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Paderborn-Coach Stefan Effenberg ist nicht im Besitz einer gültigen Lizenz. Sein Verein bestätigt, der Trainerverband übt Kritik. Bei SPORT1 äußert sich jetzt ein Experte.

Neue Sorgen für Chefcoach Stefan Effenberg beim abstiegsbedrohten Zweitligisten SC Paderborn. Der 47 Jahre alte Ex-Nationalspieler hat keine gültige Trainerlizenz.

"Unser Chef-Trainer konnte die Fortbildungsveranstaltungen zur Verlängerung der Trainerlizenz aus terminlichen Gründen nicht besuchen. Da er sehr kurzfristig bei uns in Paderborn eingesprungen war und hier eine umfangreiche Aufarbeitung im sportlichen Bereich nötig war, bestand für ihn keine Möglichkeit, entsprechende Termine im Herbst 2015 wahrzunehmen", bestätigte der SC Paderborn den Sachverhalt.

Effenberg selbst sagte bei Sky:"Ich habe keinen Führerschein, ich habe keinen Trainerschein, aber zumindest einen Bootsschein und einen guten Stoffwechsel", sagte Effenberg und fügte hinzu: "Im Ernst: Ich werde das nachholen, das wird am Montag passieren."

Effenberg hatte im März 2012 die Fußballlehrerlizenz erworben.

Laut DFB-Ausbildungsordnung verlangt der Verband von seinen Trainern auf höchstem Niveau, dass sie innerhalb von drei Jahren 20 Lerneinheiten an Fortbildungen nachweisen müssen.

"Sicherlich nicht den Kopf dafür"

Lutz Hangartner, der Präsident des Bundes Deutscher Fußballlehrer (BDFL), sagte SPORT1: "Innerhalb von drei Jahren muss Stefan Effenberg 20 Lehreinheiten erwerben. Er hatte zu seinem Start in Paderborn sicherlich nicht im Kopf, dass er seine Lizenz nach drei Jahren ausgelaufen ist und die Gültigkeit durch eine Fortbildung wieder hergestellt werden muss."

Ob Effenberg aktuell auf der Trainerbank sitzen darf, sei "eine Sache der DFL", so Hangartner.

"Es ist eine spezielle Situation. Natürlich fehlt ihm eine aktuelle Lizenz, aber die DFL hat in der Vergangenheit nie einen Trainer von der Bank runtergenommen, weil er keine aktuelle Lizenz hat, sondern ihm die Gelbe Karte gezeigt, wenn derjenige keine Stunden nachweist. Dann bekommt der Klub und der Trainer Probleme."

Hangartner wehrt sich gegen den Eindruck, er habe ein Bankverbot für Effenberg gefordert. "Aber wir sind der Auffassung, dass ein Trainer in den obersten Ligen schon in Besitz einer gültigen Lizenz sein muss."

Es sei "hier aber ein besonderer Fall, weil er im Oktober kam und bis Dezember schon die Stunden ableisten musste. Spätestens zur neuen Saison muss er die gültige Lizenz vorweisen können".

Fortbildung soll im März nachgeholt werden

Am Dienstagabend saß Effenberg beim 0:0 in Karlsruhe dennoch auf der Bank der Paderborner. (Highlights in Hattrick - die 2. Bundesliga ab 22 Uhr im TV).

"Wenn Effenberg sich bis zur neuen Saison keine neue Stunden aneignet und weiter Trainer in Paderborn sein kann, der Verein die Lizenz für die neue Saison beantragt, dann würde die DFL schon drauf schauen, ob er eine aktuelle Trainerlizenz hat."

"Wir haben uns mit dem DFB und der DFL abgestimmt, dass er im März drei entsprechende Veranstaltungen besuchen wird", sagte Vereinssprecher Matthias Hack der dpa.

Am Wochenende war Paderborn vom TSV 1860 München von Platz 16 verdrängt worden. Mit nur 19 Punkten aus 24 Spielen belegt Paderborn Rang 17.

Am 13. Oktober 2015 hatte Effenberg, dessen Vertrag bis zum 30. Juni 2017 läuft, den Verein auf Platz 15 übernommen.

Schützenhilfe von der Ehefrau im Verbalduell mit Rangnick

Zuletzt hatte ein Verbalduell mit RB Leipzig-Coach Ralf Rangnick nach dem 0:1 am Samstag für Schlagzeilen gesorgt, der Effenberg eine "Taktik wie vor 30 Jahren" vorgeworfen hatte. Paderborn habe "mit zehn Mann 90 Minuten Manndeckung" gespielt.

Danach hatte Effenbergs Ehefrau Claudia via Twitter gegen Rangnick zurückgekeilt: "Der soll sich doch einfach über 3 Punkte freuen und nicht auch noch lästern", schrieb sie, löschte den Post aber später.

Beeck sieht keine Zukunft in Paderborn

SPORT1-Kolumnist Christian Beeck hat das Verhalten als "peinlich" bezeichnet und sieht ohnehin keine Zukunft für Effenberg in Paderborn:

"Effenberg macht das jetzt seit Oktober und es ist nichts besser geworden. Man hat Leistungsträger verloren, die Qualität hatten, und andere Spieler geholt. Doch es ist keine Philosophie zu erkennen. Ich bin gespannt, wer zuerst die Reißleine zieht, Effenberg oder Finke."

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