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Ralf Rangnick von RB Leipzig und RB Salzburg nachdenklich
Sportdirektor Ralf Rangnick blickt nachdenklich © Getty Images

München und Doha - Der Transfer von Nils Quaschner innerhalb des Red-Bull-Imperiums scheitert. Ralf Rangnick wundert sich über die FIFA. SPORT1 beantwortet wichtige Fragen.

Von Mathias Frohnapfel, Daniel Becht und Reinhard Franke

Plötzlich steht RB Leipzig blamiert da. Das stetig wachsende Fußballimperium von Red Bull hat einen Riss bekommen. Und für Außenstehende erscheint es so, als ob Chefauseher Ralf Rangnick einen simplen Fehler gemacht hätte. Ein Fall von blöd gelaufen, oder?

Hätte Rangnick doch wissen müssen, dass Nils Quaschner, der  in der Winterpause von Salzburg nach Leipzig wechseln sollte, in dieser Saison schon für den FC Liefering spielte. Drei unterschiedliche Vereine in einer Saison, das gestatten die Statuten der FIFA aber nicht.

Entsprechend verweigerte der Weltverband jetzt die Spielberechtigung für den 18-Jährigen.

Rangnick verwundert

Rangnick wundert sich. "Liefering ist der Kooperationspartner von RB Salzburg, doch diese Vereinbarung akzeptiert die FIFA in diesem Fall scheinbar nicht", erklärte er im Gespräch mit SPORT1 in Doha.

"Wir werden den Fall grundsätzlich klären müssen. Denn mit Smail Prevljak haben wir einen Spieler, der den umgekehrten Weg gegangen ist." Prevljak hatte erst für Leipzig in der Zweiten Bundesliga gegen Aalen gespielt und danach in Österreich für Salzburg und Liefering.

"Nach Interpretation der FIFA wäre dieser Fall dann ebenfalls nicht erlaubt", findet Rangnick.

Seite an Seite im Trainingslager

In der Hauptstadt Katars bereiten sich sowohl Salzburg als auch Leipzig derzeit auf die Rückrunde vor. Quaschner schwitzte wenige hundert Meter von seinen alten Kameraden entfernt, wähnte sich bereits ein Stückchen weiter beim Traum von einer großen Karriere. Und die Leipziger stellten ja bereits Quaschner vor, der sich - selbstverständlich - auf die "Herausforderung Zweite Liga" freute.

Der Weltfußballverband machte jetzt dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung. Grundsätzlich in Frage gestellt sei die Kooperation zwischen dem FC Liefering und Red Bull Salzburg damit aber nicht, betont Rangnick bei SPORT1. Ein Spieler können nach der FIFA-Auslegung dann eben nur erst im Sommer wieder wechseln.

Liefering ideale Zwischenstation

Rangnick pocht auf Klärung des Sachverhalts. Denn die Kooperation spielt eine wichtige Rolle.

Denn mit dem Kniff des FC Liefering schienen sie ja in Österreich das Ei des Kolumbus neu entdeckt zu haben. Der Klub ist die ideale Zwischenstation für viele Talente: Wer für die U 18 zu alt ist, aber in der Zweiten Liga in Leipzig oder in der österreichischen Bundesliga nicht bestehen würde, ist dort perfekt aufgehoben: in Österreichs zweiter Spielklasse.

Hintergrund ist, dass im österreichischen Profifußball keine zweite Mannschaft erlaubt ist. Der FC Liefering, auch offiziell auf der RB-Homepage geführt, ist da die ideale Brücke.

"Liefering im Grunde eine Profimannschaft"

"Liefering ist unsere zweite Mannschaft, die im Grunde eine Profimannschaft ist", sagte dazu im vergangenen Jahr Ernst Tanner, Leiter der Salzburger Nachwuchsabteilung.

"Die Jungs müssen lernen, sich im Männerfußball zu behaupten, um sich für die nächste Stufe zu qualifizieren", erklärt der 48-Jährige.

Ironie der Geschichte für Nils Quaschner: Für den FC Liefering machte der Stürmer in dieser Saison lediglich ein Spiel, ehe die Verantwortlichen beschlossen, er sei bei Salzburg und in der höchsten Klasse Österreichs besser aufgehoben.

Quaschner hofft auf Wechsel im Sommer

Wie SPORT1 aus Quaschners Umfeld erfuhr, ist der taltentierte Jungprofi nach der Meldung geschockt und muss sich erst einmal sortieren. Im Moment geht er aber davon, dass es in der nächsten Transferperiode dann mit einem Wechsel nach Sachsen klappt.

Nils Quaschner trug in Doha bereits das Outfit von RB Leipzig
Nils Quaschner trug in Doha bereits das Outfit von RB Leipzig © imago

Leipzigs Trainer Alexander Zorniger ist nach dem geplatzten Transfer ebenfalls frustriert. "Ich halte es für eine Katastrophe. Es tut mir extrem leid für den Jungen", sagte er zu SPORT1.

RB wird sich jetzt bei der FIFA um einen generelle Klärung bemühen, ob Salzburgs Kooperation mit Juniorpartner FC Liefering in Ordnung geht. Viele Top-Klubs werden gespannt darauf achten, wie der Weltfußballverband urteilt.

Chelsea treibt Geschäft auf die Spitze

Kooperationen sind im internationalen Fußball üblich, besonders im Nachwuchsbereich. Manche Klubs machen sogar aus dem Talente-Kauf und -Verleih ein Geschäftsmodell, der FC Chelsea hat so derzeit gut 40 Leihspieler bei unterschiedlichen Klubs in Europa platziert.

Das Rennen um die besten Nachwuchsspieler wird immer erbitterter geführt, Profi-Verträge und Wechsel aus den Heimatländern sind ohne Begleitung der Eltern erst ab 16 Jahren erlaubt. Deshalb ist auch Real Madrid ins Visier der FIFA geraten, wie jetzt die Zeitung AS berichtete. 

FIFA ermittelt gegen Real

Der spanische Verband RFEF ist laut der Zeitung AS aufgefordert worden, der FIFA alle Informationen über Jugendspieler auszuhändigen, die in Reals "Partnerklubs" spielen. Die Königlichen arbeiten allein in der Metropolregion Madrid mit 22 Klubs zusammen.

Es geht angeblich auch um ausländische Klubs, bei denen sich Real das Vorzugsrecht gesichert haben soll.

Womöglich wurden die Ermittlungen durch die Verpflichtung von zwei zwölfjährigen Venezolanern durch Real ausgelöst.

In Deutschland hat der FC Bayern bis zum Jahr 2012 ebenfalls mit mehreren Vereinen kooperiert, dann aber alle Verträge aufgelöst. Die Münchner gaben damals an, neue eigene Wege gehen zu wollen. Damit haben sich die Münchner einem heiklen Feld entzogen.

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