„Jedes Nutellabrot ein Staatsverbechen“: Gosens warnt vor Panik
"Da kannst du auch mal ehrlich sein"
Nach drei Spielen ohne Sieg schlägt Robin Gosens Alarm - aber nicht wegen einer vermeintlichen sportlichen Krise. Im Podcast Copa TS kritisiert er das Schwarz-Weiß-Denken im Fußball und spricht offen über die Schwächen seiner Mannschaft.
Zwischen Euphorie und Krisenstimmung liegt in der Bundesliga meist nicht besonders viel. Robin Gosens sieht darin ein Problem: Im Podcast Copa TS mit Moderator Tommi Schmitt kritisierte der Spieler von Schalke 04 die extremen Reaktionen auf sportliche Niederlagen und warnt nach drei Spielen ohne Sieg für die Schalker vor Panikmache.
„Wenn du gewinnst, ist alles top, du darfst dir alles erlauben, es werden keine Fragen gestellt“, erklärte Gosens. Bleiben die Erfolge kurzzeitig aus, ändere sich das schlagartig: „Spätestens beim dritten Mal wird alles hinterfragt, alles ist blöd.“
Wie absurd diese Maßstäbe aus seiner Sicht mitunter sind, verdeutlichte er mit einem zugespitzten Vergleich: „Jede Minute Verspätung ist ein Staatsverbrechen, jedes Nutellabrot führt dazu, dass du am Wochenende zwei Kilometer weniger laufen darfst.“
Gosens kritisiert Schwarz-Weiß-Denken
Bei einer siegreichen Serie hingegen dürfe man sich nahezu „alles erlauben“, so Gosens. „Warum leben wir in diesen Extremen? Warum können wir nicht den Ball flach halten, wenn man mal ein, zwei Spiele verliert und 23 Sachen nicht?“, fragte der 32-Jährige und kritisierte das mediale Alles-oder-Nichts-Denken.
Entscheidend sei nun, die richtigen Schlüsse aus den Rückschlägen zu ziehen, ohne die bisherige Arbeit grundsätzlich infrage zu stellen. „Es ist für uns als Spielergruppe, als Verein, als Mannschaft sehr wichtig, dass wir jetzt einfach wirklich locker bleiben“, betonte Gosens. Sein Appell: „Nicht in Panik verfallen.“
„Nicht stabil genug“
Die sportlichen Probleme sprach Gosens dennoch offen an. Vor allem an der defensiven Intensität habe es bei der 0:1-Niederlage gegen Mainz gemangelt – dabei hatte die Schalker Verteidigung diese Saison bereits mehrfach ihre Bundesligatauglichkeit bewiesen.
„Wir haben einfach diese Intensität nicht auf den Platz bekommen, dieses eklige Verteidigen, dieses Unangenehm-Machen für den Gegner“, so der linke Außenverteidiger. „Und wenn wir ehrlich sind, hätten wir auch noch zwei bekommen können oder müssen.“
Auch taktisch seien Fehler passiert: „Wir brauchen immer einen Filter vor der Abwehr, einen Sechser, der im Prinzip als Staubsauger agiert, damit wir gar nicht erst in die Situation kommen, dass Tietz den Ball festmachen kann.“ Obwohl diese Abläufe trainiert worden seien, habe das bereits in der ersten Minute zweimal nicht funktioniert.
„Das macht was mit der Mannschaft, so ehrlich muss man sein“, räumte Gosens ein. Um solche Situationen wegzustecken, seien die Königsblauen „wahrscheinlich noch nicht stabil genug, nicht erfahren genug“.
Gosens: Schalke-Niederlage keine Frage des Willens
Mangelnden Einsatzwillen lässt er als Erklärung der Niederlage allerdings nicht gelten. „Nichts lieber hätte ich gewollt als dieses scheiß Spiel zu gewinnen, als ein Tor zu schießen und mit der ganzen Kurve zu jubeln“, so der 32-Jährige, der in dieser Saison zu den Gelsenkirchenern gewechselt war.
„Das liegt nicht daran, dass wir keinen Bock haben, Fußball zu spielen oder keinen Bock haben, uns zu zerreißen“, erklärte er.
Trotz der Rückschläge will Gosens den eingeschlagenen Weg der Schalker nicht infrage stellen. Gerade in der engen Bundesliga brauche es schließlich auch „dieses Quäntchen Glück“, wie Moderator Tommi Schmitt feststellte.