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Frankfurt am Main und München - Das DFB-Sportgericht hat die Sperre für Bayerns Innenverteidiger Jerome Boateng von drei auf zwei Spiele reduziert. Das wirft Fragen auf. SPORT1 gibt die Antworten.

Von Dennis de Haas und Thorsten Siegmund

Jerome Boateng schüttelte dem Richter die Hand und nickte anerkennend. Der Ausflug nach Frankfurt endete für den Profi des FC Bayern mit einem Erfolg.

Eigentlich sollte er nach seinem Platzverweis gegen Schalke 04 drei Bundesliga-Spiele aussetzen. Das DFB-Sportgericht mit seinem Vorsitzenden Hans E. Lorenz reduzierte die Sperre jedoch.

Boateng muss nach der Pause beim VfB Stuttgart nun nur noch gegen den Hamburger SV zuschauen. Im Auswärtsspiel beim SC Paderborn ist er wieder spielberechtigt.

Die Reduzierung von drei auf zwei Spiele wirft Fragen auf. SPORT1 liefert die Antworten.

Wie begründet das DFB-Sportgericht die Reduzierung?

Boateng hatte im Spiel gegen den FC Schalke Sidney Sam als letzter Mann im Strafraum gefoult. Anschließend hielt Bayern-Torwart Manuel Neuer den daraus resultierenden Elfmeter von Eric Maxim Choupo-Moting.

Im DFB-Jargon heißt das "Verhinderung einer offensichtlichen Torchance durch ein nicht schwerwiegendes Foulspiel ohne anschließenden Torerfolg". Das bestraft das Sportgericht in der Regel mit einer Sperre von zwei Spielen.

Boateng ist ein Wiederholungstäter. Darum wurde die Sperre zunächst auf drei Spiele ausgeweitet. Das Sportgericht verkürzte sie wieder.

"Wäre im vorliegenden Fall der Elfmeter verwandelt worden, hätte Jerome Boateng trotz Vorbelastung nur ein Spiel Sperre erhalten. Die Tatsache, dass Manuel Neuer den Elfmeter gehalten hat, sollte zu keiner zweihundertprozentigen Erhöhung der Sperre auf drei Spiele führen", erklärte Lorenz bei SPORT1.

Heißt also: Ein Spieler darf nicht als Wiederholungstäter und zusätzlich für einen gehaltenen Elfmeter bestraft werden.

Warum gilt Boateng als Wiederholungstäter?

Der Abwehrspieler hat gegen Schalke seinen fünften Bundesliga-Platzverweis kassiert.  Zwei gab es noch im Trikot des Hamburger SV, dreimal musste er mittlerweile als Bayern-Profi runter.

Jerome Boateng und Kerem Demirbay
Am 33. Spieltag der Vorsaison leistete sich Jerome Boateng eine Tätlichkeit © Getty Images

Zuletzt sah er im Mai 2014 eine Rote Karte. In der Partie beim HSV verpasste er Kerem Demirbay einen Kopfstoß. Der DFB sperrte den Nationalspieler für zwei Partien. Diese Aktion war aus Boatengs Sünderkartei noch nicht gestrichen worden.

Wer ist der Richter?

Hans E. Lorenz eröffnete die Verhandlung mit einem Scherz. "Hat Herr Neuer etwas gegen Sie? Wenn er den Elfmeter reingelassen hätte, dann hätten sie nur ein Spiel bekommen", sagte der Richter.

Für seine lockeren Sprüche ist der 63-Jährige bekannt. Vor eineinhalb Jahren stand er bei den Verhandlungen zum "Phantomtor von Sinsheim" im Mittelpunkt. Die TSG Hoffenheim wollte ein Wiederholungsspiel gegen Bayer Leverkusen erzwingen. Phantomtorschütze Stefan Kießling musste aussagen.

Hans E. Lorenz (r.) begrüßt Stefan Kießling
Hans E. Lorenz entschied nach dem "Phantomtor von Sinsheim" auf eine Tatsachenentscheidung © Getty Images

"Jetzt haben Sie endlich mal eine Einladung vom DFB bekommen", sagte Lorenz zu Kießling und spielte auf dessen Nicht-Berücksichtigung für die Nationalmannschaft an. Außerdem wollte er Kießling dazu verurteilen, "1000-mal zu versuchen, den Ball durch dieses Loch ins Tor zu köpfen".

Hat Boateng als Bayern-Profi einen Bonus?

Nach der Verhandlung regten sich viele Bayern-Gegner in Foren und Sozialen Netzwerken auf. Sie hatten mit einer Reduzierung bereits gerechnet, weil Boateng schließlich für den Branchenprimus spielt.

Hans E. Lorenz wollte von einer "Lex Bayern" nichts wissen. "Das ist keine Entscheidung für Boateng oder Bayern München. Das ist eine Rechtssprechung, die für alle Fälle in der Zukunft gilt", sagte Richter.

Zuletzt war das DFB-Sportgericht auch bei einem anderen Klub gnädig. Klaas-Jan Huntelaar vom FC Schalke wurde nach einer Tätlichkeit zunächst vom Kontrollausschuss für sechs Spiele gesperrt.

Doch die Richter zeigten Milde. Nun muss Huntelaar nur vier Partien aussetzen, allerdings darf er sich demnächst nichts mehr erlauben. Die anderen beiden Spiele sind nur zu Bewährung ausgesetzt worden.

Wie reagieren die Bayern?

"Wenn Manuel den Ball reingelassen hätte, würden wir jetzt wegen des Verdachts der Wettmanipulation hier sitzen", sagte Sportvorstand Matthias Sammer noch im Gerichtssaal.

Später war er erleichtert. "Ich bin kein Jurist, aber schon nach der Roten Karte habe ich gesagt, dass man vernünftig miteinander reden kann", sagte Sammer und ergänzte: "Neben den Regeln sollte das Spiel immer im Mittelpunkt stehen."

Auch der Übeltäter verließ Frankfurt mit einem guten Gefühl. "Ich bin glücklich, dass ich jetzt nur noch ein Spiel gesperrt bin. Der Richter hat die Reduzierung der Strafe gut erklärt", sagte Boateng der Bild.

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