: nicht nur in der Bundesliga, sondern auch im DFB-Pokal, der in den vergangenen Jahren nicht gerade zur Dortmunder Paradedisziplin gehörte, und in der Champions League.
Die Verlängerung bis 2029 ist deshalb nicht nur eine Belohnung. Es ist der Auftrag, aus dem stabilen BVB einen begeisternden BVB zu machen.