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Sasa Obradovic vs Svetislav Pesic
Sasa Obradovic (l.) spielte einst unter Svetislav Pesic für ALBA Berlin © SPORT1

München - Es ist eine vorgezogene Endspielserie und ein Duell mit viel Brisanz: ALBA Berlin gegen Bayern München. Patrick Femerling erwartet bei SPORT1 eine "emotionale Serie"

Der Wunsch von Sasa Obradovic wurde erfüllt.

ALBA Berlins Coach hatte eine klare Meinung, wen er sich für die Playoff-Halbfinalserie in der Beko BBL wünscht: "Die Bayern!" Dabei hatte der amtierende Meister zu diesem Zeitpunkt seine eigene Viertelfinalserie gegen Frankfurt noch gar nicht gewonnen.

Nun steht es an, das noch junge, aber stets spannungsgeladene Duell zwischen ALBA Berlin und dem FC Bayern München.

Wenn am Sonntag in der Halle am Berliner Ostbahnhof die 14.5000 Menschen strömen, wird sie wieder zu spüren sein, diese besondere Stimmung, das besondere Kribbeln, das es so in der Liga kaum ein zweites Mal gibt (Spiel 1 am Sonntag, ab 16:55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Ein junger Klassiker

Es ist die Wiederauflage des Finales der Vorsaison. Der alte Serienmeister gegen den aktuellen Titelträger. Kaum eine andere Paarung in der BBL hat so viele Geschichten, so viel sportlichen Reiz und so viel Brisanz.

Und die Beteiligten auf beiden Seiten geben sich wenig Mühe, nur die sportlichen Aspekte herauszuarbeiten. "Ich weiß genau, wie das unter Svetislav Pesic läuft", sagte Obradovic: "Aber es ist unser Fehler, wenn wir auf jeden Ellbogenschlag oder Trash Talk reagieren."

Pesic' Mannschaften spielen traditionell körperbetont und giftig. Wer wüsste das besser als Obradovic?

Viel ALBA-Vergangenheit bei Bayern

FCB-Coach Pesic führte die Albatrosse als Trainer 1995 zum Korac-Cup, ebenso zu vier Meisterschaften und zwei Pokalsiegen. Einer seiner wichtigsten Spieler damals: Sasa Obradovic. Es sind auch diese historischen Verwebungen, die diese Serie so besonders machen.

BASKETBALL: BONN
Svetislav Pesic (l.) und Marco Baldi waren in den 90er Jahren das Erfolgsduo bei ALBA Berlin © Getty Images

"Wir müssen uns während des Spiels nur auf Basketball konzentrieren", sagte Heiko Schaffartzik, einer von gleich sieben Münchener Spielern, die schon für Berlin auf Korbjagd gingen und um die Atmosphäre in Berlin wissen. "Wir gewinnen über Intensität, Entschlossenheit und starken, starken Willen. Diesen Stil müssen wir ums Verrecken beibehalten", sagte Albas Manager Marco Baldi in der "BZ".

Harte Rhetorik, die ahnen lässt, welche Faktoren über Sieg und Niederlage entscheiden können. Ostküsten-Basketball nennen das die Amerikaner in der NBA.

"Kühlen Kopf bewahren"

Einer, der als Aktiver viele Schlachten für Alba auf dem Parkett geschlagen hat, ist Patrick Femerling (40).

Der ehemalige Center der Nationalmannschaft und neben Dirk Nowitzki und Detlef Schrempf der erfolgreichste deutscher Basketball sagte im Gespräch mit SPORT1: "Es wird eine sehr emotionale Serie, aber es gilt, auf dem Feld einen kühlen Kopf zu behalten. Wenn man sich in den Playoffs in diesen Kleinigkeiten verliert, geht es meistens schief."

Form spricht für ALBA

Und natürlich hat dieses Duell auch einen großen sportlichen Reiz. Die Leistungen aus der Saison sprechen für die Berliner. Zu Hause gewohnt heimstark, hat der frühere Serienmeister in dieser Saison vor allem international für Furore gesorgt. In der Vorbereitung schlug die Obradovic-Truppe sogar NBA-Champion San Antonio.

In der Euroleague folgten imposante Siege über die Top-Teams Maccabi Tel Aviv, Panathinaikos Athen oder den FC Barcelona, in der Liga wurde Tabellenplatz eins erst kurz vor Playoff-Beginn verspielt.

Die Folge: Es hagelte Auszeichnungen. Obradovic wurde Trainer des Jahres, Power Forward Jamel McLean der wertvollste Spieler der Saison (MVP), Guard Clifford Hammonds bester Verteidiger.

Der Playoff-Baum der Beko BBL 2015
Der Playoff-Baum der Beko BBL 2015 © SPORT1

Münchens starke Bank

"Die Erfolge dieser Saison müssen Selbstvertrauen geben", sagt Femerling daher, inzwischen Nachwuchstrainer bei den "Albatrossen": "Dennoch wird es gegen Bayern kein Zuckerschlecken. Das ist der amtierende Meister."

Die Truppe um den zweimaligen MVP und Center John Bryant ist das reboundstärkste Team der Liga, sie verfügt in Nihad Djedovic, Anton Gavel oder Heiko Schaffartzik über gefährliche Distanzschützen, kann von der Bank jederzeit wechseln, ohne an Qualität auf dem Parkett einzubüßen.

Besonders Djedovic ist ein Schlüsselspieler, der Bosnier ist mit 16,8 Punkten punktbester Münchener Akteur in der Playoffs.

Playoff-Vorteil München

Auch wenn die Münchner die Liga nur als Tabellendritter hinter Berlin und Bamberg beendet haben: die Mannschaft hat aufgrund ihrer Kadertiefe und -qualität natürlich das Potenzial, den Titel zu verteidigen. Dennoch gleicht die Mannschaft in dieser Spielzeit einer Wundertüte, die Schwankungen kosteten den Münchenern einen besseren Tabellenplatz und damit Heimvorteil in den Playoffs.

Von vier Duellen mit Alba in dieser Spielzeit gingen drei verloren, allesamt in der Hauptstadt. Allerdings, betrachtet man die reinen Playoff-Duelle, steht es 6:1 für die Bayern.

Obradovic ist das egal: "Dieses Mal will ich stärker sein."

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