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München - Im SPORT1-Interview spricht der frühere Bundesliga-Manager Dieter Hoeneß über seine Ex-Klubs VfB Stuttgart, Hertha BSC, den VfL Wolfsburg und verrät Aktuelles über seinen Bruder Uli.

Dieter Hoeneß war einer der erfolgreichsten Stürmer in der Vereinsgeschichte des FC Bayern.

Der heute 62-Jährige erzielte für die Münchner zwischen 1979 und 1987 in 224 Spielen 102 Tore. Mit dem Rekordmeister gewann der frühere Mittelstürmer fünf Mal die Deutsche Meisterschaft und drei Mal den DFB-Pokal.

Nach seiner Karriere als Profi wurde Hoeneß 1990 Manager. Zuerst beim VfB Stuttgart, dann bei Hertha BSC und zuletzt war er Geschäftsführer beim VfL Wolfsburg. Heute ist er als Berater tätig. 

Im SPORT1-Interview spricht Hoeneß über seine Ex-Vereine und sagt, wie es seinem Bruder Uli geht.

SPORT1: Herr Hoeneß, Sie verfolgen sicher das aktuelle Bundesliga-Geschehen. Wie beurteilen Sie die Lage?

Dieter Hoeneß: Grundsätzlich ist es immer so, dass die Karten nach der Winterpause wieder neu gemischt werden. Die Bremer haben einen Blitzstart geschafft, bei den Bayern hat es etwas gedauert, aber sie nehmen jetzt auch wieder Fahrt auf, was rechtzeitig zur Champions League wichtig ist. Auch die Wolfsburger sind gut drauf. Es bleibt in allen Bereichen spannend und das ist das Schöne.  

SPORT1: Kommen wir zu Ihren Ex-Klubs. Der VfL Wolfsburg ist dabei, zweite Kraft hinter Bayern München zu werden und inzwischen scheinen sie diese Rolle auch anzunehmen. Wie sehen Sie die "Wölfe"?

Hoeneß: Die Wolfsburger sind grundsolide aufgestellt und hatten Gott sei Dank auch die nötige Zeit, alles in Ruhe aufzubauen. Klaus Allofs und Dieter Hecking haben bisher tolle Arbeit abgeliefert, und natürlich hilft das Geld, aber nur das reicht nicht. Du muss sukzessive eine Mannschaft aufbauen und das machen die Beiden sehr gut. Das geht aber nicht von heute auf morgen, sondern war bis heute ein Prozess, doch jetzt wird der VfL eine feste Größe in der Spitze. Er ist schon auf die nächsten Jahre hinaus ein Anwärter auf die Plätze zwei bis vier. Platz eins ist auch in den nächsten Jahren an den FC Bayern vergeben.

Dieter Hoeneß, VfL Wolfsburg, VfB Stuttgart
SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) traf sich mit Dieter Hoeneß zum Interview © SPORT1

SPORT1: Warum hat das damals nicht so geklappt, als Sie in Wolfsburg waren?

Hoeneß: Das ist relativ einfach. Klaus Allofs hat mit Dieter Hecking einen Glücksgriff getan und ich hatte damals mit Steve McClaren einen guten Trainer geholt, doch das hat nicht gepasst. Ich würde im Nachhinein keinen Trainer mehr verpflichten, der kein Deutsch spricht. Die Mannschaft befand sich im Umbruch, Edin Dzeko und Zvjezdan Misimovic wollten schon weg, bevor ich kam und Spieler wie Grafite und Josue waren über dem Zenit. Wenn man also eine neue Mannschaft aufbauen muss, ist Kommunikation enorm wichtig. Wenn man etwas Geduld gehabt hätte, dann hätte man den Weg wie heute auch gehen können. Und ich hätte mir das auch zugetraut, aber damals war die Sorge da, dass man absteigt. Mit Klaus Allofs hat man jetzt einen sehr guten Mann, nachdem zwischendurch Felix Magath da war.  

SPORT1: Wie sehen Sie Ihren anderen Ex-Klub, den VfB Stuttgart?

