Ein 17-Jähriger lässt Borussia Mönchengladbach hoffen
"Natürlich die Totengräberstimmung mitbekommen"
Wael Mohya liefert eine Galavorstellung. Beim Gladbacher Befreiungsschlag wird ein 17-jähriges Eigengewächs zum Lichtblick eines Vereins, bei dem lange alles ziemlich düster aussah.
„Nicht viel nachgedacht, einfach gemacht“, sagte Wael Mohya mit einem leicht verschmitzten Lächeln, als Sky ihn auf seine brillanten Dribblings ansprach. Aus dem Strahlen kam er an diesem Abend gar nicht mehr raus: Als der 17-Jährige nach dem 3:2-Befreiungsschlag gegen den VfB Stuttgart die Trophäe als „Man of the Match“ entgegennahm, war ihm die Mischung aus Stolz, Erleichterung und Euphorie deutlich anzusehen.
„Das ist schon geil und hat sehr viel Spaß gemacht. Wir müssen diesen positiven Schwung mitnehmen“, sagte er. Der 17-jährige Mittelfeldspieler war zum ultimativen Lichtblick auf dem Platz avanciert, steuerte ein Tor, eine Vorlage und technisch überragende Momente bei.
Wael Mohya begeistert Borussia Mönchengladbach
„Das war exzellent, unbeschreiblich gut. Er hat wahnsinnig viel gemacht. Ich hebe normalerweise ungerne Spieler raus, aber das war schon top, top, top“, lobte Trainer Alexander Blessin sein Juwel überschwänglich.
Auch Sportchef Rouven Schröder war schwer beeindruckt: „Das muss man sich mal überlegen, wie der hier aufdribbelt, wie frech. Hut ab vor dieser Leistung.“ Seine Leistung sei auch eine Belohnung für den Verein und die Fohlen-Akademie.
Der jüngste Spieler der Vereinsgeschichte
Dass der 17-Jährige ein offensives Toptalent ist, das weiß man am Niederrhein schon lange. Mohya wurde am 31. Dezember 2008 im 50 Kilometer entfernten Mettmann geboren, bereits seit seinem siebten Lebensjahr kickt er bei den Borussen. Dort erlebte er schon im letzten Jahr einen historischen Durchbruch.
Mohya wurde der jüngste Pflichtspieldebütant und Bundesligaspieler der Vereinsgeschichte, debütierte im Alter von 16 Jahren, 9 Monaten und 28 Tagen im DFB-Pokal gegen den Karlsruher SC und wenig später gegen den VfL Wolfsburg in der Liga.
Mohya wurde behutsam, aber konsequent an den Profikader herangeführt. Bevor er fest zu den Profis stieß, feierte er im Frühjahr 2025 mit der Gladbacher U17 die Deutsche Meisterschaft. Gegen die Bayern-Jugend hatte Mohya seine Mannschaft vor heimischem Publikum ins Halbfinale geschossen, im Finale setzten sich die jungen Borussen mit 3:1 gegen RB Leipzig durch.
Toptalent kennt seinen Kontostand nicht
Bereits im letzten Jahr sorgte er bei seinen 18 Pflichtspiel-Einsätzen immer wieder für technisch erstklassige Lichtblicke, konnte sein erstes Bundesliga-Tor und seine erste Vorlage feiern. 17 Jahre, 2 Monate und 3 Tage alt war er bei seinem ersten Scorer.
Erst vor wenigen Wochen stand er auch das erste Mal für die U21-Auswahl der Nationalmannschaft auf dem Platz. Sein Marktwert wird aktuell auf 17 Millionen Euro beziffert – wie viel Geld Mohya selbst auf dem Konto hat, weiß er angeblich nicht. „Meine Eltern machen das schon alles. Ich bekomme ein monatliches Taschengeld, mit dem ich prima klarkomme“, hatte er zuletzt der Bild verraten.
Klar ist: Mit solchen Leistungen wie beim Flutlichtspiel am Freitag spielt sich Mohya immer mehr in den Fokus – und wird aktuell zum jungen Hoffnungsträger eines Vereins, der sportlich extrem schwere und triste Wochen hinter sich hat.
Raus aus der „Totengräber-Stimmung“?
Sechs Spiele in Folge hatten die Borussen verloren. Mit seinen Teamkollegen konnte er am Freitagabend eine historische Niederlagenserie abwenden und die ersten Punkte der Saison einfahren – und das bedeutete ihm mehr als jede Man-of-the-Match-Trophäe.
Auch Sportchef Schröder, der am Sonntag im SPORT1 Doppelpass zu Gast sein wird, zeigte sich im anschließenden Sky-Interview sichtlich erleichtert: „Es fällt einiges ab. Natürlich kann der ganze Klub mal durchatmen. Aber es kann nur ein Start sein.“ Nach Schlusspfiff war er seinem Coach Blessin ausgelassen in die Arme gesprungen.
Auch dem Trainer war die Erleichterung über seine ersten Punkte mit der arg gebeutelten Borussia deutlich anzumerken. Es sei „wichtig“ gewesen, „dass die Mannschaft gezeigt hat, dass sie lebt. Das war gut für das Selbstvertrauen“, betonte der gebürtige Stuttgarter, der zuletzt „ein bisschen Totengräber-Stimmung“ ausgemacht hatte. Aber es könne jetzt „auch nicht sein“, fügte Blessin an, „dass wir uns ausruhen, sondern so muss es weitergehen“.
Kurze Sorgen bei Mohya
Dass die Gladbacher auch daheim gewinnen können, wollen sie in den nächsten zwei Spielen unter Beweis stellen. Gegen den Karlsruher SC möchte der VfL am Dienstag (20:45 Uhr) das Ticket für das Achtelfinale im DFB-Pokal lösen. Am kommenden Samstagmittag empfangen die Fohlen den SC Paderborn.
Die Fans hoffen, dass Mohya dort die nächsten Akzente setzen kann. Bei seiner Glanzleistung gegen Stuttgart war er in der 70. Minute ausgewechselt worden. Angesichts der aktuellen Verletzungsmisere bei Borussia Mönchengladbach schrillten zwar im ersten Moment die Alarmglocken, doch das Supertalent gab unmittelbar nach dem Abpfiff selbst Entwarnung.
Seine Auswechslung war lediglich die Folge eines schmerzhaften Eisbeins (heftige Schlag auf den Oberschenkel). Er selbst betonte: „Ich bin nicht verletzt. Das hatte ich schon mal. Da muss man sich keine Sorgen machen.“
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)