Einzelkritik: Ein Dortmunder überragt
Mit diesem Kniff wollte Kovac Bayern stoppen
Borussia Dortmund setzt seine Ungeschlagen-Serie in der Liga auch gegen FC Bayern fort - am späten Ausgleich sind vor allem zwei Joker beteiligt.
Borussia Dortmund ist weiter ungeschlagen! In einem hart umkämpften Klassiker haben sich der BVB und FC Bayern München nach Abpfiff die Punkte (2:2) geteilt. Ein BVB-Joker sorgte für den Last-Minute-Ausgleich.
Nach der 1:0-Führung des Rekordmeisters zur Halbzeit ließ Serhou Guirassy die Dortmunder in der 60. Minute mit dem Anschlusstreffer zum 1:1 jubeln. Die Freude hielt jedoch nicht lange an – Dayot Upamecano brachte die Bayern kurze Zeit erneut in Führung (66.). Doch die Einwechslungen der Dortmunder in der zweiten Hälfte sorgten nochmal für frischen Wind. Kurz vor Schluss durften sie sich dann bei Joker Fabio Silva bedanken, der seine Mannschaft vor ihrer ersten Bundesliga-Niederlage dieser Saison bewahrte. Neben den Torschützen überzeugte vor allem der Mann zwischen den Pfosten.
SPORT1 zeigt die Mannschaft von Borussia Dortmund in der Einzelkritik.
Kobel verhinderte Kane-Torerfolg
GREGOR KOBEL: Nach 18 Minuten erstmals richtig gefordert, als er nach Laimer-Flanke gerade noch vor dem einschussbereiten Saibari klärte. Parierte in der 24. Minute bärenstark im Eins-gegen-Eins gegen Saibari, auch wenn der zuvor wohl im Abseits stand. Ähnlich stark in der 38. Minute im Eins-gegen-Eins gegen Laimer, aber im Pech, dass diesem der Abpraller wieder zur Bayern-Führung vor die Füße sprang. Direkt nach der Pause schnell im unteren Eck, als Laimer per Schlenzer abschloss. Guckte dann auch noch Kanes Strafstoß an die Latte (56.), beim erneuten Rückstand durch Upamecano machtlos (66.). In der Nachspielzeit bei Karls Lattentreffer dann erneut mit dem Glück des Tüchtigen. SPORT1-Note: 1
JOANE GADOU (bis 87. Minute): Machte in der Anfangsphase immer wieder Dampf über die rechte Dortmunder Seite, leistete sich dabei die eine oder andere technische Nachlässigkeit im Spiel mit dem Ball. Das galt auch bei einem Luftloch nach ungelenker Kopfballabwehr am eigenen Strafraum. Lieferte sich einige intensive Zweikämpfe mit Alphonso Davies, konnte dem flinken Kanadier dabei auch in Sachen Tempo durchaus Paroli bieten. SPORT1-Note: 3
WALDEMAR ANTON: Wirkte vor allem als Organisator aus letzter Dortmunder Reihe, immer mit einem besonderen Auge auf Harry Kane. Blockte kurz nach der Pause zentral an der Strafraumkante gerade noch rechtzeitig einen Abschluss des Engländers. Wichtig, dass er kurz nach dem 1:2 im Strafraum vor dem heranstürmenden Davies klärte (70.). Fünf Minuten später hingegen nicht energisch genug gegen den Kanadier, was den Bayern eine doppelte Großchance mit Pfostentreffer von Kane ermöglichte. SPORT1-Note: 3,5
NICO SCHLOTTERBECK: Weil der BVB sich nicht hinten reinstellte, war der Kapitän nach Ballverlusten immer wieder als aufmerksame Absicherung gefordert, erledigte das in der Anfangsphase aber komplett souverän. Im Aufbauspiel mit kleineren Nachlässigkeiten, aber auch mit vielen klugen Vertikalpässen, die dem BVB immer wieder schnellen Raumgewinn brachten. Stark, wie er vor dem Ausgleich bei Kanes Querpass an der Mittellinie nach vorne verteidigte und so den Treffer von Guirassy einleitete (59.). Blockte nach Kanes Pfostentreffer den Nachschuss von Davies und verhinderte so das 1:3 (75.). SPORT1-Note: 2
MAXIMILIAN BEIER (bis 67.): Bekam nach knapp 15 Minuten plötzlich ziemlich freistehend den Ball mitten im Bayern-Strafraum, sein Schuss aus der Drehung wurde gerade noch geblockt. Fleißig wie immer, ohne aber die ganz großen Akzente setzen zu können. Gewann nur ein gutes Fünftel seiner Zweikämpfe, wurde folgerichtig als einer der ersten Dortmunder ausgewechselt. SPORT1-Note: 4
JOEY VEERMAN: Klärte nach knapp zehn Minuten zweimal nicht energisch genug im eigenen Strafraum, was zu Olises Pfostenschlenzer führte. Bei Ballbesitz von Beginn an Taktgeber, der dafür sorgte, dass der BVB auch immer mal wieder längere Ballbesitzphasen hatte. Stark, wie er direkt neben Kane in aller Seelenruhe einen Ball aus der Luft pflückte (28.). Gegen den Ball teilweise Manndecker für den Ballon-d’Or-Gewinner, wenn der sich nach hinten fallen ließ. SPORT1-Note: 2,5
