Ein waschechtes Fußballmärchen
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Der aserbaidschanische Meister Sabah FK steht zum ersten Mal auf der großen Bühne der Champions League - und trifft direkt im ersten Spiel auf Manchester United. Dabei ist der Klub gerade erst einmal neun Jahre alt.
Rund 3.000 Kilometer Luftlinie südöstlich von Deutschland liegt ein See, der seit Jahren den Tourismus in Aserbaidschan ankurbelt. Der „Rosa See“, offiziell bekannt als Masazir-See oder in der Landessprache als Masazirgöl bezeichnet, zählt aufgrund seiner atemberaubenden Farbtöne zu den spektakulärsten Salzseen der Welt.
Namensgebend ist die Gemeinde Masazir, ein Vorort der Hauptstadt Baku, an dem der sehenswerte See liegt. Knapp 19.000 Menschen leben in Masazir – einem Ort, der noch nicht einmal einen deutschen Wikipedia-Eintrag besitzt. Doch schon bald könnte ganz Europa über den Bezirk nahe Baku sprechen, schließlich spielt sich dort ein sportliches Märchen ab.
Champions League: Sabah FK feiert Debüt
Die Rede ist vom ortsansässigen Klub Sabah FK Masazir, der am Donnerstagabend zum ersten Mal in der Champions League aufläuft. Der aserbaidschanische Meister hatte sich im letzten Spiel der Playoffs spektakulär gegen den israelischen Meister Hapoel Be’er Scheva durchgesetzt. Sabah FK verlor das Hinspiel 1:2 und lag auch im Rückspiel vor heimischem Publikum 1:2 zurück.
Doch Sabah FK kämpfte sich eindrucksvoll zurück: Vor 30.000 Zuschauern traf Umarali Rakhmonaliev in der 74. Minute zum Ausgleich. Um das Ergebnis des Hinspiels auszugleichen, fehlte Sabah jedoch noch ein Tor. In der allerletzten Sekunde der regulären Spielzeit rettete Tellur Mütallimov die Aserbaidschaner und schoss das Führungstor zum 3:2 – Es ging in die Verlängerung. In der 101. und 115. Minute traf Sabah FK erneut und machte mit 5:2 den Sieg über Hapoel Be’er Scheva klar. Und damit auch den Einzug in die Champions League.
Dabei ist der Klub gerade erst neun Jahre alt
Ein wenig kurios: Vor zehn Jahren existierte Sabah FK noch nicht einmal. Der Klub wurde am 8. September 2017 im Nordwesten Bakus gegründet und feierte am Dienstag sein neunjähriges Bestehen.
Noch kurioser ist die Geschichte hinter dem Werdegang von Sabahs Trainer Valdas Dambrauskas: Der Litauer nahm 2002 an der dortigen Ausgabe des Quiz-Formats „Wer wird Millionär?“ teil und gewann ein Preisgeld von 4000 Litas, die damals einen Wert von ca. 1158 Euro hatten.
Den Gewinn investierte Dambrauskas in seine Trainerkarriere: Er schrieb sich in London für das Studienfach Sportwissenschaften ein und besuchte unter anderem Trainerkurse der Manchester United Soccer School. Hier legte er den Grundstein seiner heutigen Trainerkarriere. Seit 2025 trainiert er das Team aus Masazir.
Der direkte Aufstieg in die erste Liga
In seiner ersten Saison spielte Sabah FK noch in der zweitklassigen Birinci Divizionu. Dort wurde der Klub Fünfter – und stieg dennoch direkt in die höchste Spielklasse auf. Weil der Klub die Lizenzauflagen für die Premyer Liqasi erfüllt hatte, während mehrere besser platzierte Vereine keine Lizenz erhielten, gelang Sabah schon nach einer Saison der Aufstieg in die Beletage.
Dort gelang Sabah FK nach ereignisloseren Jahren in der Saison 2022/23 ein sportliches Ausrufezeichen: Mit 81 Punkten wurde der Klub hinter Dauerchampion Qarabag Agdam Vizemeister und qualifizierte sich erstmals für das internationale Geschäft. In der dritten Qualifikationsrunde zur Conference League scheiterte der junge Klub jedoch an Partizan Belgrad aus Serbien.
