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München - Gegen Dortmund zeigen die Bayern erneut, dass sie in einer eigenen Liga spielen. Trainer Pep Guardiola aber legt Wert auf die Feststellung, dass man auch dort nicht im Oktober Meister wird.

Um 19:23 Uhr blies Schiedsrichter Marco Fritz beherzt in seine Pfeife und erklärte das Gipfeltreffen offiziell für beendet. Nach Toren von Thomas Müller, Robert Lewandowski und Mario Götze hatte der FC Bayern gerade Borussia Dortmund mit 5:1 die Leviten gelesen. Und eigentlich sollte nun weißer Rauch über der Allianz Arena aufsteigen.

Denn die Zusammenkunft der Männer aus München und Dortmund, so stand es geschrieben, sollte nicht zuletzt die Frage klären: Hat der FC Bayern nationale Konkurrenz? Die vorläufige Antwort lautet: Nein.

Nach Wolfsburg und Leverkusen verabschiedete sich mit dem BVB nun auch der dritte vermeintliche Verfolger mit einer Packung aus der Landeshauptstadt. Bayerns Vorsprung in der Tabelle wächst damit auf stolze sieben Punkte.

BVB dominiert die Anfangsphase

Dass sie dem Rekordmeister über die Strecke von 34. Spieltagen ohnehin nicht die Stirn bieten könnten, betonten die Dortmunder unisono schon vor dem Spiel. Nach der bayerischen Machtdemonstration am Sonntagabend steht die Erkenntnis: Sie können es auch nicht über 90 Minuten. (SERVICE: Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

"Wir haben am Anfang fast alles richtig gemacht", sagte BVB-Trainer Thomas Tuchel, "aber wir haben es nicht geschafft, über 90 Minuten auf höchstem Niveau zu spielen - und dafür sind wir bestraft worden."

Tatsächlich gingen die ersten Runden im mit Spannung erwarteten Taktik-Duell gegen Pep Guardiola eher an Tuchel. Mit Gonzalo Castro anstelle von Marco Reus in der Startelf und einer Raute im Mittelfeld drückte er die Münchner Passquote in der ersten Viertelstunde auf 78 Prozent. Der Saisonschnitt liegt bei 90 Prozent. (SERVICE: Die Statistiken zum Spiel)

Guardiola: "Wir hatten Probleme"

Vor allem aber gelang es Dortmund, Douglas Costa auf rechts zu isolieren und zugleich mit Pierre-Emerick Aubameyang den eigenen schnellen Mann in Eins-gegen-Eins-Duelle zu schicken.

Als David Alaba sich gegen den Gabuner nur noch mit einem Foul zu helfen wusste und nach 105 Bundesligaspielen ohne Verwarnung früh die Gelbe Karte sah, musste Guardiola sich ernsthaft Gedanken machen.

"Wir hatten in den ersten 15 Minuten Probleme mit vielen Ballverlusten", räumte der Bayern-Trainer ein: "Aber dann haben wir unser System angepasst."

Guardiola stellt um - Boateng profitiert

Guardiola stellte auf eine Dreierkette um, schickte Jerome Boateng ins Zentrum - und verschaffte dem 27-Jährigen damit den nötigen Platz, um für die Schlüsselmomente der Partie zu sorgen.

In der 26. Minute bediente er Thomas Müller mit einem perfekten Pass aus der eigenen Hälfte. Unmittelbar nach der Pause schickte er genauso sehenswert Robert Lewandowski ins direkte Duell mit Roman Bürki.

In beiden Fällen ärgerte sich Tuchel später über das passive Abwehrverhalten seiner Feldspieler, in beiden Fällen machte aber auch der Gäste-Keeper keine gute Figur. In beiden Fällen jedenfalls hatten die Bayern-Stürmer das bessere Ende für sich.

Müller erzielte das wichtige 1:0 für die Bayern - und bedankte sich hinterher bei Boateng, indem er ihn als "Kaiser" adelte und die Szene nacherzählte: "Jerome hat mich angeguckt, ich habe ihn angeguckt und bin in den Raum gestartet. Weil das Timing gestimmt hat, war die Abwehr ausgehebelt."

Neuer Rekord für Lewandowski

Genauso wie beim 3:1 durch Lewandowski. Der erste Teil des Doppelpacks, mit dem der Pole für die Entscheidung sorgte – und sich endgültig in die Geschichtsbücher schoss. Neun Tore innerhalb von drei Spielen schaffte vor ihm noch kein Bundesligaspieler.

Mann des Tages aber war auch für Guardiola der Vorlagengeber: "Boateng ist mit Ball einer der besten Spieler überhaupt. Mit seinen diagonalen Bällen zwischen die Linien auf Lewandowski und Müller ist er überragend", feierte der Kurzpass-Fan die langen Bälle seines Abwehrchefs.

Insgesamt wirkte Guardiola zunächst sehr zufrieden. Mit sich selbst, der wieder einmal bewiesen hatte, dass er auch während des Spiels auf taktische Herausforderungen reagieren kann.

Und mit seiner Mannschaft, die wieder einmal bewiesen hatte, dass sie in entscheidenden Spielen die Intensität erhöhen und damit auch eine der in seinen Augen "besten Mannschaften Europas" mehr als deutlich schlagen kann.

"Niemand wird im Oktober Meister"

Auch deshalb gratulierte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke den Bayern schon vor dem Showdown zur Meisterschaft. Ein Thema, bei dem Guardiola freilich seine gute Laune für einen Moment einbüßte.

"In keiner Liga der Welt kann man im Oktober schon Meister werden. Jetzt ist es wichtig auf dem Boden zu bleiben", sagte der 44-Jährige. Und wirkte plötzlich alles andere als zufrieden: "Wir haben gegen Dortmund mit 5:1 gewonnen. Aber wir haben trotzdem viele, viele Fehler gemacht. Wir müssen immer weiter arbeiten."

Eine Haltung, die auch Tuchel Respekt abnötigt: "Es ist diese Atmosphäre, die hier geschaffen wurde und die Pep auf die Spitze getrieben hat. Diese Gier und diese Lust sind es, die Bayern auszeichnet." Und die am Ende wohl dafür sorgen werden, dass der FC Bayern auch in diesem Jahr deutscher Meister wird.

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