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Seltener Anblick: Lifecoach an einem Pokertisch © D. Gorr

Im SPORT1-Interview spricht der ehemaliger Poker-Profi Lifecoach über die vielen Parallelen zwischen Blizzards Kartenspiel und seinem früheren Beruf.

Von Dorian Gorr

Adrian Koy, besser bekannt als Lifecoach, ist der erfolgreichste deutsche Hearthstone-Spieler. Bevor er Profi in Blizzards Kartenspiel wurde, machte er sich als hauptberuflicher Poker-Spieler einen Namen. Auch bei Hearthstone ist er derzeit voll auf Erfolgskurs und konnte beim vergangenen Wochenende den Seatstory Cup von TaKeTV gewinnen.

Im Interview mit SPORT1 verrät er, welche Gemeinsamkeiten Poker und Hearthstone haben – und warum er heutzutage die Finger von Poker lässt.

SPORT1: Lifecoach, du bist nicht nur Hearthstone-Profi, du hast auch einen Poker-Hintergrund. Wie bist du damals zum Poker gekommen?

Lifecoach: Ich komme eher aus ärmeren Verhältnissen, hatte aber immer den Traum der finanziellen Unabhängigkeit. Um aber irgendetwas reißen zu können, brauchte ich etwas Startkapital. Poker gab mir genau diese Perspektive. Ich konnte relativ schnell gutes Geld damit verdienen und habe das von Anfang an so angegangen, wie ich auch Hearthstone angegangen bin: Sehr professionell, voller Fokus.

Ich habe damals, als ich mit Poker angefangen habe, alles andere abgehakt, was junge Menschen sonst machen: Keine Partys, kein Alkohol, keine Feiern, weil mir wichtig war, dass ich stärker in Poker werde. Ich wusste, dass es diese Chance nur einmal gibt.

Sieben Jahre lang habe ich deshalb voll reingehauen, danach war ich finanziell gut situiert und konnte andere Dinge tun: Firmen aufziehen, in Immobilien investieren, mit Aktien handeln. Und irgendwann bin ich dann bei Hearthstone gelandet.

SPORT1: Wie kam der erste Kontakt mit „Hearthstone“ zustande?

Lifecoach: Als ich nach sieben Jahren Poker eine Auszeit nahm, wollte ich nachholen, was ich alles verpasst hatte. Ich hatte ja sieben Jahre lang so gut wie keine Freizeit. Zu den Dingen, die mir gefehlt hatten, gehörten auch Computerspiele. Ich war schon immer ein begeisterter Computerspieler. Ein Jahr lang wollte ich nur reisen und spielen.

Irgendwann stieß ich auf Hearthstone und nach drei Monaten holte ich bereits sehr anständige Ränge, war mehrfach Rang 1. Das Wissen über Hearthstone wollte ich anschließend weitergeben, also meldete ich mich bei Twitch an. Die Zuschauer haben mich daraufhin ermutigt, mit dem Streamen weiterzumachen. Und das ist der aktuelle Status Quo – bis es mir eines Tages keinen Spaß mehr macht.

SPORT1: Wo siehst du Parallelen zwischen Poker und Hearthstone?

Lifecoach: Es gibt viele Parallelen: Beides sind Kartenspiele. Man muss die Karten des Gegners lesen können, aufgrund vorheriger strategischer Entscheidungen. Beides hat viel mit Wahrscheinlichkeitsrechnung zu tun und es gibt immer eine ungewisse Komponente. Poker und Hearthstone sind beides sogenannte „Games with imperfect information“.

Heißt: Nicht alle Informationen stehen zur Verfügung, wie es beispielsweise beim Schach der Fall ist. Also gibt es Risiken und diese kalkulieren zu können, ist bei beiden Spielen sehr wichtig. Sowohl bei Hearthstone als auch beim Poker muss man gute Entscheidungen unter Zeitdruck treffen können – und das immer und immer wieder, um eine positive Statistik halten zu können.

SPORT1: Wie viele Stunden spielst du pro Woche Hearthstone?

Lifecoach: Meist rund 50 bis 60 Stunden. Dazu kommen aber auch häufig noch 20, manchmal auch 30 Stunden Offplay. Das ist Zeit, die ich nutze, um Karten zu analysieren und deren Stärke zu evaluieren.

SPORT1: Spielst du noch ab und zu Poker?

Lifecoach: Nein, gar nicht mehr. Das wäre ethisch nicht korrekt. Ich würde Menschen, die es mehr brauchen, einen Multiplikator ihres Geldes abnehmen. Da kann ich nicht hinterstehen.

SPORT1: Wir sitzen hier gerade an einem Pokertisch bei TaKeTV. Was wäre, wenn heute Abend ein paar befreundete Hearthstone-Kollegen dich zu einer Runde auffordern würden? Reizt es dich selbst dann nicht, zumindest aus Spaß mal
wieder zu spielen?

Lifecoach: Nein, ich fasse Poker gar nicht mehr an. Ich finde es auch an sich gar nicht reizvoll. Ich hatte mit Poker eine Zweckbeziehung und konnte das sieben Jahre so durchziehen, weil ich ein Ziel vor Augen hatte: die finanzielle Unabhängigkeit, die es mir ermöglicht, Träume zu verwirklichen. Und dabei spreche ich nicht von kleinen Träumen für mich, sondern von großen Träumen, wo es darum geht, Menschen zu helfen, beispielsweise indem man Dörfer aufbaut. Dieses Ziel gab mir den Antrieb weiterzumachen, auch wenn es beim Poker mal nicht gut lief.

SPORT1: Ist bei Hearthstone für dich auch ein Ende in Sicht?

Lifecoach: Derzeit fokussiere ich mich voll auf Hearthstone. Aber für mich ist das auch nur reizvoll, solange ich ein gutes Niveau halte. Sobald ich merke, dass ich nicht mehr mithalten kann, werde ich mich zurückziehen. Ich glaube übrigens, dass Hearthstone mein letzter kompetitiver Bereich sein wird. Nach meiner Zeit in Hearthstone werde ich mich eher Bereichen widmen, mit denen ich Menschen helfen kann.

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