Der doppelte Matchwinner: Die irre Wende des Miro Muheim

"Hatten sehr viele Jahre in der ersten Liga nichts zu suchen"
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"Hatten sehr viele Jahre in der ersten Liga nichts zu suchen"

Ein bitteres Eigentor bei der WM, Hassnachrichten, Verletzungspech und plötzlich kaum noch Spielzeit beim HSV. Doch jetzt ist Miro Muheim innerhalb von acht Tagen gleich zweimal zum umjubelten Matchwinner geworden. Eine unglaubliche Kehrtwende

Als der Abpfiff ertönte, konnte er sein Glück selbst kaum fassen. Miro Muheim streckte kurz die Arme in die Höhe, hielt sich dann die Hände vor das Gesicht und ging auf die Knie. Mitspieler Terem Moffi umarmte ihn, weitere Mannschaftskameraden kamen hinzu.

Was Muheim in diesem Moment durch den Kopf ging? „Einfach Erleichterung. Und meine Hamstrings waren zu“, sagte der 28-Jährige strahlend im Gespräch mit SPORT1: „Ich war einfach erleichtert, dass es jetzt vorbei ist. Auch einfach Ungläubigkeit irgendwie. Ich habe gar nicht geglaubt, was gerade passiert ist.“

Innerhalb von acht Tagen avancierte Miro Muheim zweimal zum HSV-Matchwinner
Innerhalb von acht Tagen avancierte Miro Muheim zweimal zum HSV-MatchwinnerInnerhalb von acht Tagen avancierte Miro Muheim zweimal zum HSV-Matchwinner© IMAGO/HMB-Media

Muheim rettet den HSV – schon wieder!

Es lief bereits die 88. Minute im Spiel gegen den VfB Stuttgart, als Muheim den Ball von Zakaria El Ouahdi zugespielt bekam. Der Schweizer zögerte nicht lange, zog mit seinem starken linken Fuß aus der Distanz ab und knallte das runde Leder zum 1:0 ins Netz. „Ich habe schon gespürt, dass ich ihn gut treffe“, sagte Muheim über sein Traumtor. „Dass er dann natürlich so reinfliegt, kann man nicht voraussehen.“

Das Besondere: Muheim wurde zum zweiten Mal innerhalb von acht Tagen zum späten Matchwinner. Eine Woche zuvor gelang ihm beim Auswärtsspiel gegen die TSG Hoffenheim der Siegtreffer zum 3:2. Auch in dieser Partie traf Muheim aus der Distanz, in diesem Fall sogar erst in der 94. Minute.

Stürmer Yussuf Poulsen ist nicht überrascht von dessen Schussstärke: „Er hat heute schon beim Aufwärmen drei Tore auf dieselbe Art gemacht. Wir wissen um seine Qualität im Abschluss. Es ist super, dass er den Ball bekam.“

Eigentor kostete Schweiz den WM-Auftaktsieg

Muheim blickt auf verrückte Monate zurück. Nachdem ihm vergangene Saison der Klassenerhalt mit dem HSV gelang, reiste er mit der Schweizer Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft nach Nordamerika. Diese hätte allerdings kaum schlechter beginnen können.

Im ersten Gruppenspiel gegen Katar erst in der 89. Minute eingewechselt, unterlief ihm per Kopf das Eigentor zum 1:1. Auch damals schlug Muheim die Hände vors Gesicht. Doch statt Freude steckten Frust und Enttäuschung dahinter.

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Muheim bekam die Wut seiner Landsleute zu spüren. Laut einem Bericht des Schweizer Blicks gab es in den sozialen Medien viele Hassnachrichten. Muheim schränkte zeitweise seine Kommentar-Funktion ein.

Dann kam auch noch das Verletzungspech hinzu: Eine kleine Wadenverletzung während der WM, dann Adduktorenbeschwerden in der Saisonvorbereitung des HSV.

Muheim hat sich zurückgekämpft

Der Linksverteidiger musste mit ansehen, wie Neuzugang David Möller Wolfe und das 17-jährige Eigengewächs Louis Lemke seine Rolle einnahmen. Zwischenzeitlich kamen Gerüchte auf, Muheim könnte den Verein sogar verlassen.

„Fußball ist sehr schnelllebig. Ich bin spät zur Vorbereitung dazugestoßen, war dann zwei Wochen mit einer Verletzung raus. Dadurch war ich nicht so fit“, sagt Muheim über die zurückliegenden Wochen. „Aber dann habe ich mich zurückgekämpft und wieder gespielt.“

Er gibt zu, dass die vergangenen Monate sehr turbulent waren. „Auch mit den ganzen Spekulationen im Sommer. Aber das wirft mich nicht aus der Bahn.“

Kreuzbandriss von Remberg wird zur Chance für Muheim

Muheim beweist nicht nur Abschlussstärke, sondern auch Flexibilität. Seine eigentliche Position als Linksverteidiger ist inzwischen anderweitig besetzt. Muheim half stattdessen im defensiven Mittelfeld aus, wo aufgrund des Kreuzbandrisses von Kapitän Nicolai Remberg eine Lücke entstanden ist.

„Er hatte keinen einfachen Start in die Saison“, sagte Trainer Merlin Polzin. „Wir hatten uns bewusst dafür entschieden, dass wir die Schienen, auf denen er in den letzten Jahren gespielt hat, anders besetzen wollen.“

Die Forderung an Muheim lautete daher, „dass er seine Stärken für die Mannschaft anders einsetzen kann. Es ist ihm in den letzten Wochen sehr gut gelungen, diese neue Rolle anzunehmen. Insbesondere durch seine Haltung. Er hat sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt. Er hat nicht lamentiert, nicht immer wieder das Gespräch gesucht – sondern im Training Gas gegeben.“  

Drei Siege in Folge gelangen dem HSV zuletzt 2011

Dies kommt dem HSV nun zugute. Nach einem schwachen Saisonstart mit drei Niederlagen und einem Torverhältnis von 0:12 haben die Norddeutschen die Wende geschafft.

Der Heimsieg gegen Stuttgart war bereits der dritte Bundesliga-Sieg in Folge. Dies gelang dem Nordverein im Fußball-Oberhaus zuletzt im Januar 2011. Zur Einordnung: Damals hatte der HSV noch Spieler wie Ruud van Nistelrooy sowie Zé Roberto im Kader und ganz andere Ambitionen.

„Wir hatten einen schwierigen Start in die Saison und sind einfach klar geblieben“, fasst Muheim die bisherige Saison zusammen. Doch der HSV hat gelernt, damit umzugehen. „Das war schon die letzten Jahre so“, erklärte Muheim. „Wenn es von außen turbulent wird, wurde hier drin einfach weiter durchgearbeitet. Das hilft den Spielern, das hilft den Trainern, am Fußballerischen zu arbeiten, ohne von außen beeinflusst zu werden.“

Für Muheim hat sich dies ausgezahlt.

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