Wie Stiller und Yildiz das Denken des FC Bayern veränderten
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Mit Angelo Stiller und Kenan Yildiz verlor der FC Bayern zwei Talente ablösefrei, die sich danach zu europäischen Topspielern entwickelten. Anschließend kam es in München zum Umdenken, wie Jochen Sauer erklärt.
Der Campus des FC Bayern ist für den deutschen Rekordmeister längst zur Erfolgsgeschichte geworden, der den eigenen Kader mit zahlreichen Top-Spielern wie Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic oder Lennart Karl füllt.
Aber nicht nur das: Reicht es für die Talente nicht für den ganz großen Durchbruch bei den FCB-Profis, bringen sie oft zumindest gute Transfereinnahmen ein, die den Bayern dann wiederum mehr finanzielle Freiheiten für andere Verpflichtungen verschaffen.
Doch das war nicht immer so, speziell in der Zeit, bevor es den Bayern-Campus gab, aber auch noch in den ersten Jahren. Die ablösefreien Abgänge von Angelo Stiller und Kenan Yildiz, die danach so richtig Karriere machten, führten dann aber zu einem Umdenken bei den Bayern, wie Jochen Sauer, der seit 2017 führende Positionen im Nachwuchsbereich des FC Bayern bekleidet, nun im Interview mit Spox erklärte.
„Unter anderem Angelos Fall hat bei uns letztlich zu neuen Ansätzen beim Thema Durchlässigkeit zwischen Jugend und Profis geführt“, schilderte Sauer: „Als Kenan Yildiz ein Jahr nach Angelo zu Juventus Turin gewechselt ist und sich dort bei den Profis etabliert hat, war das erneut eine Bestätigung, dass ein U19-Spieler des FC Bayern sehr schnell bei einem internationalen Topklub funktionieren kann.“
Darum konnte der FC Bayern Yildiz nicht halten
„Stiller und Yildiz haben sicher dazu beigetragen, dass wir den Übergang besser in den Fokus genommen haben. Es bringt ja nichts, Spieler mit großem Aufwand auszubilden, um dann weder sportlich noch finanziell davon zu profitieren“, sagte Sauer weiter.
Bei beiden Spielern sprang für die Bayern am Ende nichts heraus. Stiller zog es 2021 ablösefrei zur TSG Hoffenheim. Nach einem weiteren Wechsel zum VfB Stuttgart reifte er zum Nationalspieler.
Yildiz schaffte sogar direkt bei Juventus den Durchbruch und gehört mittlerweile zu den besten Flügelspielern der Welt. Warum Bayern ihn 2022 nicht halten konnte? „Wir hatten damals in einem Jahrgang neben ihm noch weitere sehr talentierte Spieler wie Paul Wanner und Arijon Ibrahimovic. Der damalige Profikader hat nicht zugelassen, drei 17-jährige Offensivspieler gleichzeitig mittrainieren zu lassen“, erklärte Sauer.
„Zudem hatte sich der Transfer von Mathys Tel schon angedeutet, auch er ist Jahrgang 2005“, sagte Sauer: „Juve hat Yildiz einen festen Platz im Profitraining versprochen, wir konnten das zu diesem Zeitpunkt nicht. Deshalb hat er für sich auch die richtige Entscheidung getroffen.“
Sauer lobt Kompany-Umgang mit Talenten: „Beeindruckend“
In der Zukunft soll sowas beim FC Bayern nicht mehr passieren. Die Jugendspieler müssten auch Chancen bekommen. Ein Vorbild sei laut Sauer ganz klar der FC Barcelona: „Die sind auf höchstem Niveau durchlässig, ohne dass sie in der Tabelle abstürzen, ganz im Gegenteil.“
Das sei auch in der Münchner Profiabteilung mittlerweile klar: „Im ganzen sportlichen Bereich hat sich hier ein anderes Bewusstsein entwickelt, und die Profiabteilung mit Trainer Vincent Kompany hat nochmals für eine neue Dynamik gesorgt.“
Speziell die Verpflichtung von Kompany habe bei der Durchlässigkeit eine extrem wichtige Rolle gespielt, meinte Sauer: „Vincent ist auf jeden Fall nahe dran. Es ist natürlich beeindruckend, wie vielen Talenten er in der vergangenen Saison die Chance für erste Einsätze gegeben hat.“
„Dass er mit jungen Spielern arbeiten kann, hat er schon in Anderlecht bewiesen. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass unsere Leihgabe Joshua Zirkzee sich hervorragend weiterentwickelt hat“, erinnerte sich Sauer.