Nmechas unglückliches Handspiel führte zum Elfmeter
FELIX NMECHA (bis 76.): Bildete mit Veerman und Bellingham ein ballsicheres Trio im Zentrum, glänzte in der 20. Minute dann auch defensiv mit einer artistischen Klärungsaktion im eigenen Strafraum vor dem freistehenden Saibari. Weil Svensson ausrutschte, wurde sein allerdings auch optimistischer Querpass in der eigenen Hälfte zur Vorlage für Laimers Führungstreffer. Ließ den Österreicher kurz nach der Pause im eigenen Strafraum aus den Augen, Kobel verhinderte das 0:2. Verursachte dann auch noch mit seinem Handspiel einen Elfmeter (55.), wenn auch unglücklich, zumal er zuvor kurz von Kim gehalten wurde. SPORT1-Note: 4
JOBE BELLINGHAM (bis 87.): Kassierte nach gerade einmal fünf Minuten die erste Gelbe Karte des Spiels, als er Davies kurz vor der Strafraumkante nur per Klammergriff stoppen konnte. Eroberte kurz darauf am anderen Strafraum einen unsauberen Urbig-Pass, machte aber nichts daraus. Zwang Bayern-Keeper Urbig in der 22. Minute per Fernschuss zu einer Glanztat. Zielte in der 41. Minute nach starker Balleroberung am Mittelkreis und anschließendem Solo bis zum Strafraum nur knapp übers Bayern-Tor. Starke Passquote, in Sachen Zweikämpfe aber noch mit Luft nach oben. SPORT1-Note: 3
DANIEL SVENSSON: Hatte auf seiner linken Seite von Beginn an reichlich Arbeit mit Olise, schlug sich dabei aber zunächst wacker. Rutschte in der 38. Minute unglücklich, aber folgenschwer aus und ermöglichte Laimer damit freie Bahn zur Bayern-Führung. Leitete in der Nachspielzeit der ersten Hälfte nach guter Freistoßvariante eine Großchance für Chukwuemeka ein. Vertändelte in der 54. Minute den Ball gegen Laimer, Gadou bügelte den Fauxpas gerade noch aus. Durfte sich insgesamt aber auf die Fahne schreiben, dass Olise eines seiner blasseren Bayern-Spiele ablieferte. SPORT1-Note: 2,5
CARNEY CHUKWUEMEKA (bis 67.): Riss den an der Mittellinie nach vorne stürmenden Kimmich nach neun Minuten von hinten am Kragen um, kam aber mit einer Ermahnung davon. Eroberte in der 35. Minute den Ball im Bayern-Strafraum, Bellingham schob ein – weil Chukwuemeka im Abseits stehend allerdings Urbig behinderte, wurde das Tor aberkannt. Hätte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte beinahe selbst getroffen, sein Schuss wurde aber gerade noch entscheidend abgefälscht. Dafür leitete er nach knapp einer Stunde mit einem energischen Lauf in den Strafraum den Ausgleich durch Guirassy ein. SPORT1-Note: 2
SERHOU GUIRASSY: Kein leichtes Spiel für den BVB-Stürmer, der sich vor der Pause immer wieder zwischen mehreren Bayern-Verteidigern aufrieb und verzweifelt versuchte, dennoch den einen oder anderen Ball festzumachen. Blieb trotzdem engagiert und belohnte sich nach einer Stunde in klassischer Mittelstürmer-Manier eiskalt mit dem Ausgleich. SPORT1-Note: 1,5
MARCEL SABITZER (ab 67. Minute): Durfte trotz seines Last-Minute-Siegtores im DFB-Pokal gegen Bremen erst in der Schlussphase ran. Übernahm für Chukwuemeka im offensiven Mittelfeld, hatte seine wichtigste Aktion aber im eigenen Strafraum, als er sich ohne Rücksicht auf Verluste in einen gefährlichen Torschuss warf. SPORT1-Note: 2,5
Joker sorgen für den entscheidenden Ausgleichstreffer
KONSTANTINOS KARETSAS (ab 67.): Sollte in der Schlussphase nochmal frischen Wind bringen und ließ direkt seine technische Klasse am Ball aufblitzen. Noch wichtiger allerdings sein beherzter Zweikampf gegen Pavlovic (89.), mit dem er Silva das 2:2 auflegte. SPORT1-Note: 2
FÁBIO SILVA (ab 76.): Kam spät, aber nicht zu spät. Nach seiner Einwechslung zunächst gewohnt engagiert, aber mehrfach zu überhastet, so auch bei mehreren harmlosen Abschlüssen. In der 89. Minute dann aber zur Stelle und mit eiskaltem Abschluss zum Ausgleich ins lange Eck. SPORT1-Note: 1,5
JULIAN RYERSON (ab 87.): Übernahm kurz vor Schluss auf der rechten Seite, machte direkt Dampf und suchte den Weg nach vorne. Insgesamt aber ohne größere Szenen. SPORT1-Note: ohne Bewertung
SAMUELE INÁCIO (ab 87.): Kam ebenfalls für die letzten Minuten, hatte keine nennenswerte Aktion mehr. SPORT1-Note: ohne Bewertung