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Noxiak spielte vor drei Wochen noch bei Fnatic © Riot Games

Im SPORT1-Interview spricht Lewis "Noxiak" Felix über seine Vergangenheit bei MYM, SK und Fnatic sowie seine Erwartungen bei ROCCAT.

Noxiak ist der beste deutsche Support-Spieler und war bis vor kurzem noch bei Fnatic, dem amtierenden Europameister in League of Legends. Nachdem er sich von der Organisation trennte, wurde in dieser Woche sein neues Team bekanntgegeben. Noxiak wird fortan bei ROCCAT die Bot-Lane mit Tabzz unsicher machen.

SPORT1: Wie geht es dir?

Noxiak: Mir geht es richtig gut. Auch nach der Zeit bei Fnatic habe ich keinen Grund, um Trübsal zu blasen.

SPORT1: Wie hast du dich menschlich in den letzten Monaten bei MYM, SK und Fnatic weiterentwickelt?

Noxiak: Ich habe auf jeden Fall viele Einblicke bekommen in verschiedene Organisationen und stelle nun gewisse Erwartungen an ein Team. Ich bin viel gereist und habe viele Erfahrungen gesammelt.

SPORT1: Was für Erwartungen hast du nun an ein Team?

Noxiak: Jeder in einem Team muss motiviert und bereit dazu sein, seine Fehler einzugestehen. Außerdem sollte man sich natürlich gut untereinander verstehen und befreundet sein - vor allem auf der Bot-Lane.

SPORT1: Die drei wichtigen Stationen in deiner bisherigen Karriere waren MYM, SK und Fnatic. Wo wurden deine neuen Erwartungen nicht erfüllt und welche Teams kannst du als gute Beispiele nennen?

Noxiak: Eine Zeit, wie die bei SK würde ich nicht gerne noch einmal erleben. Damals war die Stimmung schlecht und auch der Staff war verglichen mit den anderen Teams nicht gut. Fnatic ist natürlich das Musterbeispiel, wie es sein sollte. Die Mitarbeiter und die Atmosphäre waren echt super. Bei MYM war das Freundschaftliche sehr schön. Dort ist jeder mit jedem gut ausgekommen, das hat mir sehr gefallen.

SPORT1: In einem Facebook-Post hast du beschrieben, dass du dich erst einmal an die Professionalität bei Fnatic gewöhnen musstest. Hat dir das schließlich zugesagt?

Noxiak: Es ging wirklich nur um die Umgewöhnung. Vorher bestand mein Tag daraus, nur Solo-Queue zu spielen und das bis tief in die Nacht. Bei Fnatic hatten wir Aktivitäten wie Yoga-Unterricht oder Team-Bondings. Ab und zu wurde auch ein Tag nur Marketing-Terminen, wie Photo-Shoots gewidmet.

SPORT1: Der Grund für die Trennung war, dass die Synergie zwischen dir und Rekkles sich nicht schnell genug entwickelte, weshalb einer von euch beiden gehen musste. Welcher eurer beiden Spielstile ist denn eher zukunftsweisend?

Noxiak: Rekkles war daran gewöhnt, ohne Jungle-Pressure zu spielen und einfach nur effizient in der Lane zu sein - ich hätte lieber über unsere Side-Lane Druck aufgebaut. Das ist meine Auffassung: Mindestens eine der beiden Side-Lanes sollte immer Druck aufbauen. Wenn das nicht passiert, dann hat der Jungler Probleme, einen Fokus zu legen und auch das Vision-Game wird schwieriger. Da, auch aufgrund des aktuellen Meta-Games, Gamsu meist auf Tanks die Top-Lane unsicher machte, wäre es also unsere Aufgabe gewesen, Druck zu machen. Letztlich kann ich natürlich schwer behaupten, dass meine Auffassung zukunftsweisender ist - es ist aber nunmal meine Meinung.

SPORT1: Spielt Fnatic zusammen mit Klaj nun also gänzlich so, wie Rekkles es gerne hätte?

Noxiak: Es gab bisher erst vier Spiele mit Klaj. Dabei war Gamsu wieder Tank und auch die Bot-Lane spielte nicht sonderlich aggressiv. Einige Lane-Swaps waren auch dabei und dann ist das von mir beschriebene Konzept mit Druck auf Side-Lanes ja eh gänzlich anders.

