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Xabi Alonso und Thomas Müller vom FC Bayern sind enttäuscht nach der Pleite beim VfL Wolfsburg
Missratener Rückrundenauftakt: (v.l.) Xabi Alonso und Thomas Müller sind mit dem FC Bayern aber trotz der Pleite beim VfL Wolfsburg noch immer souveräner Tabellenführer © Getty Images

München - Die Pleite beim VfL Wolfsburg nimmt dem FC Bayern den Nimbus der Unantastbarkeit. Doch Helmer glaubt: Die Konkurrenz muss sich warm anziehen. Arjen Robben spricht vom Weckruf.

Es sind unangenehme Wochen für den FC Bayern . Und das trotz der noch immer souveränen Tabellenführung.
Moralisch am Pranger für die Reise zum Testspiel nach Saudi-Arabien wegen der dortigen Menschenrechtssituation.
Zum gleichen Thema Scharmützel mit Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger - der wiederum von Pseudonym-Blogger "Säbener Sigi" in dessen Kolumne auf der FCB-Homepage angegangen wird.
Interne Turbulenzen außerdem, weil Robert Lewandowksi bekennt, Manuel Neuer bei der Weltfußballer-Wahl nicht die meisten Stimmen gegeben zu haben.
Und nun ein krasser Rückrunden-Fehlstart angesichts des 1:4 (0:2) beim VfL Wolfsburg.

"Müssen jetzt die Kurve kriegen"

Kurzum: Bei den Bayern knirscht und knarzt es. In den 40 Tagen seit dem Ende der Hinrunde ist der Spielrhythmus flöten gegangen.
"Wir hatten sechs Wochen Pause. Jetzt müssen wir wieder spielen und analysieren, was passiert ist", meinte Trainer Pep Guardiola nach der ersten Bundesliga-Niederlage seit 293 Tagen, zugleich die höchste Bundesliga-Niederlage seit 2009 (ein 1:5, auch in Wolfsburg).
"Wir müssen jetzt die Kurve kriegen", ergänzte Arjen Robben mit Blick auf die anstehende englische Woche mit den Partien gegen den FC Schalke (Di., 19.30 Uhr im LIVE-TICKER) und am Wochenende beim VfB Stuttgart.   

Keine Krise, aber...

Von Krise kann freilich trotzdem keine Rede sein beim Rekordmeister.
Zu dominant hat das Münchner Starensemble die Saison bisher gestaltet, zu deutlich ist nach wie vor das Polster auf die Verfolger (acht Punkte vor Wolfsburg), zu sehr wirkt das Debakel in Wolfsburg bloß wie ein Betriebsunfall.  
Und dennoch: Der Premium-Lack hat einen bösen ersten Kratzer davongetragen. Eine tiefere Beule könnte folgen, sofern die Bayern fortan ähnlich fahrlässig hantieren wie im Duell mit den "Wölfen".   

Helmer: "Bayern hat Harakiri gespielt"

"Bayern hat teilweise Harakiri gespielt. Sie standen viel zu hoch und so gingen viele Bälle durch die Mitte durch", analysierte Thomas Helmer im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.
Wolfsburgs Coach Dieter Hecking bestätigte das: "Wir wussten, dass die Bayern hoch spielen. Und wir haben die Qualität gezeigt, das auch auszunutzen. Wir haben sehr schnell gespielt."
Das haben andere gegen die Bayern in dieser Saison zwar auch.
Doch sowohl gegen den FC Schalke (1:1) als auch gegen Borussia Mönchengladbach (0:0) entging Guardiolas Personal mit kühlem Kopf einer Pleite.

Wolfsburger Anschauungsunterricht

Dafür lieferte nun Wolfsburg Anschauungsunterricht für die ganze Liga - dank starker Balleroberung im Zentrum und schnellen, geradlinigen Konterspiels (KOMMENTAR: Der FC Bayern macht sich angreifbar).
Während beim FCB das gewohnte Kurzpassspiel nie in Schwung kam, die gewohnte Spielkontrolle ebenso fehlte wie ein erkennbares Konzept.

Sein Übriges tat, dass die Abwehr um vor allem Dante und Jerome Boateng dilettierte, Lewandowski in der Spitze vereinsamte, Bastian Schweinsteiger und Xabi Alonso dazwischen im Mittelfeld zu langsam und ohne Abstimmung agierten.

"Bastian Schweinsteiger und Xabi Alonso nebeneinander, das ist zu starr und defensiv, das ist nicht die Spielweise des FC Bayern", monierte deshalb Ehrenpräsident Franz Beckenbauer bei Sky. "Man müsste einen Wechsel vornehmen", fand er.

Guardiola verzockt sich

"Wir haben die Ordnung verloren und uns relativ einfach auskontern lassen. Das darf uns nicht passieren", sagte Schweinsteiger selbstkritisch. Obendrein verzockte sich auch noch Guardiola.
Beim Stand von 0:2 brachte er Verteidiger für Verteidiger, ersetzte den schwachen Sebastian Rode durch den unerfahrenen Mitchell Weiser.
Mario Götze und Claudio Pizarro bot der Spanier zudem viel zu spät auf (71.).

Spott im Netz - und ein Vergleich mit Real

Schadenfreude lässt dann natürlich nicht lang auf sich warten.
Die Netz-Gemeinde spottete vor allem über Dante sowie Thomas Müller für dessen allzu flapsigen  Spruch in der Winterpause ("Es ist oftmals schwieriger gegen unsere Trainingsmannschaft zu gewinnen als jetzt vielleicht gegen eine Mannschaft in der Bundesliga").
Die internationale Presse verglich den Tiefschlag in der niedersächsischen Provinz sogar mit Bayerns Champions-League-Aus in der Vorsaison.
"Wolfsburg im Stile Real Madrids", schrieb etwa "El Mundo" aus der spanischen Hauptstadt. (Internationale Presse zerreißt Bayern)

"Wolfsburg einfach extrem gut"

"Endlich hat sich mal ein Gegner getraut, 90 Minuten gut zu spielen. Die Bayern waren nicht zu schlecht, sondern Wolfsburg war einfach extrem gut", resümierte selbst Helmer.
Dass der FCB nun indes ernsthaft aus dem Tritt kommen wird, glaubt der Ex-Profi und SPORT1-Experte keineswegs.

"Die Münchner werden so ein Spiel nicht mehr abliefern. Ich befürchte, dass die anderen Mannschaften jetzt das ausbaden müssen, was Wolfsburg den Bayern angetan hat."

Robben spricht von Weckruf

Schalke und Stuttgart dürften sich demnach warm anziehen.
Zumal die Bayern darauf brennen, die Scharte schnell auszuwetzen.  
"Die englische Woche kommt jetzt gerade richtig", sagt Manuel Neuer. "Es wäre schlimm, wenn wir acht Tage auf das nächste Spiel warten müssten."
Und Robben meint: "Diese Pleite ist ein Wake-up-Call."
Ein Weckruf, der die Querelen der vergangenen Wochen mit einem Schlag beenden und den Nimbus der vorherigen Unantastbarkeit wiederherstellen soll.

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