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Mitten in die Guardiola-Debatte platzt BVB-Boss Watzke mit der Wortmeldung, dass er sich Klopp bei Bayern vorstellen könne. Gewiss nicht ohne Hintergedanken.

An sich ist es ja eine ganz unschuldige Gedankenkombination.

Jürgen Klopp, ein großer Trainer: auf der Suche nach einem Job, den er in einem Jahr antreten kann. Der FC Bayern München, ein großer Verein: in einem Jahr womöglich auf der Suche nach einem Trainer, der bei ihm antreten kann.

Durchaus naheliegend, dass man sich da das eine und das andere zusammendenkt: Franz Beckenbauer hat das schon getan. Lothar Matthäus auch, Giovane Elber. Viele Medien sowieso.

Jetzt tut es auch Hans-Joachim Watzke. Bei ihm ist es dann aber doch etwas mehr als eine ganz unschuldige Gedankenkombination.

"Das würde zu hundert Prozent gut gehen"

"Jürgen Klopp ist für jeden Topverein ein Kandidat", sagt der Geschäftsführer von Borussia Dortmund der Rheinischen Post über seinen zweimaligen Meistertrainer: "Klopp und Bayern, das würde zu 100 Prozent gut gehen. Bei Bayern kannst du ja auch nicht so viel falsch machen. Meister werden die sowieso. Unsere Freundschaft würde darunter überhaupt nicht leiden."

Es ist eine Art emotionale Freigabe nach sieben gemeinsamen Jahren Bayern-Jagd beim BVB.

Und eine, die Watzke gewiss nicht zufällig gerade jetzt ausspricht.

Ein Stück psychologischer Kriegskunst

Bei Bayern herrscht Unruhe wegen der offenen Frage, ob Pep Guardiola über die kommende Saison hinaus verlängert.

Watzke schürt diese Unruhe, indem er Klopp bei Bayern ins Spiel bringt: Seine Wortmeldung wird Vorlage sein für weitere Artikel, für weitere Fan-Debatten, für weitere Reporterfragen, mit denen Guardiola traktiert wird.

Ein Stück psychologischer Kriegskunst, wie sie auch den Bayern im Umgang mit der Konkurrenz nicht fremd ist - Stichwort: Karl-Heinz Rummenigge und Marco Reus. Und man beachte mit Blick auf die Pep-Debatte in München auch den Unterton bei: "Meister werden die sowieso."

Watzkes Okay für ein mögliches Klopp-Engagement bei Bayern dürfte aber auch eine Botschaft an den eigenen Verein sein: Vergangenes ist vergangen, jetzt bitte voll auf die neue Zeit unter Thomas Tuchel einstellen - mit Klopps Schatten können sich nun gerne die Bayern rumärgern.

Eine plausible Lösung

Tatsächlich wäre Klopp für sie ja auch eine plausible Lösung: Ein deutschsprachiger Trainer, der schon genug Erfolge hinter und mutmaßlich auch noch genug Erfolge vor sich hat - diesem Profil entsprechen nicht viele Kandidaten, die auf dem Markt sind.

Klar, das Spielsystem Klopps ist ein etwas anderes als das, das bei den Guardiola-Bayern errichtet wurde. Und mit den Journalisten ärgert er sich ja auch mal ganz gern. Andererseits: Er träfe Robert Lewandowski wieder, Mario Götze...

Das Thema, das Watzke da eröffnet hat, lässt sich von vielen Seiten diskutieren.

Und Klopp selber wird es kaum beenden. Hat er doch selber schon gesagt: "Ja klar, wieso soll ich mir das nicht vorstellen können?"

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