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Müller und Lewandowski gegen Dortmund
Thomas Müller (l.) und Robert Lewandowski trafen gegen Dortmund jeweils doppelt © Getty Images

München - Noch nie war eine Mannschaft in Deutschland derart überlegen wie der FC Bayern. Das birgt allerdings Gefahren für die Bundesliga - und für den Rekordmeister selbst.

Natürlich würde sich der neutrale Fan mehr Spannung wünschen, erklärte Thomas Müller nach dem Topspiel am Sonntag. Und schickte lachend hinterher: "Aber wir als FC Bayern wollen die Liga natürlich so unspannend wie möglich halten."

Also erteilten er und der FC Bayern einem Zweikampf um die Spitze kurzerhand eine Absage. Eindrucksvoll, mit einer 5:1-Gala gegen den vermeintlichen Herausforderer Borussia Dortmund.

Ziemlich harsch wurde die Bewerbung des BVB als Bayern-Jäger vorerst abgelehnt. Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg haben sich mit elf, beziehungsweise zwölf Punkten Rückstand bereits freiwillig zurückgezogen.

Köln und Ingolstadt als Bayern-Jäger?

Bleiben laut Tabelle noch der unfertige FC Schalke 04 - gefolgt von Hertha, Köln und Ingolstadt.  Oder anders gesagt: Niemand mehr. Die Bayern sind der Liga endgültig entwachsen, der Titelkampf ist bereits am 8. Spieltag so unspannend wie möglich.

"Man braucht bloß die Tabelle anschauen: Es ist schon dominant, was die Bayern machen", sagte Franz Beckenbauer zu SPORT1: "Aber wenn man überlegt, wie viele Fehler die Wolfsburger gemacht haben, wie viele individuelle Fehler auch die Dortmunder gemacht haben, braucht man sich nicht wundern, dass der FC Bayern klar gewinnt und dass er sich absetzt."

Stellvertretend für die ganze Liga hisste Kölns Manager Jörg Schmadtke in der Bild dann auch die weiße Flagge: "Es sieht nicht so aus, dass die jemand schlagen kann. Wolfsburg und Dortmund waren die größten Herausforderer - und die wurden nicht nur geschlagen, sondern zerpflückt."

Nach pessimistischer formulierte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke die aktuelle Situation: "Das wirtschaftliche Kräfteverhältnis von einem Klub zur Konkurrenz ist so dramatisch, dass es nicht mehr aufzuholen ist". Das führe dazu, dass, "Bayern München in den nächsten Jahren immer deutscher Meister wird. Ich kenne kein Patentrezept dagegen, weil die Bayern ja auch keine Fehler machen."

Mit dem Sieg gegen Dortmund hat der Rekordmeister seinen eigenen Startrekord überboten. Acht Siege in acht Spielen gab es zwar auch schon in der Triple-Saison 2012/13, auch damals betrug die Tordifferenz +24. Die in diesem Jahr erzielten 28 Tore sind allerdings eine neue Bestmarke.

Auch sieben Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten gab es nach acht Spieltagen noch nie. Die Dominanz der Bayern hat ein neues Level erreicht.

Langeweile als Problem

"Die einzige Gefahr droht dem FC Bayern nur von sich selbst. Weil Langeweile auch ein Problem sein kann", sagt SPORT1-Experte Fredi Bobic.

Ein Problem kann die Langeweile zum einen für das Produkt Bundesliga sein. Denn sie elektrisiert weder die Massen, noch die Werbetreibenden. Kurzum: Langeweile ist ein Ladenhüter.

Zugleich kann die Langeweile auch ein Problem für den FC Bayern selbst werden. Denn wenn es im Frühjahr in der Champions League gegen die große internationale Konkurrenz geht, kann sie schnell zum Standortnachteil werden: wenn zuhause die Herausforderungen fehlen, die Konzentration nachlässt, der Rhythmus verloren geht.

Nachteil in der Champions League

"Die letzten beiden Jahre scheiterten die Bayern in der Champions League auch deshalb vorzeitig, weil in der Mannschaft im entscheidenden Moment ein wenig die Spannung fehlte", sagt Bobic und fragt: "Sind sie für den internationalen Erfolg vielleicht national einfach zu gut?"

Fakt ist: Als die Münchner im letzten Jahr gegen den FC Barcelona unter die Räder kamen, war der Titelkampf in Spanien noch völlig offen. Der FC Bayern dagegen verlor in der Zeit um das Champions-League-Halbfinale im nationalen Vergleich gegen Leverkusen und Augsburg. Zahlreiche Verletzten waren ein Grund. Doch die Bayern konnten es sich auch leisten. Der Vorsprung auf Wolfsburg betrug auch danach noch uneinholbare elf Punkte.

Rivalen schaukeln sich hoch

Auch jetzt klafft in keiner der europäischen Topligen eine derart große Lücke zwischen Spitzenreiter und Verfolger. In England und Italien sind es aktuell zwei Punkte. In Spanien hat Barca als Vierter nur einen Zähler Rückstand auf Tabellenführer Villarreal.

Der ewige Rivale Real Madrid liegt punktgleich mit den Katalanen auf Platz zwei. Der Konkurrenzkampf lebt, die Spannung bleibt erhalten, für Zuschauer und Spieler.

Und wie sehr sich zwei Gegner auf Augenhöhe gegenseitig hochschaukeln können, wissen die Bayern nur zu gut. Zwischen 2010 und 2013 tobte ein echter Zweikampf mit dem von Jürgen Klopp neu erfunden BVB. Für die Münchner endete er mit dem Champions-League-Titel.

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