Ein Traditionsklub am Tiefpunkt

Ein Traditionsklub am Tiefpunkt

Großes Beben beim FC Valencia. Nachdem die sportlichen Erfolge die vergangenen Jahre zunehmend ausblieben, steht der Verein nun offenbar vor einem Neuanfang. Wie viel Veränderung möglich sein wird, bleibt dennoch offen.

Abpfiff! Der FC Valencia gewinnt im Finale der Copa del Rey gegen den FC Barcelona. Kevin Gameiro bringt Valencia aus knapp 18 Metern in Führung, Rodrigo Moreno erhöht per Kopfball zum 2:0. Lionel Messi sorgt in der 74. Minute zwar für den Anschlusstreffer, doch am Ende belohnt sich Valencia für eine starke Saison 2018/19 mit dem Gewinn der Copa del Rey.

Es ist der Höhepunkt einer Entwicklung, die heute kaum noch vorstellbar scheint. In den 2010er Jahren gehörte der FC Valencia noch zur Spitzengruppe des spanischen Fußballs. In zehn Jahren kam Valencia auf sieben Top-5-Platzierungen. Mit dem Gewinn der Copa del Rey 2018/19 erreichte diese Erfolgsära ihren letzten Höhepunkt. Danach begann der Absturz.

Der FC Valencia steht vor einem Neuanfang
Der FC Valencia steht vor einem NeuanfangDer FC Valencia steht vor einem Neuanfang© IMAGO/NurPhoto

FC Valencia: einst ein Traditionsverein

Was folgte war eine jahrelange Durstrecke. Auch Cheftrainer Carlos Corberán, der den Klub im Dezember 2024 übernahm, konnte Valencia nicht zurück in die Erfolgsspur führen.

Stattdessen verlor der Verein zunehmend den Anschluss an die spanischen Top-Klubs. Die Saison 2025/26 beendete Valencia lediglich auf Tabellenplatz neun, auch international spielte der Verein keine nennenswerte Rolle mehr. „Die Zahlen lügen nicht: Valencia steckt tief in der Krise“, titelte die spanische Zeitung AS.

Wie ernst die Lage inzwischen ist, zeigte sich bereits zum Saisonstart im August. Die Bilanz nach fünf Spieltagen: vier Niederlagen, ein Unentschieden, letzter Tabellenplatz. Die Mundo Deportivo sprach von einem „katastrophalen Start in die Liga.“

Der sportliche Niedergang blieb auch bei den Anhängern nicht ohne Folgen. Immer wieder machten die Fans ihrem Unmut über die Entwicklung des Traditionsvereins Luft.

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Bei der 0:5-Niederlage gegen den FC Barcelona forderten einige Fan-Gruppierungen dazu auf, das Stadion erst ab der 19. Minute zu betreten – eine Aktion mit Symbolcharakter.

Fans äußern Unzufriedenheit

Die Gruppierung „Col·lectiu de Penyes Valencianistes“ kritisierte die Vereinsführung scharf. In einem Statement warf sie den Verantwortlichen „willkürliche Entscheidungen“ vor, die „der Größe des Valencia-Trikots nicht gerecht werden“.

Statt sich auf die sportliche Entwicklung zu konzentrieren, verwandle sich der Verein in ein „Schaufenster für Interessenten, die nichts mit sportlicher Leistung zu tun haben.“

Auch die Verbindung zwischen dem FC Valencia und der Stadt sorgt seit Jahren für Unmut. „Seit elf Jahren fressen sie dem Verein die Eingeweide auf, saugen ihm bis zum letzten Tropfen Blut aus und werden nicht ruhen, bis nichts mehr von ihm übrig ist“, hieß es in einer Erklärung von „Libertad VCF“.

Fans zeigten sich vermehrt unzufrieden mit der Vereinsführung
Fans zeigten sich vermehrt unzufrieden mit der VereinsführungFans zeigten sich vermehrt unzufrieden mit der Vereinsführung© IMAGO/AOP.Press

Wie groß die Unzufriedenheit und Wut der Anhänger inzwischen ist, zeigte sich auch nach der 0:1-Niederlage beim FC Sevilla. Rund 200 Anhänger warteten auf die Rückkehr der Mannschaft. Bei der Ankunft mussten Spieler und Trainer massive Beschimpfungen über sich ergehen lassen. Die Polizei musste einschreiten, um die Sicherheit aller Beteiligten zu wahren.

Der Sportliche Leiter, Ron Gourley, nahm die Kritik zwar wahr, sah die sportliche Krise zuletzt jedoch nicht als Grund für einen Rücktritt. Auch Corberán geriet zunehmend unter Druck. Marca bezeichnete ihn als Trainer „am Rande des Abgrunds“.

Nun wurden doch die nötigen Konsequenzen gezogen und der FC Valencia steht vor einem sportlichen Neuanfang.

Carlos Corberán und Co. müssen gehen

Neben Gourley musste auch der Trainerstab rund um Cheftrainer Corberán das Feld räumen. Außerdem verloren der Leiter der Scouting-Abteilung, Lisandro Isei, die Chef-Scouts, Hans Gillhaus und Andrés Zamora, und der Scout und Analyst Malek Shafei ihre Posten. Es sind drastische Maßnahmen als Antwort auf die sportliche Entwicklung, die beim FC Valencia seit Jahren in die falsche Richtung läuft.

Corberán wandte sich anschließend mit einem emotionalen Statement an die Öffentlichkeit: „Ich habe nur Worte der Dankbarkeit für alles, was ich in diesen 629 Tagen an der Spitze von Valencia CF erlebt habe. Es ist nicht irgendein Abschied. Ich verabschiede mich von einer Geschichte und einem Gefühl.“

Für viele Fans kommt der Schritt spät, aber nicht unerwartet. Besonders die Kaderplanung war in den vergangenen Jahren immer wieder ein zentraler Kritikpunkt.

Wie viel Veränderung nun tatsächlich möglich ist, bleibt dennoch fraglich. Denn auch Eigentümer Peter Lim, der seit 2014 Mehrheitseigentümer des FC Valencia ist, steht seit Jahren in der Kritik. Viele Anhänger werfen ihm vor, die Identität des Klubs zu zerstören. Vor allem, weil sportliche Abgänge in den Augen vieler Fans nicht adäquat ersetzt wurden und seine Versprechen, den Verein aus der wirtschaftlichen Schieflage zu holen, nicht umgesetzt wurden.

Damit hat sich auch die Perspektive auf den sportlichen Erfolg grundlegend verändert. Wo einst von spanischen Meistertiteln geträumt wurde, geht es inzwischen um den Klassenerhalt. Am Dienstag bietet sich gegen Deportivo Alavés die nächste Gelegenheit, dem Tabellenkeller (20 Uhr, LIVETICKER) ein Stück zu entkommen.

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