Sabah FK gewinnt 2026 das Double
Der sportliche Höhepunkt der jungen Vereinsgeschichte sollte rund drei Jahre später folgen, der einer Wachablösung im aserbaidschanischen Profifußball glich: Mit 78 Punkten gewann Sabah FK die Meisterschaft und ließ Rekordmeister Qarabag hinter sich. Auch im Pokal schaltete Sabah den größten Klub des Landes aus und machte mit dem Pokalsieg das erste Double der Vereinsgeschichte perfekt.
Schon 2025 hatte Sabah den aserbaidschanischen Pokal durch einen 3:2-Sieg im Finale gegen Qarabag gewonnen. Die nachfolgende Double-Saison untermauerte, dass im Land am Kaspischen Meer ein Machtwechsel stattfindet. Hauptverantwortlich ist dafür Cheftrainer Valdas Dambrauskas aus Litauen, der Sabah FK auf das nächste Level heben konnte.
Seit 2025 ist der 49-Jährige in Masazir angestellt und weist mit einem Schnitt von 2,24 Punkten pro Spiel den besten Wert der Vereinsgeschichte auf. Dambrauskas ließ sich einen Kader zusammenstellen, der zu knapp 70 Prozent aus Legionären besteht. Der wertvollste Spieler des Kaders ist der 27-jährige Tymoteusz Puchacz, der auch in Deutschland für Union Berlin, Holstein Kiel und den 1. FC Kaiserslautern aktiv war.
Ein Deutscher legt beeindruckende Zahlen auf
2,5 Millionen Euro ist der Pole laut transfermarkt.de wert – generell hat der gesamte Kader von Sabah FK lediglich einen Marktwert von 19 Millionen Euro.
Mit Joy-Lance Mickels gehört auch ein Deutscher zum Aufgebot des Double-Siegers. Der 32-Jährige wurde 1994 in Siegburg geboren und durchlief die Jugendabteilung bei Borussia Mönchengladbach. Joy-Lance Mickels besitzt zudem die Staatsbürgerschaft von Ruanda und läuft auch für die A-Nationalmannschaft der Afrikaner auf.
Über die Stationen Schalke 04, Alemannia Aachen, Wacker Nordhausen, Carl Zeiss Jena und MVV Maastricht landete der Offensivspieler in Aserbaidschan, wo er zum Stammpersonal gehört. In der aktuellen Liga-Saison traf er in drei Einsätzen bereits viermal.
Harte Aufgaben für die Mannschaft vom „Rosa See“
Die Eulen, der Spitzname des 2017 gegründeten Klubs, spielen in der Bank Respublika Arena. Nicht einmal 20 Minuten Fußweg beträgt die Distanz der Spielstätte zum spektakulären „Rosa See“ von Masazir, der im Rahmen der kommenden Champions-League-Spiele bei Auswärtsfans auf der Reiseliste stehen dürfte.
Anspruchsvoller könnten die Aufgaben kaum gestaltet sein, mit denen der Debütant in der Ligaphase konfrontiert wird. Neben Manchester United warten Borussia Dortmund, der FC Barcelona, die SSC Neapel und der FC Arsenal auf die Mannschaft vom „Rosa See“.
Am Donnerstagabend um 21 Uhr trifft die Mannschaft aus dem Nordwesten Bakus im Old Trafford auf zuletzt inkonstante Red Devils, die in den ersten drei Spielen der Premier League erst einen Sieg einfahren konnten. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, um den dreimaligen Champions-League-Sieger mit eigenen Akzenten zu ärgern?
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Bei seiner Rückkehr nach England wird Sabah-Trainer Dambrauskas womöglich einen Hauch Nostalgie verspüren, wenn er in das Land zurückkehrt, in dem seine professionelle Trainerkarriere die ersten konkreten Formen annahm.