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München - Nach Kaiserslauterns Sieg über Paderborn brodelt es am Betzenberg. Die Stimmung zwischen Fans und Team ist angespannt. Kapitän Chris Löwe reicht den Fans die Hand.

So mancher Fan des 1. FC Kaiserslautern erinnert sich noch an die Szene.

Trainer Milan Sasic beorderte seine Mannschaft vor die Westkurve im Fritz-Walter-Stadion, dorthin, wo die Treuesten der Treuen stehen. Minutenlang ließen sich Sasic und seine Spieler von den Fans beschimpfen und bespucken, doch das Team blieb stehen und ließ den Fan-Groll über sich ergehen.

So geschehen im April 2008 nach einem 0:2 gegen 1899 Hoffenheim. In der Saison damals kämpfte der FCK gegen den Abstieg in die Dritte Liga. Am letzten Spieltag gelang der Klassenerhalt.

Eine ähnliche Situation ereignete sich am Montag, nur mit dem Unterschied, dass sich das Team nach dem Spiel nicht vor die Kurve stellte, sondern grußlos in der Kabine verschwand. Wie damals lieferte der FCK auch am Montag zu Hause kein gutes Spiel ab, dieses Mal hieß der Gegner SC Paderborn.

Am Ende war es ein sehr glücklicher 1:0-Sieg. Torschütze war Chris Löwe. Der Kapitän. Doch ausgerechnet der 26-Jährige war Anstoß einer neuen Diskussion. Der Anstoß für einen Zoff zwischen Mannschaft und Fans. Die Anhänger bestrafen den FCK mit Liebesentzug.

Altbekanntes Problem

Das Problem ist ein Altbekanntes in der Pfalz: Die Profis und der Trainer der "Roten Teufel" kommen nicht mit der Erwartungshaltung der Fans zurecht. Der Traum vom Aufstieg ist so nicht zu realisieren.

Schon zur Pause quittierte Löwe das Pfeifkonzert der eigenen Fans mit höhnischem Beifall, nach dem Abpfiff erhitzte der neue FCK-Kapitän noch einmal die angespannte Stimmung zwischen Profis und Anhängern. "Ich fühle mich ungerecht behandelt", sagte der wütende Matchwinner hinterher. "Ich weiß nicht, was ein Teil der Fans will."

FCK-Kapitän Chris Löwe reagierte sauer auf die Pfiffe der Fans

Löwe-Reaktion via Facebook

Dabei ist doch völlig klar, was die Anhänger des Zweitligisten wollen: Nach drei knapp verpassten Aufstiegen in Folge möchte das Umfeld des viermaligen Meisters endlich zurück in die Bundesliga. Deshalb werden schwache Auftritte wie am Montagabend von den Fans nicht mehr toleriert - auch wenn am Ende ein glücklicher Sieg herausspringt.

Am Dienstag reichte Löwe den Fans die Hand und postete auf seiner Facebook-Seite Folgendes: "Ich möchte auch nicht alle Fans über einen Kamm scheren, aber einige Reaktionen gestern im Stadion kann ich einfach nicht verstehen. Ich habe immer gesagt, dass es für mich okay ist, wenn nach dem Spiel gepfiffen wird. Das ist legitim und das Recht von jedem, der ins Stadion kommt. Aber lasst uns doch einfach mal 90 min eine Einheit sein und es zusammen dem Gegner so schwer wie möglich machen."

"Lasst uns eine Einheit sein"

Sicherlich sei es "kein gutes Spiel"gewesen, "aber auch solche Spiele gibt es. Ich bin jetzt schon recht lange hier beim FCK und identifiziere mich voll und ganz mit dem Verein. Uns wird immer gesagt, das Wichtigste ist, dass wir kämpfen."

Löwe habe das Gefühl, "die FCK-Fans wollen, dass wir ehrlich und offen miteinander umgehen, Emotionen auch mal zeigen dürfen." 

Stich ins Lautrer Herz

Für die Fans in der Pfalz war der verpasste Aufstieg ein Stich ins teuflisch rote Lautern-Herz, doch Runjaic stellte schon vor dem Paderborn-Spiel im SPORT1-Interview klar: "Der Aufstieg war nicht das erklärte Ziel. Wir hatten andere Ziele und diese wurden übererfüllt."

Und weiter: "Als wir zum Saisonende oben dran waren, entstand natürlich der Wunsch, es zu packen. Aber in Bezug auf die konkrete Zielerreichung sollten wir bei aller Emotion bei den Fakten bleiben."

Runjaic kann "Reaktion nicht verstehen"

Mit dieser Erwartungshaltung kommen derzeit weder Runjaic noch die Mannschaft zurecht. "Die Reaktion einiger Fans kann ich einfach nicht verstehen. Der Schiedsrichter pfeift zur Halbzeit und es gibt ein Pfeifkonzert, als würden wir mit 0:3 zurückliegen. Das ist für mich nicht nachvollziehbar", sagte Löwe und ergänzte: "Das war sicher nicht unser bestes Spiel, aber wir haben drei Punkte."

Runjaic, dessen Team nach dem 4. Spieltag mit acht Punkten auf dem vierten Platz rangiert, sprang seinem Kapitän zur Seite (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Rückendeckung für Löwe

"Ich kann die Jungs verstehen, wenn sie ihrem Unmut mal Luft machen. Da hatte sich was aufgestaut in den letzten Monaten", äußerte der 44-Jährige.

"Ich weiß nicht, was die Leute hier wollen. Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Es gibt keine Aufstiegsgarantie. Wir haben nicht den größten Etat und sind eines der jüngsten Teams. Wir müssen kleinere Brötchen backen. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Leute das annehmen."

Doch genau das hört man im fußballverrückten Kaiserslautern nicht gerne. Und der Fan reagiert allergisch darauf, wenn man seinen Verein klein redet. Doch auch der Fan sollte inzwischen realisiert haben, dass der Graben zwischen Bayern München und dem FCK inzwischen riesengroß geworden ist, nicht nur wirtschaftlich. Die Gegner heißen Sandhausen und Paderborn und eben nicht Bayern oder Borussia Dortmund.

Und mit Sätzen von Runjaic wie "Man muss auch mal ein bisschen dankbar sein, wenn man so ein Spiel dreckig zu Hause gewinnt" wird dieser Graben nicht zwischen Mannschaft und Fans nicht unbedingt kleiner. Im Gegenteil.

Der Betze brennt. Schon nach vier Spielen.

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