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München - Nach seiner Suspendierung beim SC Paderborn spricht Nick Proschwitz jetzt bei SPORT1 das erste Mal über die "Penis-Affäre", seinen Rauswurf und Trainer Stefan Effenberg.

Nick Proschwitz hatte sich das gewiss alles ganz anders vorgestellt.

Der 29-Jährige fuhr mit dem SC Paderborn in das Trainingslager in die Türkei, doch zehn Tage später wurde er vom Verein suspendiert. Der Vorwurf: Er sollte sich vor einer Frau im Mannschaftshotel entblößt haben, hieß es.

Inzwischen hat der Stürmer einen neuen Verein gefunden. Er wechselte zum belgischen Erstligisten St. Truiden.

Im SPORT1-Interview spricht Proschwitz jetzt das erste Mal über die "Penis-Affäre", seine Suspendierung und sein Verhältnis zu Trainer Stefan Effenberg.

SPORT1: Herr Proschwitz, wie blicken Sie mit ein paar Tagen Abstand auf die "Penis-Affäre" zurück?

Nick Proschwitz: Ich war geschockt, wie die Medien diese ganze Geschichte ausgeschlachtet haben. Es wurde vieles übertrieben und es wurden auch Unwahrheiten verbreitet. Ich bin mir bewusst, dass ich einen Fehler gemacht habe. Aber ich habe zu keiner Zeit jemanden belästigt. Wie das durch die Presse ging, das hat sich nicht gut angefühlt.

SPORT1: Wie konnte es überhaupt dazu kommen?

Proschwitz: Wir haben im Trainingslager in der Türkei sehr gut und sehr hart trainiert, hatten im Schnitt zwei Einheiten am Tag und alle Mann haben zu 100 Prozent mitgezogen. Wir sind ans Limit gegangen und wollten an dem Abend einfach das Trainingslager ausklingen lassen, was für mich nicht gut geendet hat.

SPORT1: Welchen Fehler haben Sie gemacht?

Proschwitz: Ich möchte die Situation nicht mehr im Detail beschreiben. Aber der Fehler von mir und einigen Kollegen war, dass wir am letzten Abend des Trainingslagers noch ein paar Gläschen getrunken haben.

SPORT1: Dafür wird man aber nicht gleich suspendiert.

Proschwitz: Das stimmt. Ich habe einen dummen Spaß unter Jungs gemacht. Und mir wurde es zum Verhängnis, dass die Mitarbeiterin der Agentur, die das Trainingslager organisiert hatte, auch mit an unserem Tisch saß. Ich habe mich nicht vor ihr entblößt, sondern vor einem Kollegen. Das war wirklich nur eine Art Jungenstreich. Die Mitarbeiterin hatte von meiner Seite aus nichts zu befürchten. Auch für sie war das eine Katastrophe, dass sie in diese Geschichte mit reingezogen wurde.

SPORT1: Konnten Sie inzwischen mit der Frau reden?

Proschwitz: Ja, ich habe mit ihr gesprochen. Sie war auch der Meinung, dass die Presseberichte völlig überzogen waren und es alles andere als eine Belästigung war. Aber sie hat das ja schon klargestellt. Ich fand es gut, dass sie das gemacht hat. Aber klar, ich habe mich vor dem Kollegen entblößt und das war ein Fehler. 

SPORT1 Waren Sie so betrunken, dass sie nichts mehr mitbekommen haben?

Proschwitz: Das nicht, aber ich war schon angetrunken.

SPORT1: Wie verlief das Gespräch zwischen Ihnen und Präsident Wilfried Finke?

Proschwitz: Das war so, wie wenn man früher als Schuljunge vor dem Rektor antreten musste. Ich will nicht nachtreten, aber in meinen Augen hat Herr Finke leider zu schnell geurteilt. Ich habe ihm versucht zu erklären, wie es wirklich war. Aber die Meinung des Präsidenten war sehr schnell so, dass ich gehen sollte. Das tat weh.

SPORT1: Herr Finke sagte, dass er es nicht tolerieren könne, wenn ein Spieler sich in einem fremden Land vor einer Frau entblößt. Können Sie das verstehen?

Proschwitz: Ja. Es war nichts Heldenhaftes, was ich getan habe. Ich kann verstehen, dass man da nicht begeistert und sauer ist.

SPORT1: Wie hat Ihre Familie reagiert?

Proschwitz: Meine Freunde und die Familie haben in der vergangenen Woche zu mir gestanden. Das tat gut. Sie haben aber auch gesagt, dass ich aufpassen und mich nur auf das Sportliche konzentrieren soll.

SPORT1: Wie war Ihr Verhältnis zu Trainer Stefan Effenberg?

Proschwitz: Er ist eine Respektsperson und hat im Fußball alles erlebt. Wir hatten ein normales Trainer-Spieler-Verhältnis.

SPORT1: Hat er mit Ihnen nach dem Vorfall nochmal geredet?

Proschwitz: Nein. Auch verabschiedet hat er sich nicht von mir.

SPORT1:Jetzt geht es nach St. Truiden. Wie kam es dazu?

Proschwitz: Es kam ein Angebot und ich hatte gleich ein gutes Gefühl. Das kann sehr gut passen, weil es dort ein sehr familiäres Umfeld gibt. Ich bin dankbar für diese Chance.

SPORT1: Wussten die Verantwortlichen von Ihrer Suspendierung?

Proschwitz: Diese Geschichte war in ganz Europa in der Presse zu lesen und jeder wusste davon. Die Verantwortlichen hatten ihre Hausaufgaben gemacht und waren top informiert, auch darüber, was die junge Dame gesagt hat. Ich bin super aufgenommen worden. Dafür bin ich dankbar, denn das ist in so einer Situation nicht selbstverständlich.

SPORT1: Schafft Paderborn den Klassenerhalt?

Proschwitz: Ich wünsche dem Klub nur das Beste.

SPORT1: Was lernen Sie aus dieser Geschichte?

Proschwitz: Es war ein Warnschuss, um aufzuwachen und die letzten Jahre meiner Karriere noch zu genießen. Das will ich mit sportlichem Erfolg und nicht mit negativen Dingen. Ich blicke nach vorne.

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