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Dortmund - Der BVB findet gegen den FC Ingolstadt ohne zwei Offensivstars kaum zu seinem Hochgeschwindigkeitsspiel. Hummels hat zweimal Dusel, dann fällt das erste Tor aus Abseitsposition.

Borussia Dortmund hat sich mit viel Mühe etwas näher an den enteilten Rekordmeister Bayern München herangeschoben. Etwas glücklich bezwang der BVB am 19. Bundesliga-Spieltag den äußerst kompakten Aufsteiger FC Ingolstadt durch zwei späte Tore von Pierre-Emerick Aubameyang (77./86.) 2:0 (0:0). (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

Allerdings stand der Gabuner beim Führungstor nach Flanke von Lukasz Piszczek im Abseits. Ingolstadts Spieler sahen die Szene auf der Videoleinwand und protestierten daraufhin beim hilflosen Schiedsrichter Guido Winkmann. Aubameyang hat jetzt 20 Treffer auf dem Konto, nachdem er auf ein feines Zuspiel von Gonzalo Castro kurz vor Schluss alles klar machte. (Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

"Dortmund war so clever, das Abseitstor auf der Videoleinwand zu zeigen. So eine Dummheit muss eigentlich bestraft werden", regte sich Ingolstadts Marvin Matip bei Sky auf. Der Schiedsrichter habe sich "nicht getraut, ein Novum zu schaffen und mithilfe des Videos zu entscheiden".

Schiedsrichter gibt Fehler zu

Winkmann nahm nach der Partie Stellung: "Fakt ist, es ist Abseits, Fakt ist, es ist spielentscheidend. Das Theater ist jetzt groß, aber nach dem Abpfiff war es von den Ingolstädtern ein sehr respektvoller Umgang. Ich habe es nachher gehört, habe es nur über das Headset ein bisschen mitbekommen, da gab es große Diskussionen. Aber es war eine Tatsachenentscheidung. Selbst wenn ich es gesehen hätte, hätte ich es nicht zurückgenommen."

Ingolstadts Trainer Ralph Hasenhüttl reagierte frustriert. "Ich gratuliere dem Gegner zum Sieg, aber es fällt sehr schwer heute", sagte er. "Fakt ist: Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht. Über die Art und Weise, wie diese Niederlage zustande kam, sind wir sehr enttäuscht. Es bleiben nach der Partie viele offene Fragen zu diesen 90 Minuten."

Und weiter: "Die Krönung war das Abseitstor. Da kann ich dem Schiedsrichter keinen Vorwurf machen, da muss er sich auf seinen Linienrichter verlassen. Das hat jeder gesehen im Stadion. Unter dem Strich bleibt die Null. Das ist das, was mich heute richtig ankotzt."

Dortmund bleibt dran

Der Rückstand auf den Tabellenführer beträgt damit vorerst nur noch fünf Punkte, der FC Bayern kann allerdings am Sonntag gegen 1899 Hoffenheim wieder weiter davonziehen. Ingolstadt hat mit 23 Punkten trotz der Niederlage beste Chancen auf eine weitere Bundesliga-Saison. "Die Ingolstädter verteidigen sehr gut, Mann gegen Mann, lassen kaum Räume. Das ist für die Mannschaft, die Fußball spielen will, schwieriger", urteilte Dortmunds Gonzalo Castro. (Die Tabelle der Bundesliga)

Pech hatte Ingolstadt, als ein kurioses 25-Meter-Eigentor des BVB-Kapitäns Mats Hummels (67.) von Winkmann nicht anerkannt wurde, weil Hummels von Ingolstadts Dario Lezcano bedrängt worden war - das war höchst strittig. Auch hier keilte Matip: "Aber das ist Mats Hummels, vielleicht darf der keine Eigentore machen." (Die Statistiken zum Spiel)

Schon in der ersten Halbzeit stand Hummels im Mittelpunkt, als er Lezcano im Strafraum am Arm festhielt (30.). Winkmann ließ weiterlaufen, obwohl Ingolstadt eine Torchance genommen wurde. Hier war die Sache aber bei Weitem nicht so klar wie bei den anderen beiden strittigen Szenen. Matips Fazit: "Wir müssen heute nicht übers Spiel reden. Es waren drei Entscheidungen gegen uns. Wir haben alles reingepackt. Ein Abseitstor, ein Eigentor, ein Elfmeter, wo es eigentlich noch eine Rote Karte geben muss. Jeder, der das Spiel gesehen hat, weiß es."

Hummels selbst verstand den Ingolstädter Ärger: "Es ist absolut nachvollziehbar. Wenn man ein Abseitstor kassiert und die Heimmannschaft den Fehler macht, es auf der Videoleinwand einzublenden, dann ist das doppelt und dreifach ärgerlich", sagte er Sky.

Die Highlights des Spieltags am Sonntag ab 9.15 Uhr in Bundesliga Pur im TV auf SPORT1

Für den BVB war das Spiel zäh. Gündogan wurde als Taktgeber vermisst, Reus als Panzerknacker gegen ein engmaschiges 4-5-1 der Gäste. Die Notlösung Adrian Ramos war nicht annähernd ein gleichwertiger Ersatz auf der rechten Angriffsseite, der Kolumbianer spielte wieder mal unglücklich. Zudem fehlte eindeutig Kreativität auf der Sechserposition mit Julian Weigl und Matthias Ginter. Auch von Alleinunterhalter Shinji Kagawa kamen kaum gute Pässe.

"An solchen Tagen freut man sich auch mal über einen dreckigen Sieg. In manchen Situationen waren wir heute die Glücklichen", gab Dortmunds Trainer Thomas Tuchel zu.

Ingolstadts Lezcano stark

Wenn der FCI konterte, wurde es gefährlich für die auf vier Positionen umgestellten Dortmunder - Torhüter Roman Bürki musste in der 15. Minute gegen Dario Leczano alles zeigen, um ein 0:1 zu verhindern. Eine Viertelstunde war Bürki vom spielfreudigen Leczano bereits überlupft, als Lukasz Piszcezk in höchster Not klärte. Dauerregen und der glitschige Rasen erleichterten den Gästen zudem die Aufgabe, den BVB vom eigenen Tor fernzuhalten.

© SPORT1

Aubameyang hatte die ersten wirklichen Gelegenheiten der Gastgeber. Erst spitzelte er eine Flanke von Erik Durm, erstmals seit Mai von Beginn an dabei, noch auf das Tor - aber der starke Ramazan Özcan parierte (33.). Dann scheiterte Afrikas Fußballer des Jahres per Kopf (43.).

Tuchel reagiert

Zur Halbzeit wechselte der BVB die Seiten, aber nicht seine Spielweise. War ein Ingolstädter mal ausgespielt, standen dem Angreifer gleich zwei andere Gegenspieler auf den Füßen. BVB-Trainer Thomas Tuchel brachte daher Moritz Leitner, der in der 65. Minute in bester Position scheiterte, und Gonzalo Castro, die aber auch nicht wesentlich mehr Spielwitz einbrachten.

Ingolstadt erwartete die Gastgeber mit der zweitbesten Defensive der Liga nun noch tiefer in der eigenen Hälfte, schlug die Bälle serienweise aus dem Strafraum, ohne hektisch zu werden. Die wenigen kleineren Fehler bügelten die Mitspieler aus.

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