Hoeneß: Es ist offensichtlich, dass die Mannschaft Stück für Stück die Struktur verloren hat. Man hat es versäumt über die Jahre hinweg eine Achse aufzubauen, an der sich die jungen Spieler entwickeln und sich an so einer Achse orientieren konnten. Der VfB hatte immer eine phantastische Jugendarbeit. So eine Achse ist auch ein wichtiger Faktor für einen Trainer. Zudem fehlen einfach die Integrationsfiguren für die Fans. Dadurch ist eine Unzufriedenheit entstanden, die sich dann auch auf dem Platz bemerkbar gemacht hat. Da muss man eine Struktur reinkriegen.

SPORT1: Können das Huub Stevens und Robin Dutt?

Hoeneß: Ich kenne Huub sehr gut. Er geht seinen eignen Weg und ich glaube, wenn es einer schafft in so einer Situation die Sache noch zu retten, dann er. Danach muss perspektivisch Aufbauarbeit geleistet werden. Momentan geht es nur darum die Klasse zu halten. Das wird schwer genug, aber es gibt eine Reihe von Mannschaften, die hinten drin stecken. Dortmund wird sich befreien, Bremen ist schon auf dem Weg und auch der HSV scheint den Abstiegskampf angenommen zu haben. Zudem hat die Hertha das letzte Spiel gewonnen. Das letzte Wochenende war keines für den VfB. Dutt kann im Moment relativ wenig machen. Jetzt liegt die Hauptlast bei Huub Stevens.  

SPORT1: Auch die Hertha ist ein Sorgenkind. Was sagen Sie zur "Alten Dame"?

Hoeneß: Ich glaube, dass der Trainerwechsel insofern richtig war, wenn es wirklich so war, dass das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer gestört war. Die Frage ist nur, ob dieser Schritt nicht hätte früher passieren müssen. Jetzt hat der Wechsel einen ersten Erfolg gebracht und man sieht auch, dass da ein kleiner Ruck durch die Mannschaft gegangen ist. Eins ist klar: Jos Luhukay war 2012 der richtige Trainer, der Kontinuität und Ruhe reingebracht und der Truppe Struktur gegeben hat. Er war der Hauptverantwortliche für den Aufstieg und hat in Berlin tolle Arbeit abgeliefert. Doch offenbar ist er für den nächsten Schritt nicht der Richtige gewesen.

SPORT1: Sie haben viele Jahre mit Pal Dardai zusammengearbeitet. Ist er jetzt der richtige Mann als Trainer?

Hoeneß: Pal ist ein knallharter Profi, der Solidarität und Professionalität vorlebt. Er gibt alles. Er hat früher schon wie ein Trainer gedacht und über den Tellerrand hinaus geschaut. Wie er als Trainer arbeitet, das weiß ich nicht. Offensichtlich hat er in der Mannschaft in den wenigen Tagen schon etwas bewirkt, nachdem es zuletzt sehr trostlose Spiele gab. Allerdings sollte man nicht zu vorschnell Loblieder singen. Aber der Start unter pal ist ein Pluspunkt. Er ist mit dem Herzen voll dabei. Die Hertha ist sportlich sein zentraler Mittelpunkt. Vom emotionalen sehe ich da gar keine Probleme.

SPORT1: Herthas Sportchef Michael Preetz hat in fünf Jahren sechs Trainer verschlissen. Ist es richtig, dass er weitermachen darf?

Hoeneß: Die Arbeit von Michael Preetz möchte ich nicht beurteilen, das sollen andere machen. Doch die Entwicklung in den letzten Jahren im Verein ist ein Beleg dafür, dass es schwierig ist in Berlin zu arbeiten. Das ist kein Selbstläufer.

SPORT1: Abschließende Frage: Wie geht es Ihrem Bruder Uli? Er hat sehr stark abgenommen. Muss man sich Sorgen machen?

Hoeneß: Nein. Dass er so stark abgenommen hat, ist gewollt. Es steckt keine Krankheit dahinter. Ganz im Gegenteil. Er hat in der Jugendarbeit beim FC Bayern wieder eine Aufgabe und das ist in der schweren Zeit ein erster Lichtblick. Er wird der Sache in gewohnter Form nachgehen und dort auch seine Spuren hinterlassen. Es wird aber noch ein harter Weg für Uli. Natürlich geht er seine neue Aufgabe mit großem Elan und der nötigen Begeisterung an.      

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