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München - Bayern-Trainer Pep Guardiola positioniert sich nach dem Rücktritt von Müller-Wohlfahrt. Seine Aussagen sind aber interpretationsfähig. SPORT1 klärt auf.

Die Hände von Pep Guardiola wanderten beständig hoch und runter. Dann klopfte sich der Coach des FC Bayern auf die Brust, als er sagte: "Der Trainer ist der Verantwortliche."

Es war seine Art zu zeigen, dass er kämpft und dass er nach dem Rücktritt von Mannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt weiter die Zügel in der Hand hält. Er hat den Machtkampf mit dem renommierten Mediziner gewonnen, der ja schon 1977 für den FCB arbeitete. Guardiola, der Unerschütterliche. (BERICHT: Das steckt hinter dem Ärzte-Eklat)

Doch nach der emotionalsten Pressekonferenz des Jahres - in der der FC Bayern eigentlich gar keine Fragen zu Müller-Wohlfahrt zulassen wollte - lassen seine Zitate an der Säbener Straße Raum für Interpretationen. SPORT1 sagt, was seine Aussagen bedeuten.

Das sagt Pep Guardiola: "Es war seine Entscheidung. Ich kann die Entscheidung nur akzeptieren."

Das steckt dahinter: Der Bayern-Trainer muss nicht nachtreten, nachdem er den Kampf mit Müller-Wohlfahrt gewonnen hat. Er will sagen: Das ist nicht mein Stil. (NEWS: FC Bayern benennt neuen Teamarzt)

Guardiola lag mehr oder weniger seit Amtsantritt 2013 im Clinch mit Müller-Wohlfahrt. Ihm passte nicht, dass der Vereinsarzt keine Praxis am Klubgelände hatte. Guardiola schickte seinen Lieblingsspieler Thiago Alcantara zur Behandlung nach Barcelona.

Wenig später verletzte sich Thiago an der gleichen Stelle erneut. Guardiola blieb stur, wetterte im September 2014 nach dem Sieg in Köln gegen "Mull": "Wir müssen noch mal mit den Ärzten sprechen. Jerome Boateng muss immer vorzeitig raus." Kein Geheimnis: Es herrschte - trotz aller gegenteiligen Bekundungen - Eiszeit zwischen Müller-Wohlfahrt und Pep.

Das sagt Guardiola: "Wenn wir verlieren und Spieler verletzt sind, dann ist das nicht die Verantwortung des Doktors. Fußball ist Fußball, ich habe keine Zeit zu lamentieren."

Das steckt dahinter: Für Bayerns 1:3 in Porto und für die zahlreichen Verletzten will Guardiola dem Doktor keine Schuld geben, er will auch der Mannschaft kein Alibi verschaffen. Warum warf aber Müller-Wohlfahrt hin? Er schrieb in seiner Pressemitteilung, seine Abteilung sei "aus unerklärlichen Gründen" für die Schlappe in Porto verantwortlich gemacht worden.

Nach Informationen des SID und der Bild soll es in der Kabine zu Diskussionen zwischen FCB-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, einem klar bekennenden Befürworter Guardiolas ("Wir sind Brüder im Geiste" - exklusiv bei SPORT1), und dem Arzt gekommen sein.

Das sagt Guardiola: "Wir können lamentieren, aber wir brauchen gegen Porto eine große Mentalität, wir dürfen nicht wie gegen Real zwei, drei Tore zu bekommen in den ersten 20, 30 Minuten."

Das steckt dahinter: Der Bayern-Trainer setzt jetzt alles auf eine Karte. Volles Risiko. Er will ins Champions-League-Halbfinale, seine Mannschaft darf sich nach dem 1:3 keinen Fehltritt mehr leisten. Es ist wie im Casino. Rot oder Schwarz heißt: weiterkommen oder es wird für Pep eng.

Das sagt Guardiola: "Das ist nicht die Verantwortung von Markus Hörwick, nicht vom Vorstand, nicht von den Physios, sondern von mir, jeder hat Verantwortung für seine Abteilung."

FC Porto v FC Bayern Muenchen - UEFA Champions League Quarter Final: First Leg
Pep Guardiola verlor mit dem FC Bayern das Hinspiel beim FC Porto mit 1:3 © Getty Images

Das steckt dahinter: Guardiola will die Verantwortung auf niemanden abschieben, die Profis müssen also voll auf ihn vertrauen, eine ganz wichtige Voraussetzung aus seiner Sicht für das alles entscheidende Spiel gegen Porto.

Das sagt Guardiola: "Die Spieler sind meine Helden, ich freue mich, ihr Trainer zu sein, sie spielen wie Helden."

Das steckt dahinter: Der Spanier hebt seine Spieler in der entscheidenden Saisonphase in den Himmel, mit einer Resttruppe muss er gegen die bissigen Portugiesen bestehen. Im Bundesliga-Spiel in Hoffenheim (Sa., ab 15 Uhr im LIVETICKER bei SPORT1 und LIVE im Sportradio auf SPORT1.fm) wird auch Philipp Lahm fehlen wegen einer Magen-Darm-Infektion, Mario Götze und Xabi Alonso dürften nach Guardiolas Worten trotz ihrer Blessuren im Kader sein. Wann Bastian Schweinsteiger und Franck Ribery zurückkehren, ist weiter unklar.

Das sagt Guardiola: "Es war richtige Entscheidung zum FC Bayern zu kommen und hier zu trainieren.  Ich will im nächsten Jahr hier bleiben. Du musst immer mit Problemen kämpfen, aber aus diesem Grund ist der Beruf auch schön."

Das steckt dahinter: Es gibt weiter hartnäckige Gerüchte um die Zukunft des Erfolgstrainers, Paul Scholes schrieb jetzt in seiner Kolumne für den Independent: "Alles, was ich gehört habe, deutet daraufhin, dass Guardiola den Job bei Manchester City annehmen wird."

Allerdings werde Guardiola erst nach Vertragsende 2016 wechseln. Guardiola will in dieser Frage bloß keine Unruhe aufkommen lassen, über seine Zukunft und eine mögliche Vertragsverlängerung über 2016 hinaus soll daher erst im Sommer gesprochen wurde, wie immer wieder betont wurde.

Das sagt Guardiola: "Nach dem Schachtjor-Spiel hatten wir alle Spieler fit, ich habe gedacht, in zwei Wochen sind Philipp Lahm und Thiago zurück und wir können gegen Barcelona, Real, PSG, die besten Mannschaften der Welt, kämpfen."

Das steckt dahinter: Natürlich leidet der Katalane extrem unter der Verletzungsmisere, das verlorene Halbfinale gegen Real aus dem Frühjahr 2014 ist immer noch in seinem Kopf. Mit aller Macht will der ehrgeizige Trainer jetzt Revanche nehmen, brennt auf diese Spiele, umso mehr ärgern ihn die Verletzungen, die er aber nicht - zumindest nicht öffentlich - der medizinischen Abteilung anlasten will.

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