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Dieter Hecking zu Gast bei Jörg Wontorra im Volkswagen Doppelpass
Dieter Hecking zu Gast bei Jörg Wontorra im Volkswagen Doppelpass © SPORT1

Im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 spricht Wolfsburgs Dieter Hecking Klartext zum Transfer von Andre Schürrle. Auch zum Rückrunden-Coup gegen den FC Bayern, dessen mögliches Begehr an Kevin De Bruyne und den Hamburger SV bezieht der Coach Stellung.

Der Wechsel von Weltmeister Andre Schürrle vom FC Chelsea zum VfL Wolfsburg wird immer mehr zur Hängepartie.

"Wir bemühen uns intensiv um ihn, aber der Stand der Dinge ist, dass wir weiterhin keinen Vollzug melden können", sagte Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1. "Andre Schürrle könnte unserer Spielweise gerecht werden."

Hecking deutete allerdings an, dass der Wechsel noch an den Forderungen der Londoner scheitern könnte:

"Es hakt daran, dass noch keine Einigung da ist", so der Coach. "Es ist so, dass sich Andre klar geäußert hat, dass er gerne zum VfL Wolsburg wechseln möchte. Wir wollen ihn gerne haben. Und wenn die beiden Voraussetzungen da sind, weiß man, woran es klemmt."

Financial Fairplay unberührt

Die Regelungen zum Financial Fairplay stünden dem Transfer aber nicht im Wege: "Wenn wir uns mit so einem Transfer beschäftigen, können Sie davon ausgehen, dass wir das auch stemmen können. Ohne Financial Fairplay in irgendeiner Weise zu berühren."Hecking fügte an: "Wir sollten alle froh sein, dass es einen Verein gibt, der den Bayern auf diesem Gebiet Paroli bieten kann."

Es sei "ein Signal an unsere Mannschaft, dass der Weg in die Champions League führt. Spielern wie Luiz Gustavo oder Kevin de Bruyne musst du zeigen, dass es weiter geht."

Man werde deshalb weiter an der Verpflichtung Schürrles arbeiten: "Klaus Allofs (Geschäftsführer Sport beim VfL , Anm. d. Red.) wird viel telefonieren, um diesen Wechsel zu ermöglichen, so Hecking: "Ich hoffe, dass es klappt."

Allofs skeptisch

Allofs selbst wird langsam jedoch ebenfalls skeptisch: "Es gibt im Moment keine Einigung. Die Zeit läuft ab. Die Möglichkeiten werden von Stunde zu Stunde geringer", sagte er den Wolfsburger Nachrichten.

Der 42-malige Nationalspieler Schürrle soll beim VfL einen Vertrag bis 2019 bekommen. Wolfsburg ist wohl bereit, eine Ablösesumme von 30 Millionen Euro zu zahlen.

Das reicht Chelsea offenbar nicht. "Es liegt am Geld", bestätigte Allofs, meinte aber auch: "Wir würden es weiter gerne machen." Es gebe indes ein finanzielles Limit, erklärte Hecking: "Ich denke, Klaus wird eine ganz klare Grenze mitgeteilt haben."

Sollte der Transfer noch klappen - das Transferfenster schließt am Montag um 18 Uhr - , könnte Schürrle im Spiel bei Eintracht Frankfurt (Di., 19.30 Uhr im LIVE-TICKER) im Kader stehen: "Wenn er denn morgen bei uns wäre, würde ich das nicht ausschließen", sagte der Trainer.

De Bruyne im Bayern-Fokus?

Die Spekulationen über ein mögliches Interesse des FC Bayern an Kevin de Bruyne lassen Hecking unterdessen recht kalt.

"Angst habe ich nicht, dass er geht", sagte er. "Es gibt nur acht Mannschaften in Europa, die noch mal höher stehen als wir. Aber wenn du einen Spieler hast, wie Kevin de Bruyne, kann es immer passieren, dass er weggekauft wird. Es ist dann auch eine Wertschätzung für unsere Arbeit."

Hecking erklärt Rückrunden-Coup

Dass der VfL auf dem richtigen Weg ist, bewies nicht zuletzt das 4:1 zum Rückrundenstart gegen eben genau jene Bayern.

"Nach dem 1:0 war das Gefühl gut. Es war kein Selbstläufer, aber die Mannschaft hat richtig gut gespielt. Als Trainer hat man eine Idee für das Spiel. Wir haben sehr schnell gespielt. Wir wussten, dass die Bayern hoch spielen. Und wir haben die Qualität gezeigt, dass auch auszunutzen", sagte Hecking.

Gleichwohl wollte der Coach den Coup mit Blick auf die noch lange Saison nicht überbewerten: "Wir beurteilen den Ist-Zustand. Acht Punkte sind eine Menge. Wir sollten jetzt keine Luftschlösser bauen. Platz Zwei ist ein gutes sportliches Ergebnis. Wir haben in der Winterpause das Ziel korrigiert. Wir wollen im nächsten Jahr Champions-League spielen. Aber wenn es geht, will ich auch Erster werden."

HSV "ohne festen Anker"

Davon ist der Hamburger SV im Tabellenkeller nach dem 0:2 gegen den 1. FC Köln meilenweit entfernt.  

"Es hat den Anschein, dass die Führungsspieler beim HSV nicht funktionieren", meinte Hecking. "Da können auch die jungen und talentierten Spieler wie Matthias Ostrzolek nicht funktionieren. Sie haben keinen festen Anker. Sie wurden einfach in das Haifischbecken Hamburg reingeworfen."

"Dem HSV muss es gelingen, wieder eine Achse zu bilden", sagte Hecking. "In einer gut funktionierenden Mannschaft ist die Achse das wichtigste. Die jungen Spieler werden nach jedem Fehler kritisiert. Du brauchst aber Führungsspieler, die die Jungen mitnehmen."

Lob für Olic, aber...  

Dass Rückkehrer Ivica Olic, vor wenigen Tagen noch bei Hecking in Wolfsburg am Ball, dem HSV neues Leben wird einhauchen können, glaubt Hecking sehr wohl.  

"Ich glaube schon, dass es für den HSV zu diesem Zeitpunkt wirklich eine gute Personalie war. Er hatte in seiner Lebensplanung eh den Rückzug nach Hamburg vor. Die Familie fühlt sich sehr wohl in Hamburg. Er hat uns sehr glaubwürdig gesagt, dass es sein Wunsch ist."

Hecking meinte aber auch: "Alleine wird er es sicherlich nicht reißen können. Es kommt schon darauf an, was ihm von seinen Mitspielern an Möglichkeiten gegeben wird. Aber: Von der läuferischen Leistung her ist er ein Vorbild, und außerdem hat er einen unglaublichen Abschluss."

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