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Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen - DFL Supercup 2016
Torschütze Arturo Vidal hebt den Supercup-Pokal in die Höhe © Getty Images

Der FC Bayern fährt den ersten Titel der Saison ein, im Supercup schlägt der FCB Borussia Dortmund. Ribery brennen die Sicherungen durch, Götze schaut nur zu.

Erstes Pflichtspiel, erster Sieg, erster Titel - mit viel Glück hat Carlo Ancelotti beim FC Bayern München schon am 34. Amtstag erreicht, was Pep Guardiola drei Jahre lang verwehrt blieb.

In einem intensiven und hochklassigen Supercup-Duell bei Borussia Dortmund sicherte sich der neue Trainer des Münchner Double-Gewinners durch ein 2:0 (0:0) seine erste Trophäe. Guardiola hatte den Supercup dreimal verloren, zweimal davon gegen den am Sonntagabend hervorragend aufspielenden, aber abschlussschwachen BVB (2013 und 2014). 

Arturo Vidal (58.) und Thomas Müller (79.) auf Vorlage des Ex-Dortmunders Mats Hummels erzielten die Tore zum insgesamten schmeichelhaften Sieg für den Rekordmeister.

"Es war schwer, Dortmund hat in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt, aber in der zweiten ist es besser für uns gelaufen", sagte Ancelotti im ZDF.

"In der ersten Halbzeit hatten wir Glück. Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn meine alten Jungs in Führung gegangen wären", meinte Hummels, den man in einigen Situationen seine noch fehlende Spielpraxis anmerkte. "Das Spiel war gut, um wieder ein bisschen in den Spielrhythmus zu kommen", ergänzte Hummels.

Er könne auf den Supercup "verzichten", hatte BVB-Trainer Thomas Tuchel vorab gesagt, er bemühte sich erst gar nicht, das Duell zum Kräftemessen zweier Titelrivalen zu stilisieren. Schließlich spielte ohnehin nicht der Meister gegen den Pokalsieger, weil der FC Bayern beide Titel gewonnen hatte. 81.360 Zuschauern war das gleich - das Spiel, das in 209 FIFA-Mitgliedsstaaten übertragen wurde, war ausverkauft. 

Die Fans wurden nicht enttäuscht. Es war kein Sommerkick zweier B-Teams, kein lustloses Ballgeschiebe, im Gegenteil: Es ging mächtig zur Sache.

Ribery nach Ellbogencheck im Glück

Bayern-Superstar Franck Ribery lieferte sich ein Duell mit Felix Passlack und hätte sich nach einem Ellbogenschlag gegen den Dortmunder Abwehrspieler (28.) nicht über eine Rote Karte beschweren können. Schiedsrichter Tobias Welz zeigte zur Verwunderung vieler Zuschauer stattdessen beiden Spielern Gelb.

"Ich kenne Franck, er ist ein Hitzkopf. Wenn es kein Supercup, sondern ein normales Spiel gewesen wäre, hätte er eine Rote Karte bekommen", sagte der aus München zum BVB gewechselte Sebastian Rode imZDF.

"Ich würde schon sagen, das ist eine Tätlichkeit", sagte Passlack, nachdem er die TV-Bilder gesehen hatte.

Rode beklagte zudem die "fehlende Cleverness" seiner Mannschaft. "Wir hätten in der ersten Halbzeit ein Tor machen müssen", sagte der Mittelfeldspieler.

Klare Vorteile für Dortmund vor der Pause

Das Spiel verlief lange Zeit mit erheblichen Vorteilen für den BVB. Pierre-Emerick Aubameyang (8./11.), Ousmane Dembele (32./33.) und Felix Passlack (49.) ließen die ebenso unsortierte wie unkonzentrierte Bayern-Abwehr alt aussehen, die Liste ließe sich fortsetzen.

Allein: Sie trafen das Tor nicht. Häufig waren es die Nerven, manchmal technische Fehler, mehrfach rettete aber auch Bayern-Torhüter Manuel Neuer seine Mannschaft vor einem Rückstand. In der 15. Minute forderte der BVB-Anhang nach einem Handspiel von Alonso einen Strafstoß, den Welz aber nicht gab.

Pfiffe gegen Hummels, Götze nur auf der Bank

Zunächst hatte es die Rückkehr von Hummels zu sehen gegeben. Der Weltmeister, nach acht Jahren BVB zurück zum FC Bayern gewechselt, spielte in der Innenverteidigung, er wurde bei jedem Ballkontakt von der Südkurve leidenschaftlich ausgepfiffen.

"Ich habe kein Problem damit, wenn die Leute ihren Unmut kundtun. Fußball ist etwas Emotionales und ich kann auch sehr gut damit leben, wenn sich die Emotionalität gegen mich richtet", meinte Hummels.

Mario Götze dagegen, Rückkehrer von den Bayern nach Dortmund, saß 90 Minuten auf der Bank.

"Sein Einsatz war nicht vorgesehen. Von unserer Belastungssteuerung ausgehend sollten die Spieler spielen, die bereits vier bis fünf Wochen im Training sind", erklärte Tuchel.

Der Rekordmeister wirkte noch ohne Arjen Robben, Douglas Costa, Jerome Boateng und Renato Sanches (alle verletzt) defensiv instabil. Die Abwehrreihe mit Javi Martinez schaute bei einigen Großchancen nur zu, vor allem rechts hinten boten sich dem stürmischen BVB Lücken. 

Bürki hält bravourös - und patzt

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Kurz vor der Pause folgte die erste gute Gelegenheit der Bayern - Vidal (38.) scheiterte zweimal an BVB-Torhüter Roman Bürki. Stürmerstar Robert Lewandowski kam kurz darauf vor dem herausstürmenden Bürki zum Kopfball (43.), brachte den Ball aber nicht vorbei.

Es blieb zunächst ein Aufflackern, denn nach der Pause lief das Spiel ähnlich. Der komplett umgekrempelte BVB, mit den Pflichtspiel-Debütanten Marc Bartra (vom FC Barcelona), Dembele (Stade Rennes) und Sebastian Rode (FC Bayern) in der Startelf, wirbelte, die Bayern hechelten hinterher.

Mit dem Unterschied, dass sie bei ihrer nächsten Gelegenheit eiskalt zuschlugen. Vidals 16-Meter-Schuss ließ Bürki unglücklich nach vorne abprallen, Vidal setzte nach und schob den Ball am Schweizer vorbei. 

Müller machte den ersten Titel der Saison für die Bayern perfekt.

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