SPORT1: Setzt Team ROCCAT deine Spielphilosophie um?

Noxiak: Ich denke, dass fredy als Carry-Top-Laner funktionieren würde - das war er zumindest bei SK. Jedoch lässt das aktuelle Meta-Game das nicht wirklich zu und ein knallharter Carry wie Huni oder Cabochard ist er auch nicht. Meine Bot-Lane mit Tabzz ist denke ich schon jetzt besser in Sachen Synergie, als das, was wir bei Fnatic hatten. Es fühlt sich gut an mit ihm zu spielen. Er ist auch offener für Kritik und bittet mich nach dem Game auch um Feedback. Er sucht die Diskussion mit mir und genau so macht das Spaß zu spielen.

SPORT1: Im letzten Jahr warst du Quereinsteiger für MYM, die ebenfalls auf dem letzten Tabellenplatz waren. Du hast eine Wende bei ihnen herbeigeführt, doch die Relegation konntest du nicht vermeiden. Nun passiert das Gleiche bei ROCCAT - was hat sich seitdem verändert?

Noxiak: Ich bin ein kompletterer Spieler geworden. Ich habe inzwischen einige LCS-Matches hinter mir und habe Erfahrungen gesammelt. Ich möchte jedoch nicht sagen, dass damals das Problem bei mir lag - ich denke nicht, dass ich damals ein schlechter Spieler war.

SPORT1: Du hattest nun zwei Tage, um zusammen mit ROCCAT zu trainieren. Was kannst du vom gemeinsamen Debüt gegen Unicorns of Love erwarten?

Noxiak: Wer weiß, vielleicht können wir das auch gewinnen. Ich gehe nicht mit der Erwartung in das Match, dass wir die Lane gewinnen. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das als Team schaffen können.

SPORT1: Wie liefen die Scrims heute?

Noxiak: Die liefen im Großen und Ganzen ziemlich gut. Ein paar Male war es vielleicht etwas unkoordiniert, aber mit einem neuen Spieler ist das auch normal. Ich bin außerdem positiv von Betsy überrascht. Ich dachte während seiner Gambit-Zeit, dass er ein normaler Mittelfeld-Mid-Laner sei, doch in der Zeit, in der ich gegen ihn spielte und nun, wo ich auch mit ihm spiele, habe ich eine neue Auffassung von ihm. Er hat ziemlich viel Potenzial.

SPORT1: Als du bei Fnatic hinzugestoßen bist, musste man die Kommunikation neu organisieren. Es wurden dedizierte Shot-Caller für gewisse Manöver ausprobiert. Wie ist das bei ROCCAT?

Noxiak: Es läuft bei ROCCAT demokratisch. Wir teilen das relativ gut auf und immer, wenn jemand eine gute Idee hat, dann sagt er es einfach. Das Team entscheidet dann, ob es tatsächlich gut ist und gemacht werden sollte.

SPORT1: Was kann man deiner Meinung nach nun insgesamt noch vom Spring Split erwarten?

Noxiak: Ich denke nicht, dass wir noch die Playoffs erreichen können. Dafür müssten einige Teams über uns sehr viel falsch machen - gerade, weil unsere verbleibenden Matches gegen die Top-Teams sind. Auch die Relegationsmatches sind wahrscheinlich unausweichlich. Unser Ziel ist also der Klassenerhalt - wir möchten mit ROCCAT in der LCS bleiben. 

SPORT1: Und was erwartest du dir von deiner Karriere in diesem Jahr?

Noxiak: Ich will nun einfach einmal mit einem Team lange zusammen spielen. Ich möchte die Erfahrung machen, mich mit anderen Spielern über einen längeren Zeitraum zu verbessern.

SPORT1: Du hast viel positive Resonanz erhalten während und nach deiner Zeit bei Fnatic. Es war immer ausgeschlossen, dass du das Team wegen schlechter Leistungen verlassen musstest. Hast du nach dem Ausstieg mehrere Angebote bekommen?

Noxiak: Ich habe mehrere Angebote bekommen von LCS- und Challenger Series-Teams. Das Gute an dem Deal mit ROCCAT war, dass wir eine Probezeit vereinbart haben und ich nicht gebunden bin. Außerdem sind die Konditionen gut. Des Weiteren sehe ich viel Potenzial in dem Team. Ich glaube fest daran, dass wir im nächsten Split etwas erreichen können.

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